Diabolus Umarov

Blog des Autor Diabolus Umarov

Star Trek Discovery S01-E01/02

Von: diabolusUmarov
Erstellt am: 01.10.2017

Ich bin ein Trekkie, komme wer da wolle. Ich behaupte mal, ich habe alles gesehen, was man von Star Trek sehen kann. Alle Filme und wahrscheinlich auch alle Teile jeder Serie. Dies trifft auch auf DS9 zu, obwohl es die Serie bei mir wirklich schwer hatte! Ich bin auch ein Freund der neuen Kinofilme mit der neuen Zeitlinie, was so manch anderer Trekkie nicht verstehen kann. Mir gefallen die Filme aber und ich denke, es ist mein gutes Recht!

Nun war ich natürlich hoch begeistert, als ich von den Planungen zu einer neuen Serie gelesen habe. Auch war es für mich weder positiv noch negativ, dass diese in der ursprünglichen Zeitlinie spielen würde. Skeptisch war ich jedoch ein wenig bezüglich des Handlungszeitraum. Zehn Jahre vor Raumschiff Enterprise (Das Schiff von Kirk) wird die Serie angesiedelt. Prinzipiell ist es mir egal, wo so eine Serie spielt, wäre da nicht die Nummer mit der Technik. Ich war schon immer belustigt darüber, dass die NX-01 auf der Brücke technisch deutlich fortschrittlicher war, als die NCC-1701. Das liegt nun einmal daran, dass die Technik auf der Erde, also der wirklichen Erde, nicht stehenbleibt. Was zu Beginn von Raumschiff Enterprise noch utopisch anmutete (TFT Monitore usw), ist heute ja ein alter Hut. Bei Kirk waren es noch aufgeklebte Bilder, welche die Monitore darstellte und jede Menge blinkender Lichter, die kein Mensch verstand, so war bei der NX-01 alles in Bewegung, funktional und detailliert.  Ein Problem, womit auch Star Wars zu kämpfen hatte. Ein guter Freund regte sich bei Star Wars 3 zum Beispiel sehr auf, weil die Kontrollen zu Beginn des Films alle sehr detailliert und verständlich waren, während am Ende des Filme, wo Vader schon mit seine Maske auf die Brücke des Sternenzerstörers kommt wieder diese übergrossen, blinkenden Lichter zu sehen waren. Technik von vor über drei Jahrzehnten eben. Bedenkt man nun den Fortschritt seit Star Trek Enterprise, so machte ich mir wirklich Sorgen darüber, dass die Brücke der Discovery, welche am Anfang ja noch gar nicht mitspielt, um längen moderner wirken würde, wie zum Beispiel die der Voyager. Ich sollte Recht behalten!

Mal wieder die obligatorische Warnung von mir, es liegt gut um Bereich des Möglichen, dass ich spoilere. Wer das nicht möchte, der sollte besser nicht weiterlesen!

Was mir nicht gefällt

Bleiben wir gleich mal bei dem angesprochenen Punkt. Es kam natürlich genauso, wie ich es befürchtet hatte. Technisch schlägt die gezeigte Technik alles, was bislang in einem Raumschiff in Star Trek zu sehen war. Nicht ganz unverständlich, wie ich finde. Aber auch das ganze Design der Brücke gefällt mir nicht. Bei Kirk war es noch eine Brücke. Jetzt nicht von der Technik her, sondern vom Aufbau. Ein Raum, welcher genau so gross war, wie es sein musste. Nicht mehr und nicht weniger. Bei TNG war ich zwar anfangs ein grosser Fan der Brücke, so nach und nach hatte ich aber immer mehr den Eindruck, dass sei ein grosses Wohnzimmer und keine Brücke. Okay, die Brücke der Defiant gefiel mir dann wieder, während die der Voyager, na ich weiss nicht. Die war nicht schlecht, ich würde sie so aber nicht bauen. Die NX-01 hingegen passte äusserst gut ins Bild! Bei der Shenzou hatte ich aber von Anfang an Probleme mit der Orientierung. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber das kommt mir alles viel zu gross und mächtig vor. Da gibt es auch anscheinend keinen Hauptschirm, wie man es aus Star Trek kennt, vielmehr scheint alles irgendwie ein grosses Fenster zu sein. So wirkt es auf jeden Fall auf mich. Irgendwie, man baute also vor der NCC-1701 Raumschiffe mit solchen Brücken und Bildschirmen, der arme Kirk bekommt dann aber wieder eine harmlose Minimalausführung? Also da hätte man doch im Rahmen der Zeit bleiben können! Oder, man hätte diese Serie in die neue Zeitline schieben sollen, dann wäre das vom Design her besser hingekommen!

