Diabolus Umarov

Blog des Autor Diabolus Umarov

Lisa! Kopfgeldjäger! (Fall #32116 – 0,8 cm)

Von: diabolusUmarov
Erstellt am: 27.11.2016

Warnung

Auch wenn ich natürlich auch diesen Fall wieder auf Fettnäpfchenjagd gegangen bin möchte ich vorausschicken, dass dieser Auftrag echt heftig war und nicht unbedingt etwas für schwache Nerven ist. Vielleicht kommt es beim Schreiben nicht so rüber, aber mich hat es bis ins Mark erschüttert! Die Abgründe des Menschen sind schon ziemlich tief und nehmen manchmal groteske Formen an!

Was bisher geschah

Das Ersetzen der Absperrung, welche ich bei dem letzten Fall ja beim Landen zerlegt hatte, war nicht so teuer wie ich dachte. Doch dieses Mal war es Bot, der jede Menge des hart verdienten Geldes für sich beanspruchte. Was er nicht alles für Upgrades wollte. Jetzt ist er so leistungsfähig, es macht mir manchmal ein wenig Angst. So hat er nun einen Antischwerkraftgenerator, Betäubungswaffen, einen Plasmabrenner und keine Ahnung was noch alles. Dafür musste ich ihm sogar ein neues Chassis besorgen, da die ganzen Upgrades nicht auf das alte drauf passten. Nun hat er also acht Räder, ist dafür aber um einiges schneller und kann, wenn er nicht abheben will, sogar fiese Hindernisse überwinden. Er hat aber auch neue Greifer, was seine Fähigkeiten als Koch deutlich verbesserten.

Ansonsten gab es nur eine Neuerung. Die GemSpa, die Organisation welche die Aktivitäten aller als Mensch klassifizierten Lebensformen regelte, bemängelte meine Arbeitsweise. Ich war als Kopfgeldjäger registriert. Da ich jedoch immer wieder Ausflüge in Fälle für Detektive unternahm musste ich meinen Status dahingehend erweitern. Nun bin ich also Kopfgeldjäger Schrägstrich Privatdetektiv.

Montag

So mochte ich die Tage. Schön ausschlafen, anschliessend eine Dusche geniessen und warten, bis Bot seine Künste beim Frühstück ausübte. Ja, so konnte das immer laufen. Dazu waren wir auf dem Pol eines Planeten gelandet, welcher nah an seiner Sonne kreiste. Ich sage euch, so einen Sonnenaufgang vergesst ihr nicht! Wenn man dann im Cockpit sitzt und die riesige Sonne sieht, dabei sein Frühstück geniesst, ja. Das ist leben!

Doch kaum war das Frühstück verzehrt gab eine Nachricht über den Kommunikator. Aus ich sie annahm sah ich das Bild einer älteren Frau auf dem Schirm.

»Ich habe gehört, sie übernehmen auch spezielle Aufträge?«

»Ich übernehme eigentlich alles, solange es kein Mordauftrag ist.«

»Nein. Darum geht es nicht. Wenn sie Interesse haben schicke ich ihnen meine Koordinaten, dann können wir reden.«

Natürlich hatte ich Interesse. Bot hatte mich so viel Kohle gekostet, dass was noch übrig war würde nicht ewig halten. So bekam ich die Koordinaten und kurz darauf ging es los. Mit meinem Schiff war es nur eine Reise von knapp einer Stunde, in welcher Bot sich über die potentielle Auftraggeberin schlau machte. Sie gehörte zur Oberschicht und ihr Mann hatte sehr viel Einfluss. Die Betonung lag dabei auf hatte, da er anscheinend kürzlich inhaftiert wurde. Korruption, Geldwäsche und Verbindungen zu kriminellen Vereinigungen wurden ihm vorgeworfen. Wie Bot piepte waren meine Daten, die ich beim Auftrag mit Carlos erbeutet hatte, unter Anderem für diese Inhaftierung verantwortlich. Na das konnte heiter werden.

Als ich ankam wurde ich von einem Bediensteten empfangen. Zur Sicherheit hatte ich ein Halsband mit Überwachungselektronik angelegt. Bot konnte die Umgebung im Auge behalten. Nur für den Fall, dass die Dame irgendwelche Racheaktionen gegen mich plante. Als ich ihr vorgestellt wurde piepte Bot gleich, die Umgebung wäre sauber. Das beruhigte mich und konnte der Dame unbesorgt gegenübertreten.

»Ich nehme an, sie haben sich auf dem Weg hier her über mich informiert.«

»Natürlich. Informationen sind unter Anderem mein Geschäft und ein guter Indikator für potentielle Fallen.«

»Dann wissen sie auch, dass mein Mann festgenommen wurde?«

»Ja.«

»Okay. Zuerst war ich über diese Tatsache nicht besonders glücklich. Auch nicht, dass sie für seine Inhaftierung indirekt verantwortlich sind. Mittlerweile denke ich aber, es war wohl das Beste.«

»Und warum bin ich nun hier?«

»Das PBI hat einen geheimen Account meines Mannes entdeckt und öffnen lassen. Darin befanden sich unzählige Beweise für die Anschuldigungen gegen ihn. Der ganze Rest wurde mir zur Verfügung gestellt. Viel war das nicht, doch darunter befand sich auch eine Videodatei. Ich habe sie geöffnet und was ich gesehen habe…«

Sie unterbrach ihre Rede. Sichtlich gezeichnet schien sie von diesem Video zu sein. Es fiel ihr schwer wieder die Fassung zu gewinnen und weiter zu reden.

»Schauen sie es sich einfach selbst an, dann reden wir weiter.«

So geschah es. Ich bekam eine Brille und kurz darauf startete das Video. Ich war in einem düsteren Raum. Auf der Seite brannte ein sehr grosses Feuer in einer Art Kamin. Kurz passierte gar nichts. Dann betrat ein Mann mit Lederschürze und Maske den Raum. Er stellte eine kleinen Baumstamm, oder etwas ähnliches auf und fing an eine grosse Axt zu schärfen. Wenige Minuten später wurde eine junge Dame hereingeführt. Der Typ, der sie herein brachte zeigte auf den Kerl in der Maske. Langsam ging sie auf ihn zu. Er begutachtete sie, zeigte dann auf den Stamm. Sie schaute zu ihm, zu dem Mann welcher sie hereingeführt hatte, dann kniete sie sich. Ich ahnte, was da wohl kommen würde. Sie legte ihren Kopf auf den Stamm. Der Maskenmann legte ihren Hals unter den Haaren frei und ging einen Schritt zurück. Kurz darauf hob er seine Axt und schlug zu. Blut floss in Strömen, der abgetrennte Kopf schlug auf den Boden und rollte zur Seite. Der Körper fiel zuckend um und nach ein paar weiteren Zuckungen blieb er reglos liegen.

Schon da hatte ich eigentlich genug. Als der Körper dann jedoch wie ein Spanferkel präpariert und über das Feuer gehängt wurden brach ich die Aufnahme ab. Das war zu viel für mich. Am Blick der Frau konnte ich erkennen, dass sie meine Reaktionen mehr wie gut nachvollziehen konnte.

»Und…«

Ich musste schlucken. Das ging mir doch schon ganz schön an die Nieren.

»… und was kann ich nun für sie tun?«

»Finden sie heraus, wie mein Mann in den Besitz dieses Videos gekommen ist und was er damit zu tun hat.«

»Ich weiss nicht, ob das ein Fall für mich ist!«

»Bitte! Sie haben es geschafft Beweise gegen meinen Mann zu finden. Ich vertraue ihnen. Sie sind genau die, die ich will.«

»Sie benötigen aber eher einen Detektiv und keinen Kopfgeldjäger.«

»Nach ihre ID sind sie auch Privatdetektiv.«

Und schon bereute ich die Erweiterung!

»Ja schon, aber…«

»… bevor sie ablehnen. Ich garantiere ihnen eine mehr wie grosszügige Gage und in meinem Umfeld gibt es sehr viele Personen, welche nach Referenzen für Detektive suchen.«

Man! Warum kamen die Leute immer mit so etwas? Klar, wenn ich in ihrem Umfeld einen Namen hatte würde ich wahrscheinlich sehr viel Geld machen, nur weil ich irgendwelche Ehemänner, oder Ehefrauen ausspionierte. In dem Moment piepte Bot und meinte, wenn ich das ablehnen würde wären wir per sie. Toll. Nun wurde ich schon von meinem Autopilot bedroht! Abartig.

»Okay. Ich benötige das Video für eine Analyse.«

»Sie können haben was sie brauchen. Ich habe auch schon eine Kreditlinie als Spesen für sie angelegt. Was immer sie brauchen, sie können darüber verfügen!«

Na ich brauchte so einiges! Mein Armreif war kürzlich verschwunden und meine Unterwäsche konnte auch Zuwachs gebrauchen. Na ja, ich nahm mal an, sie meinte es anders. Aber gut.

»Ich melde mich, wenn ich Informationen habe.«

»Ich danke ihnen!«

Zurück auf meinem Schiff war mir wirklich schlecht. So etwas wollte ich mir eigentlich nie angucken müssen. Wir starteten, auch wenn ich noch keinen Plan hatte wo es hingehen sollte. Dennoch hatte ich den Drang so schnell es ging diesen Ort zu verlassen. Was waren das nur für Leute, die einen Menschen grillten? Widerlich!

Nachdem wir den Planeten verlassen hatten gab ich Bot das Video und bat ihn, die Datenbanken nach der jungen Frau zu durchsuchen. Der machte sich sofort an die Arbeit. Er mag ja in gewisser Hinsicht über Empfindungen verfügt haben, doch solche Videos liessen ihn natürlich kalt. Das war gut. Ich musste mir das also nicht noch einmal anschauen. Bot war schnell und knapp eine Stunde später hatte er auch Neuigkeiten. Allerdings nicht viele. Die Frau war in der Datenbank nicht registriert. Also war sie wahrscheinlich unter 21 und dementsprechend bei der GemSpa noch nicht registrierungspflichtig. Das erschwerte die Sache. Allerdings hatte Bot in den Karteien für vermisste Personen einige Treffer. 15 Frauen, welche der Gesuchten relativ ähnlich sahen, galten als vermisst. Okay. Das musste man aber noch eingrenzen können. Ich liess Bot das Video analysieren. Vielleicht konnte er anhand der Daten etwas herausfinden. Er machte sich an die Arbeit.

Fast zwei Stunden musste ich warten, bis der Kleine seine Analyse abgeschlossen hatte. Sicher war nur eins. Das Video wurde schon vor über zehn Jahren aufgenommen. Doch leider waren die Informationen ansonsten dürftig. Offensichtlich war es nicht die Originaldatei und folglich waren die Informationen, welche ein Aufnahmesystem normalerweise speicherte, nicht vorhanden. Das liess mich jedoch hoffen. Wenn es nicht das Original war, dann konnte man von einem geschnittenen Exemplar ausgehen. Wurde es geschnitten, dann konnte es auch nur ein Fake gewesen sein. Ich hoffte es inständig.

Aber gut. Einen Anhaltspunkt hatten wir. Wenn das Video vor über zehn Jahren aufgenommen wurde, dann fielen alle Vermissten raus, die später verschwunden waren. Das grenzte die Sache auf vier Frauen ein. Das konnte man in den Griff bekommen. Bot ermittelte die Koordinaten der am nächsten liegenden Vermisstenmeldung. Nur ein paar Stunden Flugzeit. Sehr gut. Also Vollgas und hoffen, dass ich diesen Auftrag bald hinter mir hatte.

Wir landeten auf dem Raumhafen. Ich zog mich seriös an und besorgte mir ein Taxi. Die Wohnung der Familie, welche die Frau als vermisst gemeldet hatte, lag 20 Minuten entfernt. Ich klingelte und bekam kurz darauf von einem Mann geöffnet. Zuerst fragte ich, ob ich richtig sei und von hier eine Vermisstenmeldung gemacht wurde. Misstrauisch bestätigte er. Also stellte ich mich vor und sagte, ich wäre auf der Suche. Der Mann meinte jedoch, dass ich dafür ein wenig spät sei. Seine Tochter sei schon lange wieder aufgetaucht und gerade mit seinem Enkel in der Stadt. Klasse. Warum galt sie dann noch als vermisst. Er sagte mir deutlich, er hätte die Meldung höchst persönlich zurückgezogen. Das war also die falsche Spur. So entschuldigte ich mich für die Störung und machte mich auf den Rückweg. Na ja, war nicht so schlimm. Wäre ja mal ein Wunder gewesen, wenn es beim ersten Versuch geklappt hätte.

Wir steuerten Ziel Nummer zwei an. Das System war nur ein Katzensprung entfernt. Bot hatte zwischenzeitlich ein Bild der Frau aufbereitet. Dazu entfernte er noch den düsteren Hintergrund, damit beim Vorzeigen nicht sofort Panik entstand. Er hatte wirklich gute Arbeit geleistet! Auch wenn die Lichtverhältnisse auf dem Video eher schlecht waren konnte man ihr Gesicht ausgezeichnet mit allen Details erkennen. Schon toll, was der Kleine drauf hatte. Doch ich fragte ihn nur, warum es so lange gedauert hätte. Eingeschnappt rollte er von dannen.

Vom Raumhafen aus dauerte es über eine Stunde, bis ich bei dem Haus ankam. Wieder öffnete ein Mann. Ich liess meinen Spruch ab und er bestätigte, dass seine Tochter vermisst sei. Ich zeigte ihm das Bild und sofort kamen ihm die Tränen. Es war seine Tochter. Wow. Volltreffer beim zweiten Versuch. Er bat mich herein. Drinnen fragte er dann, was ich eigentlich wollte. So erklärte ich auch ihm, dass ich in diesem Fall ermitteln würde. Er schüttelte den Kopf und meinte nur, nach fast 13 Jahren wäre das auch endlich mal Zeit. 13 Jahre also. Da lag Bot ja gar nicht so schlecht. Kurz darauf unterhielten wir uns. Zusammen mit ihr war auch ihre beste Freundin verschwunden. Er und die Eltern der Freundin waren sich sicher, die Beiden waren durchgebrannt, ihr Glück suchen. Da Beide nicht bei der GemSpa registriert waren stellte sich die Verfolgung schwierig dar. Wie gesagt, der Weltraum ist Schweinegross! Leider konnte er mir keine wirkliche Informationen geben. Auf der Suche nach ihm war er zwar über ihre persönliche Log-Datei gestossen, die war aber verschlüsselt und er hatte nicht die Mittel sie öffnen zu lassen. Ich bat ihn um diese Datei. Erst zögerte er. War es doch das Letzte, was er von ihr hatte. Als ich ihm jedoch versprach, ich würde sie ihm zurück geben, eventuell sogar geöffnet, brach sein Widerstand. Er händigte mir die Datei aus und sagte noch, sie wäre mit ihrem Glücksrucksack losgezogen. Der war pink und hatte einen Aufnäher drauf. Ein umgedrehtes Peace-Zeichen. Mit so wenig Informationen war es dann doch schon schwierig, eine Spur zu finden.

Nachdem ich mich verabschiedet hatte machte ich mich auf den Rückweg. Unterwegs schickte ich Bot die Datei und sagte ihm, er solle versuchen sie zu öffnen. Im Raumhafen liess ich mir dann noch ein gutes Essen auf das Spesenkonto schmecken, bevor ich zu meinem Schiff zurückkehrte. Bot bewies einmal mehr seinen Wert. Als ich ankam hatte er die Datei wirklich schon offen. Unglaublich! Irgendwie scheute ich aber davor sie zu lesen. Irgendwie war es so, als würde ich in die Privatspähre der jungen Dame eindringen. So liess ich Bot diese Aufgabe übernehmen. Okay, ich war auch zu faul mir das alles durchzulesen und nach Informationen zu suchen. Auch wenn es unglaublich war, Bot brauchte über eine Stunde, sich die ganzen Informationen zu eigen zu machen. So viel hatte die Frau da niedergeschrieben. Doch schliesslich fand er was. Ziemlich am Ende der Datei. Die junge Frau wollte nach Hollyplanet. Na welch eine Überraschung! Das bevorzugte Ziel von 90% aller verschwundenen Frauen um die 20. So viele wollten dort ihr Glück versuchen und die Meisten endeten schlussendlich als Kellnerin, oder rutschen in die Pornoszene ab. Wobei mittlerweile sogar Pornos mit viel Geld auf hohem Niveau produziert wurden. Bot wollte noch Zusammenhänge analysieren um das Zielgebiet genauer einzugrenzen. In der Zeit konnten wir aber schon einmal losfliegen. Hollyplanet war ziemlich weit weg. Als ich startete riss ich dann noch den Versorgungsschlauch des Terminals ab. Keine Ahnung, wie ich das gemacht hatte, denn weder waren wir angekoppelt noch war der Schlauch irgendwie in der Nähe gewesen. Aber ich hatte es mal wieder geschafft, beim Start etwas zu zerlegen. Der Klugscheisser fragte mich, ob ich vielleicht noch einmal in die Flugschule sollte. Wo war noch gleich sein Ausschaltknopf?