Womit ich auch meine liebe Not habe sind die Klingonen. Warum müssen diese armen Kreaturen immer leiden? Ich meine, bei Kirk waren es noch eher normale Menschen. Das wird bei Star Trek Enterprise ja aufgeklärt, was ich echt gut fand. Aber was sind das nun für welche, die da bei Discovery ihr Unwesen treiben? Klingonische Skinheads? Wie man es von Worf her kennt, haben Klingonen immer eine Mähne, wo jeder Heavy-Metall-Freak feuchte Augen bekommt. Die Jungs hier haben nicht ein Haar auf dem Kopf. Genetischer Defekt? Modische Verfehlung? Kein Geld für Perücken? Ich weiss es nicht, habe aber meine Probleme damit!

Ich glaube das war es schon an den Dingen, die mir nicht gefallen haben bisher.

Was mir gefallen hat

Was mir richtig gut gefallen hat war die Tatsache, dass dieses Mal ein Mensch bei den Vulkaniern gelebt hat und dort ausgebildet wurde. Im Allgemeinen schneiden die Menschen im Vergleich zu den Vulkaniern ja immer etwas schlecht ab. Sie sind viel schwächer und werden gerne als nicht ganz so intelligent hingestellt. Da wäre zum Beispiel der erste Kinofilm zu nennen. Scotty, der Mann für alle Fälle, bekam den dummen Warp-Antrieb nicht in den Griff. Ja, Scotty! Der Typ, der normalerweise selbst den grössten Schrotthaufen wieder zum Laufen bringt. Er veranschlagt vier Tage für eine Reparatur, bekommt vier Stunden und macht es dann in zwei. Dieser Scotty ist nun nicht in der Lage, den Antrieb zum Laufen zu bringen. Erst als Spock auftaucht und ihm zur Hand geht läuft die Kiste endlich. Zu gut deutsch, die Menschen sind dumm und brauchen Hilfe von Vulkaniern. Das die Menschen aber nicht dumm sein müssen zeigt sich bei Discovery. Michael Burnham, wobei es sich trotz des Namen Michael um eine Frau handelt, hat ihre Kindheit nun bei den Vulkaniern verbraucht und wurde dort auch erfolgreich ausgebildet. Es geht also doch! Sie kann sogar Spocks-Würgegriff, was ich für meinen Teil echt toll fand! Aller Wahrscheinlichkeit nach hat man auch versucht ihr die Emotionen auszutreiben, aber irgendwie scheint das nicht wirklich erfolgreich gewesen zu sein. Habe ich mal so den Eindruck.

Was mir weiterhin gut gefallen hat, auch wenn es wohl ebenfalls besser in die neue Zeitlinie gepasst hätte, in der Serie gibt es Action! Zumindest in den ersten beiden Teilen geht es stellenweise echt zur Sache. Da wird richtig viel rumgeballert und vieles explodiert. Sogar eine heldenhafte Selbstzerstörung ist zu sehen! Die Effekte sind dabei wirklich hervorragend in meinen Augen! Als das getarnte, klingonische Schiff ein Schiff der Sternenflotte rammt zum Beispiel. Ich war gefesselt! Nun mag es Leser geben, die meine Einstellung nicht teilen werden. Erst kürzlich hatte ich eine kurze Diskussion darüber, dass mit TNG manchmal wirklich zu langweilig war. Picard war mir immer wieder einen Zacken zu sehr bemüht, alles mit Worten zu regeln. Prinzipiell unterstütze ich ja die Konfliktlösung mit Argumenten, aber bei TNG konnte Picard einige Situationen dann mit Argumenten lösen, die in meinen Augen niemals hätten Wirkung zeigen können. Man möge dabei aber auch bedenken, jede Art von Aussenaufnahme bei TNG, zumindest am Anfang, wurde mit Modellen gedreht und der Aufwand, da gute Kämpfe zu zeigen war wahrscheinlich einfach viel komplizierter, als einen hohlen Dialog zu schreiben. Mit Einzug der Computeranimation zeigte sich spätestens bei DS9 ja, dass man auch als herausragender Kommandant nicht alles mit Worten regeln kann. Zumal bei TNG viele fremde Rassen dann doch zu menschlich wirkten. Bei Kirk wirkte das noch anders. Da wurde auch mal gekämpft. Besonders ist bei mir da eine Folge von Kirk hängengeblieben. Ein unbekanntes, sehr starkes Raumschiff der Romulaner greift Stationen der Föderation an und wird im Anschluss von Kirk gejagt. Dabei kommt es nicht zum stupiden geballere, sondern man sieht sowohl Kirk, wie auch den romulanischen Kommandanten ihre Strategie planen und merkt auch, beide wollen den Kampf eigentlich gar nicht. Das ist genau das was ich meine. Auch wenn man es eigentlich gar nicht will, manchmal geht es einfach nicht mehr mit Worten! Wie hätte Picard das mit Kahn gelöst? So lange auf ihn eingeredet, bis er irgendwann brav eingeknickt wäre, die Reliant übergeben und in Gefangenschaft gegangen wäre? Die Argumentation hätte ich gerne gesehen!