Als wir auf Kurs waren und Bot auf Überlichtgeschwindigkeit ging verdrückte ich mich. Diese ganze Geschichte lag mir wie ein Stein im Magen. Ich wollte etwas schlafen. Zur Sicherheit genehmigte ich mir noch einen Sticker, welcher das Träumen unterbinden konnte. Die Dinger waren geil! Man klebte sich so ein Ding auf die Stirn und konnte steuern was man träumte. Man konnte Alpträume unterdrücken, schöne Träume haben, oder sogar damit erotische Träume einleiten. Echt geil! Wie gesagt, ich klebte mir so ein Ding auf, damit ich auf keinen Fall träumte. Nachdem ich dieses Video gesehen hatte würde ich auf jeden Fall einen Alptraum bekommen.

Dienstag

Doch schon in Hollyplanet wurde es sofort richtig schwer. Ein Planet mit fast 4 Milliarden Einwohnern. Da eine einzelne Frau zu finden war mehr als schwierig. Zudem war das Ganze auch schon ewig lange her. Wenn man die Zahlen betrachtete, wie viele junge Menschen hier tagtäglich ankamen um ihr Glück als Schauspieler zu finden, dann war eine Nadel im Heuhaufen deutlich einfacher zu finden. Ich stellte mir also einfach vor, wie ich vorgegangen wäre. Ist man nicht registriert, dann konnte man nur in Begleitung einer registrierten Person von Planet zu Planet reisen. Wir hatten also zwei junge Damen, die unregistriert unterwegs waren. Wie stellte man so etwas an? Nun, entweder man fingierte eine Registrierung, oder man hing sich an einen Schleuser. Beides war nicht billig. Eine Registrierung fälschen viel in meinen Augen raus. Das war derart kompliziert und schwer zu realisieren, dass kostete Unsummen. Das war mehr was für Schmuggler und andere Gesetzlose, denen es nicht auf das Geld ankam. Also ein Schleuser. Ich wies Bot an, so viele dieser Typen wie möglich ausfindig zu machen, die auch vor 13 Jahren schon im Geschäft waren. So etwas war normalerweise nicht leicht zu ermitteln, aber Bot hatte da ja seine Qualitäten. In der Zwischenzeit fragte ich beim Vater der Verschwundenen nach, über welche Mittel seine Tochter zum damaligen Zeitpunkt verfügte. Die Antwort war ernüchternd. Mit diesen mageren Ressourcen war ein Schleuser quasi nicht zu bezahlen gewesen. Aber, es waren Frauen! Die hatten noch andere Zahlungsmöglichkeiten.

Bot brauchte fast zwei Stunden, bis er eine Liste zusammengestellt hatte. Als ich ihm die finanzielle Situation der Dame erklärte schrumpfte die Liste runter auf null. War irgendwie klar. Doch, konnte er vielleicht ermitteln, welche dieser Schleuser auch Sex als Bezahlung annahmen? Er versuchte es. Natürlich stand so etwas nicht unbedingt bei den akzeptierten Zahlungsmethoden. Aber Bot war da einfach klasse und er fand auch tatsächlich genau einen, dem man so etwas nachsagte. Geile Sache! Schlecht war nur, der Mann war schon einige Jahre nicht mehr im Geschäft. Egal. Bot machte ihn ausfindig und eine halbe Stunde später hatte ich Kontakt. Zuvor hatte ich mich jedoch noch etwas mehr auf Jung getrimmt. Also Zöpfe, grelles Make-Up, alles was die jungen Dinger heute als perfekten Look ansahen. Über eine gesonderte ID nahm ich Kontakt zu diesem Kerl auf. Dazu lag ich in der Koje und nutzte den Kommunikator an meinem Tablet. Ich erschrak etwas, als der Typ auf dem Bildschirm erschien. Er war alt, fett und schmierig. Na prost Mahlzeit!

»Ja?«

»Hallo. Ähm. Ich, also ich habe ein Problem und, also na ja, man sagte mir das sie, ähm, sie wären vielleicht in der Lage, na ja eben…«

»Kannst du aufhören zu stottern und sagen um was es geht? Sonst ist das Gespräch gleich beendet!«

»Tut mir leid, ich bin etwas nervös!«

»Schon gut. Aber erzähl jetzt, ich hab noch mehr zu tun!«

Irgendwie wagte ich das zu bezweifeln.

»Ich möchte von daheim weg!«

»Ah ja! Warum denkst du kann ich dir da helfen?«

»Weil sie, glaub ich, vor einigen Jahren meiner Schwester geholfen haben.«

»So, so. Deiner Schwester. Vor einigen Jahren.«

»War klar das sie mir nicht glauben.«

Ich setzte einen niedergeschlagenen Gesichtsausdruck auf.

»Ich komme wohl nie hier weg. Alle sagen, wenn man nach Hollyplanet will um erfolgreich zu werden muss man jung sein. Aber wenn ich warten muss, bis ich registriert bin, dann bin ich schon zu alt.«

»Du hast doch mit Sicherheit auch Eltern.«

»Einen Vater. Aber der hält davon nicht. Ich soll erst auf die Akademie und so ein Blödsinn. Bis ich da durch bin bin ich 25 und dann nimmt mich in Hollyplanet doch niemand mehr!«

»Und wie sollte ich dir da helfen?«

»Weiss ich nicht. Ich habe meine Schwester oft belauscht, wenn sie mir ihrer Freundin geredet hat. Man bräuchte Geld und sie.«

»Und mich? Sehe ich aus wie ein Schleuser? Das ist illegal! Wenn man bei so etwas erwischt wird kommt man für lange Zeit auf einen Asteroiden!«

»Ach vergessen sie es! Hab ich eben fast zwölf Jahre umsonst gespart!«

Damit kappte ich die Verbindung. Wenn mein Plan aufging, dann würde er sich nun Gedanken machen. Man sollte bedenken, junge Menschen bekamen ab dem sechsten Lebensjahr ein von der Regierung gefördertes Taschengeld. Das wurde vor über 50 Jahren eingeführt um ein finanzielles Gleichgewicht bei Schülern zu schaffen und hatte sich sehr bewährt. Wenn er rechnen konnte, dann würde er ein hübsches Sümmchen als Ergebnis bekommen. Ich hoffte sehr, es würde ihn neugierig machen.

Über eine halbe Stunde passierte nichts und ich fing an mir Gedanken zu machen. Vielleicht biss er letzten Endes doch nicht an. Doch ohne Vorwarnung meldete sich der Kommunikator. So überraschend, dass ich das Ding vor lauter Schreck durch meine Kabine warf. Verdammt! Also aufsammeln und hoffen, dass das Tablet nichts abbekommen hatte. Es war noch heil. Schwein gehabt!

»Ja?«

»Ich bin es noch einmal. Tut mir leid, dass ich eben so abwesend war. Aber ein paar Sicherheitsüberprüfungen wollte ich doch noch durchlaufen lassen. Zu schnell geht man einem vom PBI auf den Leim.«

»PB was für ein Ding?«

»Nicht wichtig. Also. Du willst nach Hollyplanet und brauchst jemand, der dich dort hin bringt.«

»Genau!«

»Okay. Du sagtest, du hast dafür gespart.«

Ich bestätigte und nannte eine Summe.

»Oh je. Das deckt kaum die Kosten.«

»Wie? Aber meine Schwester…«

»… war zum Einen nicht alleine unterwegs und zum Anderen hat sie die Differenz auf andere Art beglichen.«

»Sie erinnern sich an meine Schwester?«

»Ich nehme es an! Ich habe die ID geprüft und von dem Planeten hatte ich nur zwei Mädels, die nach Hollyplanet wollten.«

Schau mal an, ich konnte also doch auch mal Glück haben!

»Was heisst, sie hat die Differenz auf andere Art beglichen?«

»Nun, sie war sehr attraktiv!«

»Sie meinen doch nicht…«

»Doch, genau das meine ich!«

»Aber, so etwas hätte sie nie getan!«

»Schätzchen! Mit der Einstellung musst du gar nicht erst nach Hollyplanet fliegen!«

»So eine bin ich nicht!«

»Dann tu dir selbst einen Gefallen und vergiss es wieder! Mit der Einstellung kriegst du auf Hollyplanet keinen Fuss auf den Boden!«

Damit beendete er die Verbindung. Ausgezeichnet! Er reagierte genau so, wie ich es erwartet hatte. Ich liess Bot Essen zubereiten. Das würde eine gute halbe Stunde dauern und dann hiess es noch das Mahl zu sich zu nehmen. So verstrich etwas Zeit. Ich hatte so die Angewohnheit, wenn ich nichts zu tun hatte ging die Zeit nicht rum. Ich würde viel zu früh zurückrufen und das konnte verdächtig aussehen. Auf diese Art ging Zeit ins Land, ohne das ich ungeduldig hin und her tigerte. Nach dem Essen ging ich dann wieder in meine Koje und meldete mich wieder bei dem Typ.

»Ja?«

»Sie wollen aber nichts ekliges?«

»Was heisst eklig?«

»Also so etwas wie mit dem Mund, oder so?«

»Kleine, du hast zwei Möglichkeiten. Du kannst die ganze Sache vergessen, oder mit mir nach Hollyplanet fliegen. Bei der zweiten Möglichkeit machst du während dem Flug was ich sage. So einfach ist es.«

Ich tat so, als müsste ich überlegen. Nach ein paar Minuten setzte ich dann einen resignierten Gesichtsausdruck auf.

»Einverstanden. Wenn sie mich genau dorthin bringen, wo sie auch meine Schwester hingebracht haben. Vielleicht finde ich sie und bin dann nicht so alleine.«

»Geht klar. Dann morgen. Acht Uhr am Raumhafen. Sei pünktlich und vergiss das Geld nicht!«

»Ich werde da sein!«

Perfekt! Na ja, perfekt nicht unbedingt. Der Gedanke, einen ganzen Raumflug zu Willen dieses Kerls zu sein war nun nicht gerade das, was ich persönlich als toll erachtet hätte. Aber es ging um den Auftrag und eventuellen Folgeaufträge. Ich bewegte mich ins Cockpit und setzte Kurs auf den Planeten. Den Flug hier her hätte ich mir also sparen können. Egal. Mit meinem Schiff kein Problem. Als ich zurück war ging ich noch auf die Jagd nach authentischem Material. Ich ging also in die nahegelegene Innenstadt und trieb mich dort in den Ballungsgebieten rum. Meine Tarnung musste schliesslich halten, von daher brauchte ich noch so Zeug wie einen alten Rucksack und passende Klamotten. Zum Glück war das einfach zu realisieren. Einer jungen Frau kaufte ich ihren Rucksack ab, einer Anderen das Oberteil, wobei ich für Ersatz sorgen musste usw. Gegen Abend hatte ich die Ausrüstung so weit komplett und auch noch ein paar Dinge für meinen eigenen Kleiderschrank. Alles auf Spesenrechnung. Versteht sich natürlich!

Als ich zurück im Schiff war überraschte mich Bot. In seinem Greifer hing ein ziemlich grosser Ring, welcher zu der Jugend auf diesem Planet passte. Wo hatte er den denn her? Wie er mir erklärte hatte er ihn selbst hergestellt. Wie bitte? Das Ding sah perfekt aus! Er piepte, wie man so etwas machen würde stünde im globalen Netz. Er hatte sich die Informationen runtergeladen und es einfach gemacht. Der Kleine war ja der Wahnsinn! Ich musste mir also keinen Schmuck mehr kaufen! Er konnte ich für mich anfertigten! Wie geil war das denn? Ich wollte noch wissen, warum er den gemacht hatte. Als Antwort piepte er, darin sei ein Peilsender. Auf die Art konnte er an mir dran bleiben, ohne das unser Schiff auffallen würde. Bot war schon ein geiles Teil! Als ich ihn anlegte passte er perfekt. Ich nahm ihn wieder ab und untersuchte ihn. Da war nichts, was auf das Innenleben hindeutete. Eine rundum perfekte Arbeit! Wie gut hatte ich doch daran getan, den alten Autopilot zu kaufen!

Wie dämlich war ich doch, die Abmessungen meines eigenen Schiffes nicht zu kennen. Ich wollte duschen gehen und bewegte mich zu der sanitären Anlage. Dabei starrte ich die ganze Zeit verzückt auf den Ring an meinem Finger, nahm die Kurve in den Gang etwas zu eng und blieb mit Wucht an dem abgeschrägten Durchgang hängen. Das gab mir so eine, dass sofort die Lichter aus waren und es ein bisschen dauerte, bevor ich auf dem Boden wieder zu mir kam. Bot stand in der Nähe meines Kopfes und piepte, wie ich nur bis heute überleben konnte. Genau konnte ich ihm das gar nicht sagen. Die Aktion war so absolut typisch für mich! Wenn die Chancen extrem schlecht standen, so eine Schräge mit dem Kopf zu treffen, dann war es ein Garant dafür, dass ich sie erwischte.

Aber gut. Bot kümmerte sich noch um das Abendessen, während ich im Cockpit sass und mich toll fühlte. Nenne mich ruhig eingebildet. Aber ich sass am Steuer eines der schnellsten Schiffe überhaupt! Dazu war es noch mein Schiff. Mein Eigentum! Wenn es mit den Einkünften so weiter ginge und ich irgendwann wieder die Lizenz für tödliche Waffen bekam, würde ich das dem Ding auch noch eine wahre Festung machen. Ich würde fliegen, Bot würde schiessen. Dann konnte ich auch wieder auf die Jagd nach richtigem Kopfgeld gehen! Derzeit war ich Kriminellen, die natürlich über bösartige Waffen verfügten, mehr als unterlegen und folglich machte es keinen Sinn, solche Auftrage an Land zu ziehen. Die wurden zwar stellenweise viel besser bezahlt, aber was nutzte mir das Geld, wenn ich tot war?

Nun ja. Ich verspachtelte noch das überaus leckere Essen von Bot, dann haute ich mich hin. Wenn ich wirklich so früh aufstehen musste und dann den halben Tag dem Kerl den Riemen bearbeiten sollte, dann musste ich auch fit sein.

Mittwoch

Pünktlich war ich am vereinbarten Treffpunkt. Natürlich wieder mit Zöpfen, Girly-Outfit und ordentlich geschminkt. Die Tasche war dabei mit dem Inhalt, den ich mir am Vortag besorgt hatte und der Ring war am Start. Natürlich auch die Ohrringe, ich wollte ja mit Bot in Kontakt bleiben. Der Typ liess sich jedoch Zeit. Als er schliesslich auftauchte war ich schon fast schockiert. Mit dem Typ sollte ich ernsthaft vögeln? Na ja, es ging um den Auftrag. Schon bei seiner Ankunft musterte er mich, als würde er ein Stück Fleisch in Augenschein nehmen. Das konnte ja heiter werden. Schliesslich ging es dann zu seinem Schiff. Ich sah es und bekam fast einen Herzinfarkt. Das Ding war alt, verrostet, dreckig und mit Sicherheit unendlich langsam. Auch innen sah es so aus, als würde das Teil nicht allzu oft benutzt werden. Hoffentlich brachte mich das Ding auch sicher ans Ziel. Mein Schlepper liess mich Platz nehmen und verschwand ins Cockpit. Als er ausser Sicht war fragte ich Bot, ob er mich gut orten konnte. Der piepte zurück, das Signal wäre klar und deutlich zu erkennen. Sehr gut. Dann wusste er auch wo er mich aufsammeln konnte, wenn dieser Seelenverkäufer den Geist aufgab. Der Start war ziemlich heftig. Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, dass mein Pilot schon länger nicht mehr am Steuer gesessen hatte.

Fast eine ganze Stunde blieb ich alleine. Prinzipiell kam mir das sehr entgegen, doch auf der anderen Seite, wenn der Typ in meinem Blickfeld war wusste ich wenigstens, dass der keinen Scheiss baute. Meine Meinung änderte sich schlagartig, als er dann aus dem Cockpit kam und freudig berichtete, bis zum Nachmittag wären wir am Ziel. Bis zum Nachmittag? Wie wurde das Teil angetrieben? Ruderte da jemand? Na ja, der hatte es natürlich nicht besonders eilig. Zumindest nicht damit ans Ziel zu kommen. Eilig hatte er es hingegen bei mir. Er setzte sich in meine Nähe und schon war seine Hose offen und ein Teil kam zum Vorschein, ich hatte echt Angst das da die Würmchen winken, wenn ich die Vorhaut nach hinten schob. Okay, so schlimm war es dann doch nicht. Auch wenn er einen speckigen Eindruck machte schien er dennoch sauber zu sein. Also gut. Runde eins. Erfreulicherweise dauerte die erste Nummer nicht lange. Ein wenig Arbeit mit der Hand, dann Brüste freilegen und nach einem ganz kurzem oralen Akt war er auch schon fertig. Netterweise ohne Vorwarnung und voll in mein Gesicht. So hatte ich mir das vorgestellt. Nachdem er wieder zu sich kam, bzw. wieder Luft bekam, fragte ich nach einer Dusche. Ich bekam sie gezeigt. Sehr cool, die war wirklich sauber! Doch bevor ich sie nutzen konnte wurde mir die Aufgabe erteilt, ich solle mich nach dem Duschen nicht anziehen. Wenn ich an dieses dreckige Schiff dachte bekam ich Gänsehaut. Da sollte ich mich auf den nackten Hintern setzen? Hoffentlich waren meine Impfungen noch frisch.