Gut gefallen hat mir auch, Michael erkennt den Ernst der Lage und weil man einfach nicht auf sie hören will versucht sie es dann auf eigene Faust. Okay, ist per Definition natürlich Meuterei, aber letzten Endes hätte es einiges an Leben retten können, wenn es denn erfolgreich gewesen wäre. Hört man nicht immer weider den Satz »Ich habe nur Befehle befolgt!«? Wenn man genau weiss, dass dieser Befehl falsch ist, sollte man dann nicht an Befehlsverweigerung denken? Michael tut es und auch wenn sie die Konsequenzen dafür tragen muss, zum guten Schluss kann sie sich nicht vorwerfen, dass sie die Möglichkeit gehabt, aber nicht genutzt hatte. Gefällt mir!

Was ich natürlich auch erwähnen muss sind die Effekte. Klar, zu Zeiten von Kirk war es einfach nicht machbar, ein halb kaputtes Schiff zu zeigen. Die Dinger gab es schliesslich nur in relativ kleinen Modellen und da dann detaillierte Zerstörungen zu zeigen, dass wäre schon schwer und wahrscheinlich auch sehr teuer gewesen. Bei Discovery sieht man nun, dass die Schiffe auch durchaus stark in Mitleidenschaft gezogen werden können. Daumen hoch.

Als letzten Punkt möchte ich die Klingonen ansprechen. Okay, optisch schlagen sie mal wieder aus der Art, aber nicht was ihre Rituale angeht. Stirbt einer von ihnen, so brüllen seine Kameraden im Anschluss, um das Sto’Vo’Kor über die Ankunft eines Kriegers zu informieren. Oder auch, dass sie den ersten Tot eines Kriegers feiern, anstatt ihn zu betrauern. So stelle ich mir die Klingonen vor. Aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, die Klingonen die bislang in Discovery gezeigt wurden sind etwas zu religiös. Früher waren es die Russen des Weltraums, sind es heute die radikalen Islamisten? Klar, mit den Klingonen kann man es schliesslich machen!

Fazit

Ich habe mich bislang über jede neue Serie und jeden neuen Film von Star Trek gefreut. Discovery stellt da keine Ausnahme. Allerdings hatte ich zu Beginn immer etwas Schwierigkeiten damit, mich an die Serie zu gewöhnen. DS9 hat es bis heute nicht wirklich geschafft. Auch bei TNG damals tat ich mich anfangs schwer. Selbst bei Star Trek Enterprise wollte ich am Anfang nicht wirklich warm werden mit der Serie, wobei sie sich dann neben Kirk zu meinem Favorit gemausert hat, noch in der ersten Staffel.

Bei Discovery ist es ähnlich. Es ist Star Trek. Zwar gibt es Punkte, die ich noch nicht so ganz akzeptieren will, es ist aber jetzt schon besser wie DS9. Ich werde die Serie also mit Sicherheit weiter schauen und wer weiss, vielleicht entwickelt sie sich ja noch zu einem Highlight? Wer weiss das schon! Auf jeden Fall hoffe ich sehr, dass da nicht wieder ein verfrühter Abbruch stattfinden wird. So etwas hasse ich! Star Trek Enterprise hätte durchaus noch ein paar Staffeln vertragen können. DS9 lief schliesslich auch mehr Staffeln lang, als es in meinen Augen eigentlich gerechtfertigt war. Aber okay, liegt alles im Auge des Betrachters.

Um zum Schluss zu kommen, wer Star Trek mag, der sollte sich die Serie definitiv anschauen!


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