Neues Problem! Ich hatte mein Make-Up vergessen einzustecken. Hoffentlich kostete das nicht meine Tarnung. Aber nein. Als ich raus kam sass der Typ wieder im Aufenthaltsbereich und wartete. Da er eben erst abgespritzt hatte konnte ich vielleicht ein paar Informationen aus ihm raus holen. So befragte ich ihn, ob er mir vielleicht weiterhelfen konnte. Ich wusste ja schliesslich nicht, wie ich meine Karriere am Besten starten sollte. Er lachte und sagte, meine Schwester sei genau so planlos gewesen. Aber er wüsste da eine kleine Produktion, welche immer nach neuen Talenten suchte. Allerdings wusste er nicht, ob es die überhaupt noch gab. Wie er mir erklärte war er schon eine ganze Zeit raus aus dem Geschäft. Die Strafen für illegales Überführen seien extrem verschärft worden und das Risiko wollte er eigentlich nicht eingehen. Warum er mich trotzdem schleppte war meine nächste Frage. Als Antwort erklärte er mir, finanziell würde es sehr schlecht bei ihm aussehen und eine Frau hatte er auch schon lange nicht mehr. Da kam ich ihm also gerade recht. Irgendwie reichte mir die Antwort allerdings nicht. Ich hatte das starke Gefühl, da steckte noch mehr dahinter. Aber ich wollte nicht direkt danach fragen, dass hätte unter Umständen verdächtig gewirkt. Also lenkte ich das Thema wieder auf die Produktion, welche er genannt hatte. Silent-Video hiess das Ding. Bot hörte das natürlich alles mit und piepte sofort, er würde sich schlau machen. Mein Gastgeber erklärte mir, er hätte früher viele Mädels nach Hollyplanet gebracht und dorthin vermittelt. Es sei zwar eine kleine Produktion, jedoch konnte man in den Filmen schliesslich entdeckt werden. Sogar Namen von Frauen konnte er mir nennen, die durch diesen Verein dann später gross rausgekommen waren. Auch das hörte Bot mit und wollte nachforschen.

Schon kam Runde zwei. Dieses Mal das volle Programm. Wenn ich ihn im Rücken hatte war es auch gar nicht so schlimm. Sein Ding war prinzipiell in Ordnung, nur sein komisches Gestöhne, was klang als würde gleich ein Elch verenden, wirkte sich sehr negativ auf meine Erregung aus. Als er dann noch in mir kam fühlte ich mich echt miess. Dem Typ gegenüber zu sitzen war schon widerlich. Sein Zeug in mir zu haben war der blanke Horror. Sollte ich meine Hingabe für Aufträge vielleicht überdenken? Nein! Im Regelfall waren solche Nummern angenehm bis richtig geil. Das nun so einer kam war wohl irgendwann zu erwarten.

Was dann noch wirklich grausam war, der Kerl hatte nichts zu Essen in diesem Schrotthaufen. Ich hätte für eine Überfahrt bezahlt, nicht für Bewirtung. Geizhals! Zum Glück verabschiedete er sich dann erst einmal. Er müsse noch Vorbereitungen für die Ankunft treffen. Das ich darüber nicht traurig war könnt ihr euch bestimmt denken. So hatte ich Zeit für eine kleine Unterhaltung mit Bot. Der hatte über die Frauen einiges in Erfahrung gebracht. Die waren wirklich in gewisser Hinsicht bekannt. Eine davon galt sogar als Referenz. Allerdings ging es da um echt widerliche Filme. Pornos mit Fäkal-Inhalten. Na ganz toll! Genau das was ich suchte. Bot hatte auch versucht die gesuchte Frau in den Videos dieser Produktion zu finden. Allerdings ohne Erfolg. Sie wurde also entweder dort nicht genommen, wurde gar nicht erst hin vermittelt, oder suchte sich gleich etwas anderes. Das war im Prinzip schlecht. Hollyplanet war so gross, dort eine brauchbare Spur zu finden würde sich dann als schwierig herausstellen.

Den Rest der Reise ignoriere ich einfach. Es gab noch ganze vier weitere Nummern und zwar echt in alle Löcher. Es war so ekelhaft! Aber, es ging um den Auftrag. Ich machte drei Kreuze, als ich spürte wie das Gestell des Schiffes aufsetzte und ich meine Klamotten wieder am Körper hatte. Zum Abschied bekam ich noch eine gefälschte ID-Karte und die Kontaktdaten dieser Produktion. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell ich aus diesem Kahn draussen und durch das Terminal war. Ich hatte das Bedürfnis dekontaminiert zu werden. Aber keine Zeit. Bot gab durch, dass er im Orbit war und ein Auge auf mich hatte. Irgendwie war das ein beruhigendes Gefühl, auch wenn er mir nicht wirklich helfen konnte. Ausser mit Informationen natürlich. Ich schickte ihm die Kontaktdaten. Sofort war er bei der Arbeit. Die Produktion existierte noch, allerdings war es eine wirklich hässliche Gegend. Nun gut. Auf ins Gefecht.

Das Gebäude war alt und runtergekommen. 15 Stockwerke und in jeder Etage mindestens eine solche Produktionen. Genial! Wenn das überall so war hatte ich einen weiten Weg vor mir. Den hatte ich aber schon allein bei dieser, kann man das Firma nennen? Ich klingelte und bekam einlass, als ich meinen Schlepper als Grund für mein Interesse nannte. Gedanklich stellte ich es mir so vor, dass ich da rein kam, ein paar Fragen stellte und am Ende verschwinden würde. Aber da dachte ich mal so etwas von falsch! Der Laden hatte ein Wartezimmer und dort sassen die Interessenten dicht an dicht. Jede Menge Frauen und da waren Granaten dabei, was suchten die hier? Die hatten doch optisch das Potential für die ganz grossen Filme? Als ich dann noch eine Nummer ziehen musste wurde ich schlecht. Die grösste Folter der Welt sind Warteschlangen mit Nummern, also wenn ihr mich fragt.

Es war schon Abend, fast Nacht, als dann endlich meine Nummer aufgerufen wurde. Interessanterweise leerte sich das Wartezimmer in der ganzen Zeit nicht wirklich. Für jede die aufgerufen wurde kam kurz darauf eine Neue in den Raum. Wie konnte das sein? Waren die alle so geil drauf in so einem Film zu sein, oder war Hollyplanet ein so hartes Pflaster, dass man nicht wirklich die Wahl hatte? Es gab doch alleine in diesem Gebäude noch so viele andere Produktionen. War es dort auch so? Konnte mir egal sein. Ich war nicht da um gross rauszukommen, ich hatte einen Auftrag. So kam ich im Büro für das Casting an. Wieder so ein alter, schmieriger Typ. Noch bevor ich etwas sagen konnte fing er an mich zu begutachten. Ich fühlte mich wie eine Kuh, welche auf ihr Fleisch hin untersucht wurde. Ohne zu fragen wurde auch mein Oberteil gelüftet und der Stand der Haare zwischen meinen Beinen kontrolliert. Das ging alles derart schnell, ich hatte gar keine Möglichkeit zu protestieren! Als die Fleischbeschau fertig war sagte der Typ, er könne mich in einem Film unterbringen. Echt jetzt? Gefühlte 1000 Frauen waren vor mir durch diesen Raum gegangen und da waren einige dabei, denen ich optisch nicht das Wasser reichen konnte. Bekam jede von denen eine Rolle? Wie viele Filme wurden da produziert? War ja unglaublich! Dann dämmerte es mir jedoch. Denn für die Rolle müsste er meine Qualitäten überprüfen. So lief der Hase also. Bevor er da aber irgendwelche Forderungen stellen konnte fragte ich, ob er vielleicht meine Schwester kennen würde. Als er das Bild sah war er ungerührt. Er kannte das Gesicht, jedoch konnte er es nicht zuordnen. Sicher war jedoch, bei ihm hatte sie keine Filme gemacht. Damit war mein Interesse am Ende und ich verabschiedete mich. Entrüstet fragte er, was mein Verhalten sollte. Ich gab ihm zu verstehen, wenn das nicht gut genug für meine Schwester war, dann wäre es auch für mich ungenügend. Damit ging ich.

Perfekt. Da stand ich also. Keine Spur und offensichtlich unzählige Produktionen, zu welcher meine Zielperson hatte gehen können. Ich bat Bot um Rat. Doch der konnte mir auch nicht wirklich weiterhelfen. Ich sollte mich mal in der Gegend nach Möglichkeiten zum Kauf solcher Filme umschauen. Normalerweise sah man die im globalen Netz, doch solche Filme, also mit tödlichem Inhalt, waren dort nicht zu finden. Nun gut. Also ran an den Speck.

Lange musste ich nicht suchen. Das es mittlerweile dunkel war gefiel mir jedoch gar nicht. Die Gegend war im Hellen schon mehr wie bedrohlich. So im Dunkeln sah ich in jedem Eck irgendwo etwas lauern, was mir ans Leder wollte. Aber egal. Ich konnte mich meiner Haut wehren und zur Not schnell laufen. Solche Läden zu finden war nicht einfach. Doch letzten Endes, im hintersten Eck einer Gasse fand ich schliesslich doch einen. Die Auswahl war brutal gross. Die Wände und Aufsteller im Raum waren voll mit Filmen, welche das Schlachten von Menschen zeigten. Ich war angewidert. Vor allem aber, dass so viele Leute in dem Laden waren und sich die Titel und Cover der Filme anschauten. War das wirklich so ein begehrtes Thema? Waren die Menschen komplett übergeschnappt? Abgründe taten sich vor mir auf. Aber auch wegen der offensichtlich legalen Art, wie diese Filme verkauft wurden. Der Laden lag zwar im letzten Eck, aber er war beleuchtet und warb mit diesen Filmen. Bot piepte, ob ich ihm von den Filmen was besorgen konnte. War der jetzt auch übergeschnappt? Nein. Bot wollte die Inhalte analysieren um eventuell den Raum, den Schlachter oder den Typ, welcher die Frau reingeführt hatte, wiederzufinden. Okay. Der Plan war nicht schlecht. Nur welche sollte ich da auswählen?

In dem Moment kam ein junger Kerl zu mir, der mehr Blech im Gesicht wie ich im ganzen Raumschiff hatte. Er fragte, ob er mir helfen könnte. Es wäre selten, dass eine eher normal aussehende Frau den Laden betrat. Ich sagte ihm, dass ich von den Filmen gehört hätte und so etwas mal sehen wollte. So etwas schien er öfters zu hören. Er wollte wissen, was genau mich denn interessierte. Eine Frage, auf die ich ihm sogar eine Antwort geben konnte. So sagte ich, dass mich Enthauptungen und anschliessendes Verzehren interessieren würde. Ohne eine Mine zu verziehen drehte er sich um und steuerte einen Teil der hinteren Wand an. Dort waren direkt eine ganze Reihe von sogenannten Grillfestspielen. Abartig! Ich zählte kurz. 20 Filme. Mist. Wenn ich die alle kaufen würde wäre das mehr wie verdächtig. Ich hatte ja immer noch den Girly-Look und entsprechend konnte ich nicht viel Geld haben. Also studierte ich die Cover. Es gab einige Filme, auf welchen Grillen im Freien gezeigt wurden. Die vielen definitiv raus. Vier Stück fand ich, auf welchem eine ähnliche Szenerie zu finden war, welche ich auch in dem Film gesehen hatte. Zwei davon waren ziemlich neu. Die konnte ich erst einmal ausser Acht lassen. Für die zwei Verbliebenen entschied ich mich schliesslich. Also gut. Das Geld wechselte den Besitzer und die Filme wurden auf meinen Datenträger geladen. Nichts wie raus aus diesem Beispiel menschlicher Entgleisungen.

Drausser wiess ich Bot an, die Filme zu laden und zu analysieren. Der bemerkte dann noch, dass ich gar keine Bleibe hatte. Wenn er auf dem Raumhafen laden und ich im Schiff schlafen würde konnte ich mir auch gleich auf die Stirn schreiben, dass mit mir nicht alles Koscher war. Da hatte der Klugscheisser natürlich recht. Doch wo sollte ich mich einquartieren? Also zurück in den Laden und dort mal fragen. Der Typ konnte mir auch ein passendes Domizil nennen. Das war nicht weit entfernt, billig und es wurden keine Fragen gestellt. Perfekt!

Bei der Adresse war ein ähnlich altes Gebäude anzutreffen wie bei der Produktion. Viele Stockwerke und eine nicht besonders vertrauenerweckende Fassade. Aber hatte ich eine Wahl? Natürlich nicht. Drinnen sass eine ältere Frau an etwas, was ich mal Rezeption nennen möchte. Ich fragte nach einem Zimmer, bekam Preise und Bedingungen und Zahlungsmodalitäten genannt. Natürlich hiess es Geld gegen Karte. Sollte mir recht sein. Ich bezahlte also und kurz darauf wurde mir eine Karte überreicht, welche die Zimmernummer zeigte. Zimmer 1204. Also zwölfter Stock und kein Aufzug. Genial! Als ich oben ankam war ich komplett fertig mit der Welt. Was eine Schinderei. Überrascht war ich dann aber von dem Zimmer. In der Mitte des Raumes war ein Doppelbett, links an der Wand war ein kleiner Schreibtisch und sogar ein Save. Die Rückwand barg eine Tür. Wahrscheinlich für den sanitären Bereich. Ich überprüfte es und kam zu den Schluss, mit einem derart ordentlichen und sauberen Zimmer hätte ich im Leben nicht gerechnet. Wenigstens etwas.

Ich warf mich aufs Bett. Der Tag steckte mir definitiv in den Knochen. Bot piepte mich an. Das Material war nutzlos. Alles Fake. Ich fragte nach den Gründen. So sagte er mir, in beiden Filmen sei die selbe Frau zu sehen. In einem wurde ein Spiess durch ihren Körper getrieben und je nach Einstellung sah man, dass der Teil, welcher aus ihrem Mund heraus kam, ein gutes Stück tiefer war, wie er Teil der in ihren Hintern getrieben wurde. Also nicht nur Fake sondern auch noch unmotiviert gearbeitet. Aber gut, es gab mir Grund ein wenig für die Menschheit zu hoffen. Wer sich so etwas anschaute und es war reine Fantasie, dann von mir aus. Es gab ja schon immer Horrorfilme und Ähnliches, in welchem Menschen auf brutale Art ums Leben kamen. Solang es wirklich Schauspieler und keine Opfer waren sollte das ganze irgendwie noch in Ordnung gehen. So meine Meinung. Vielleicht war der Film, den ich mir angucken musste, auch gestellt und das Mädel erfreute sich bester Gesundheit. Ekelhaft war es zwar schon, aber wer war ich, dass ich über Neigungen von Menschen urteilte?

Bevor ich die Augen schloss klebte ich mir noch einen Sticker auf die Stirn. Ich hatte an dem Tag viel zu viel Scheiss erlebt, den ich nicht auch noch im Traum haben musste. Schliesslich schlief ich ein.

Donnerstag

Überraschenderweise hatte ich geschlafen wie ein Baby, war frisch und munter und es war in der Tat erst neun Uhr. Das mag an Hollyplanet gelegen haben. Der Planet hatte einen Tag-Nacht-Rhythmus, der mir anscheinend sehr entgegen kam. Okay. Raus aus den Federn. Sofort hielt ich Konferenz mit Bot. Ich wollte wissen, ob er etwas herausgefunden hatte. Fehlanzeige. Alles was er ermitteln konnte waren Informationen aus eine ganzen Latte von Blogs, welche die kleinen Produktionsfirmen als Scharlatane betitelten. Man würde Rollen versprochen bekommen, musste dafür sexuelle Gefälligkeiten erbringen und schlussendlich hörte man doch nichts mehr von den Produzenten. Der Laden, in welchem ich mich gestern vorgestellt hatte, schien aber in der Tat Filme zu produzieren. Das war aber ehr Schund und hatte nichts mit dem zu tun, was ich eigentlich suchte. Pornos wie vor ein paar hundert Jahren. »Warum liegt hier Stroh rum?«, wenn ihr versteht was ich meine. Wenn man es genau nahm klemmte ich tierisch in einer Sackgasse. Bot war aber der Meinung, er könnte sich bestimmt in die Filmdatenbank hacken und diverse Filme nach dem Handlungsort, oder den Darstellern durchforsten. Wirklich Hoffnung auf Erfolg hatte ich dabei allerdings nicht. Es war nicht anzunehmen, dass solche Filme dort gespeichert waren. Aber versuchen konnte er es. Vielleicht wurde das Set in anderen, normaleren Filmen auch benutzt und wir hatten wenigstens einen Anhaltspunkt.

So, da ich nun schon wach war, was konnte ich machen? Nun, ich konnte in den Laden zurück gehen und mich wegen den Filmen beschweren. Ja. Das war doch eine Idee! Keine, die mir den Nobelpreis einbringen würde, aber es war besser als dumm herumzusitzen und zu warten das Bot mir irgendetwas erzählte. Also anziehen und los. Am Tag sah die Gegend nicht wirklich besser aus. Weniger bedrohlich, aber nicht besser. Wie viele Berichte über diesen Planeten hatte ich schon gesehen, in welchem alles toll, glänzend und prunkvoll war. Was ich hier sah spiegelte dieses Bild mit Nichten wieder. Das war aber mit Sicherheit zu erwarten gewesen. Die Berichte drehten sich immer um grosse Produktionen oder Menschen, die es geschafft hatten. Nach denen suchte ich aber nicht.

Okay. Der Laden hatte schon offen. Beeindruckend eigentlich. Kauften wirklich so viele Menschen diese Art von Filmen? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Es musste aber wohl so sein. Ich meine, Geld regierte nach wie vor. Zwar gab es immer wieder Initiativen, welche den Versuch unternahmen dem Geld die Macht zu nehmen, erfolgreich waren die jedoch nicht. Geld sollte ein Zahlungsmittel sein und nicht das Leben der Menschen diktieren. Dazu hatten viele Regierungen auf etlichen Planeten Programme ins Leben gerufen, welche ein Leben gänzlich ohne Geld ermöglichten. Die Menschen, welche sich auf diesen Planeten niedergelassen hatte, bekamen von der Regierung ein anständiges Haus, Kleidung, ein Fahrzeug und ausreichend Nahrung so wie einen gewissen Grad an Luxus. Dennoch. Das Streben nach Reichtum war treibende Kraft. Überall. Da dem so war konnte ich davon ausgehen, der Betreiber des Ladens würde ihn nicht öffnen, wenn kein Geld in Sicht wäre. Aber was machte ich mir darüber Gedanken?

In dem Laden war ein anderer Verkäufer anzutreffen. Aber auch der hatte Blech im Gesicht, wahrscheinlich schlief der Nachts in der Nähe einer Schrottpresse. Ich meldete mich bei ihm und erkundigte mich, ob eventuell die Rückgabe der Filme möglich wären. Der war absolut verwundert und wusste mit der Situation überhaupt nichts anzufangen. Fast schon stotternd fragte er, was mir an solchen Filmen nicht gefallen würde, dass ich ernsthaft eine Rückgabe in Anspruch nehmen wollte. Ich hatte jedoch eine Begründung. Die Filme waren Fake. Wieder war der Typ ausser Fassung. Natürlich sei das gestellt. Was ich denn erwartet hätte. Ungerührt erklärte ich ihm, wenn ich etwas gestelltes sehen wollte würde ich mir andere, gute Filme ansehen. Wieder war der Typ von den Socken. Gespielt war das mit Sicherheit nicht. Sein Gesichtsausdruck war einfach viel zu echt. Aber okay. Wenn der mir nicht helfen konnte war das Zeitverschwendung. Ich entschuldigte mich für die Störung und wollte gehen. Der Typ hatte jedoch etwas dagegen. Wenn ich wirklich wollte könnte ich die Filme zurückgeben. Aber wenn ich wirklich Filme mit echtem Inhalt wollte, dann wüsste er vielleicht einen Ort, wo ich fündig werden konnte.

Na aber Hallo! Das wollte ich genauer wissen. Er erklärte mir, Filme mit solchem Inhalt wären geächtet. Nicht illegal, aber die meisten Läden würden so etwas nicht anbieten. Es gab aber einen Laden, welcher speziell solche Filme im Sortiment hatte. Also geächtete Filme. Mit etwas Glück würde ich dort finden, was ich suchte. Ich wurde neugierig und bat den Typ um eine Adresse. Er verschwand. Was kam jetzt? Wahrscheinlich würde der gleich mit einer Knarre aus dem Hinterzimmer kommen, oder so etwas in der Art. Aber nein. Auch wenn ich angespannt war und mich darauf vorbereitete, so schnell es ging den Laden zu verlassen kam er nur mit einer kleinen Karte aus dem Hinterzimmer. Der hatte wirklich die Kontaktinformationen! Waren diese Filme ernsthaft legal? Na ja, es war auch auf vielen Planeten legal Menschen zu verkaufen. Warum also nicht das. Seit die Menschheit sich im All ausgebreitet hatte gab es da eine ganze Reihe von seltsamen Gepflogenheiten, die ich nicht nachvollziehen konnte. Aber war auch irgendwie klar. Die ganzen Planeten und Monde, welche unbewohnt aber lebensfreundlich waren konnte man einfach erschliessen. Was heisst einfach. Man konnte darauf landen und tun was man wollte. Wenn man das Geld und die Möglichkeiten hatte, dort eine Infrastruktur zu errichten schwang man sich damit Automatisch zum Kaiser dieses Himmelskörper auf. Wenn man ihn denn auch verteidigen konnte. Wenn also jemand einen solchen Brocken in Besitz nahm machte er automatisch die Gesetze. Ich kannte einen kleinen Mond, auf welchem Einhörner angebetet wurden. Ein anderer Trabant hatte in seinem Grundgesetz ein Verbot von Kleidung unterhalb der Hüfte. Dort war es ziemlich lustig. Geschäftsleute trugen dort Hemden, Sakkos und Krawatte, aber nicht einmal eine Unterhose. Erstaunlicherweise hatte er eine Bevölkerung von über 20 Millionen. Das Einzige, was von einer einzigen Stelle reguliert wurde und jedes Mitglied der menschlichen Gesellschaft betraf war der Weltraum. Das unterlag komplett der Kontrolle der GemSpa. Aber die interessierte sich nicht für die einzelnen Planeten.

Genug vom Thema abgewichen. Ich bekam also die Daten. Wenn das mal nicht nett war. Der Typ meinte aber auch, vor Mittag müsste ich dort nicht auftauchen. Das sollte kein Problem sein. Das Ziel war nicht gerade um die Ecke. Eher ganz im Gegenteil! Um in meiner Rolle zu bleiben musste ich die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und das würde dauern. Als Bot die Daten überprüfte stellte er fest, der Laden lag in einer guten Gegend. Das verwunderte mich. Ein Laden für geächtete Filme in einem Gebiet mit gutem Ruf? Das machte irgendwie keinen Sinn. Aber da konnte ich mir Später noch Gedanken drum machen. Ich hatte einen ziemlich weiten Weg vor mir. Ich ging zurück zu meinem Domizil, packte meinen Rucksack zusammen und gab die Karte ab. Anschliessend ging es zur Pneumatik-Bahn. Mit so einem Ding war ich noch nie gefahren. Es funktionierte wie eine Rohrpost. Man stieg in einen runden Zug ein, der Bahnsteig wurde versiegelt und schon ging es mit Luftdruck zum Ziel. Der Vorteil dabei, man war ziemlich schnell am Ziel. Der Nachteil, die Dinger hatten eine derart heftige Beschleunigung, dass es Menschen gab die beim Start ohnmächtig wurden. Ich war gespannt auf diese Erfahrung.

Am Bahnsteig überraschte mich die grosse Menschenmenge, die auf diese Mitfahrgelegenheit warteten. Wollten wirklich so viele Leute in diese Region? Die Meisten waren jung. So um die 20 würde ich schätzen. Viele Frauen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Meisten von denen auch auf der Suche nach dem grossen Durchbruch waren. Okay, ich suchte nicht den Durchbruch beim Film, aber die wahrscheinlich. Einige sah ich auch, die Tablets in der Hand hielten und sich immer wieder selbst etwas vorsagten. Vielleicht studierten sie gerade eine Rolle. Bis mein Transportmittel kam dauerte es nicht besonders lange. Das Ding kam herein, der Bahnsteig wurde geöffnet und eine grosse Menschenmenge kam heraus. Wie passten die da alle rein? So gross war das Ding doch gar nicht? Wieder waren es vorwiegend junge Frauen. Hier und da aber auch ein Typ im Anzug. Lustig, wie manche Menschen sich wichtig vorkamen. Wahrscheinlich würden sie gleich in irgendein Büro gehen und den ganzen Tag irgendwelche Akten bearbeiten. Oder sie hatten etwas mit Finanzen zu tun. Ich wunderte mich immer wieder darüber, wie manche Personen ihre Arbeit für so unendlich wichtig erachteten, obwohl sie in der Welt nichts bewegten. Bewegte ich denn etwas? Vielleicht. Aber auch wenn nicht, ich stolzierte nicht herum und tat so, als würde die Welt sich ohne mich nicht weiter drehen.

Aber gut, Einsteigen war angesagt. Das war nicht ganz so einfach. So wie die Menschen zuvor aus dem Ding herauskamen, so strömten sie nun hinein. Überraschenderweise war es innen nicht so eng, wie ich befürchtete. Zwar bekam ich keinen Sitzplatz, aber ich hatte dennoch eine gewisse Wohlfühlzone um mich herum. Wenigstens etwas. Alle hielten sich an den Schlaufen, welche aus der Decke kamen, fest. Nur ich nicht. Als der Ruck des Anzug kam sah ich irgendwie meine Füsse in mein Gesichtsfeld kommen. Folglich machte ich wie im Comic einen gekonnten Abflug und nahm dabei noch ein paar Leute mit, die hinter mir standen. Zu allem Unglück prallte ich auch noch voll auf meinen Steiss und hatte das Gefühl, ich müsste jeden Moment meinen Mageninhalt in die Menge schiessen. Aber nein, es blieb alles drin. Dennoch tat es weh und das Gelächter war gross. Der Unmut der Damen, welche ich mit mir zu Boden nahm, war ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Eine war so sauer, dass sie mich die hälfte der Fahrt mit wüsten Beschimpfungen eindeckte. Netter Nebeneffekt, da ich mich verteidigte wurde es nicht langweilig. Okay, ob es ein netter Effekt war will ich nicht sagen, aber es vertrieb mir die Zeit.

Was mir niemand sagte, dieses verdammte Ding bremste fast genau so heftig ab, wie es anzog. Da ich damit nicht gerechnet hatte flog ich beim Bremsen also nach vorne. Ob die Leute damit gerechnet hatten? Wahrscheinlich! Denn es war niemand da, der mich hätte auffangen können. Es wurde eine nette Gasse gebildet, in welche ich den Adler machte und mich wieder auf dem Boden fand. Was ein Scheiss! Das nervte wirklich! Mit tat der Arsch weh, nun auch noch die Ellenbogen und die Hupen. Eins war sicher. Tarnung hin oder her, zurück zum Raumhafen würde ich ein Taxi nehmen! Oder schauen, dass Bot mich irgendwo anders abholen konnte. Aber bis dahin war ja noch Zeit. Erst einmal musste ich die Lage in diesem dubiosen Laden erkunden und mich dort nach potentiell verwertbarem Material umschauen.

Als ich aus dem Untergrund nach oben kam war ich erstaunt. Hier sah es viel besser aus, wie in dem anderen Teil von Hollyplanet. Alles irgendwie freundlicher. Nicht so übertrieben, wie es zum Beispiel in den Berichten zu sehen war. Aber wohnen hätte ich dort können. Genau dort sollte so ein Laden sein? Konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Doch die Adresse war real. Ich fand das Gebäude. Aber nicht den Laden. Das war schon ein grosses Teil. 24 Stockwerke. Okay, da würde er wohl irgendwo auf einer Etage eingerichtet sein. Aber Fehlanzeige. Im Eingang hing ein grosses Display, welches unzählige Geschäfte und Firmen auf den ganzen Stockwerken anzeigte. Doch meinen Laden fand ich dabei nicht. Bot piepte, ich solle man im Keller schauen. So etwas gehörte in einen Keller. Da gab ich ihm recht, aber laut dem Display konnte man nicht runter in den Keller. Ich tat, was ich so oft schon getan hatte. Ich ging zur Information. Die war aber ganz oben. Sehr schlau, wie ich fand. Wahrscheinlich wollten die nicht arbeiten und trennten so die Leute, die wirklich Fragen hatten von denen, die einfach nur zu faul zum Suchen waren. Also rein in den Fahrstuhl und ab nach oben. Oben wurde ich als erstes gefragt, warum ich nicht unten einfach eine Anfrage gestellt hätte. Dafür sei das Display schliesslich da. Ach war ich mal wieder ein Held! Bot lachte mich über Funk natürlich sofort aus. Manchmal nervte es mich, dass er wirklich alles mithören konnte. Na ja, nun war ich schon oben. Der Typ dort zog eine Augenbraue hoch, als ich ihn nach dem Laden fragte. Kommentarlos drückte er mir eine Karte in die Hand, welche den Standort aufzeigte. Das hätte er mir aber auch einfach sagen können. War ihm meine Frage etwa unangenehm? So sah es aus. Egal, ich hatte meine Informationen.

Siehe da, der Laden war im Keller. Nur wie kam ich dort hin? Zumindest darauf bekam ich eine mündliche Antwort. Ich musste mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss und dann über die Treppe nach unten. Klang ja ganz einfach. Also dann auf zum munteren Spaziergang. Erst wieder runter und dann ins Treppenhaus. Aber der Keller schien fast leer. Also nicht leer im räumlichen Sinne. Dort waren aber keine Läden, oder ähnliches. Dort war eigentlich nur irgendwelches Zeug abgestellt. Sehr komisch. Ich schaute mich ein bisschen um. Schliesslich fand ich mein Ziel. Da war eine Tür und dahinter gab sich ein ähnliches Bild, welches ich in meinem ersten Videoladen in Hollyplanet schon gesehen hatte. Wände, Aufsteller usw. Alles war komplett voll mit solchen Unterhaltungsmedien. Nur war der Laden hier um einiges grösser. Dennoch gab es keine freie Fläche. Ein Film reihte sich an den anderen. Da war echt widerliches Zeug dabei. Sogar eine ganze Seite enthielt Filme, in welchem Frauen sich mit Ausserirdischen paarten. Wie krank war das denn? Ich meine, wir hatten mittlerweile reichlich Kontakt mit nicht menschlichen Spezies, aber die Meisten von denen hatten nicht Sex in dem Sinne wie wir es hatten. In den Filmen ging es also letzten Endes nur darum, dass ein Alien irgendwelche Extremitäten in eine Frau steckte. Dafür gab es wirklich einen Markt? Unglaublich! Doch egal wie gut ich suchte, Filme mit Grillen fand ich keine. Also wieder fragen. Hier war kein Blechmann an der Theke. Es war eine jüngere Frau die ziemlich normal aussah. Sie sass da und las ein Buch. Echt jetzt! Ein richtiges Buch, mit Papier, Seiten usw. So etwas hatte ich seit der Schule nicht mehr gesehen. Damals machten wir einen Ausflug in ein Museum und dort sah ich so ein Exemplar. Das man die überhaupt noch bekam und mutig genug war, sie zu lesen? Ich meine, Bücher waren seit zig Jahren ausgestorben. Die verbliebenen Exemplare waren in Museen, oder in irgendwelchen privaten Sammlungen. Ausgerechnet hier sah ich nun jemand in so einem Ding lesen. Das war genau so schockierend wie die ganzen Filme, die ich an den Wänden sehen konnte.

Bevor ich fragte musste ich wissen, wie es kam das sie ein Buch hatte. Sie lachte und meinte, es wäre kein wirkliches Buch. Es war ein Tablet in Form eines Buches. Geil! Hatte ich noch nie gesehen. Das Ding zeigte schlicht den Text eines Buches auf den verschiedenen, hauchdünnen Displays an. Was es nicht alles gab! Ich bevorzugte nach wie vor das normale Tablet. Nachdem das nun geklärt war fragte ich schliesslich nach Filmen mit dem Köpfen und Grillen. Ungerührt zeigte sie auf eine Tür. Die war mir gar nicht aufgefallen! Dahinter wäre alles zu diesem Thema. Sicherheitshalber fragte ich nach, ob das auch echte Filme oder wieder nur nachgestellt. Sie zuckte mit den Schultern. Sie interessierte sich nicht dafür, sie arbeitete nur in dem Laden. Aber normalerweise sollte es authentisch sein. Schliesslich warb der Laden damit. Also gut. Ich machte mich im nächsten Raum auf die Suche. Schon als ich durch die Tür ging wusste ich, hier war ich richtig. Film an Film, an Film, an Film. Alle möglichen Arten des Schlachtens. Muss man sich mal vorstellen. Mit Einführung des syntetischen Fleischs war dieser Beruf praktisch ausgestorben. Doch anscheinend waren nicht alle Schlachter mit diesem Schicksal einverstanden und schlachteten nun Menschen. Wo bekamen die nur die ganzen Frauen her? Ich meine, da waren viele echt hübsche dabei und die sahen auch nicht ungepflegt aus. Wenn die alle entführt wurden, dann musste doch massiv dagegen vorgegangen werden. Aber nein. Vor diesem Film wusste ich gar nicht, dass es so etwas überhaupt gab. Aber gut, es gab mittlerweile fast 200 Milliarden Menschen verteilt auf eine grosse Zahl Systeme. Da alles zu kennen war unmöglich, vor allem, wenn man sich für etwas so gar nicht interessierte.

Das Studium der ganzen Cover stand an. Mühsame Arbeit, denn bei sehr vielen Titeln wurde mir richtig schlecht. Was man da alles sah! Das will ich gar nicht wiedergeben! Aber sagen wir mal so. Was ich in dem Film gesehen hatte erschien mir langsam schon fast human. Ich zwang mich konzentriert zu bleiben. Dennoch dauerte es fast eine ganze Stunde, bis ich ähnliche Szenarien fand, wie es im Film zu sehen war. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele Filme dort waren, dass man fast eine ganze Stunde braucht, sich die Bilder anzuschauen? Abartig! Die Menschen waren doch krank! Nichts desto weniger, sechs Filme fand ich, die eigentlich ganz gut zu dem passten, was ich gesehen hatte. Drei davon fielen aus, die waren viel zu neu. Also die verbliebenen drei. Mit den Kärtchen ging ich vorne zu dem Mädel, bezahlte und schon hatte ich das Zeug auf meinem Datenträger. Nun aber nichts wie raus aus diesem Beispiel menschlicher Geisteskrankheit.

Ich musste etwas essen. Klingt komisch, oder? Aber egal wie ekelhaft es war, ich hatte schon über 24 Stunden keine Nahrung mehr zu mir genommen und mein Körper verlangte danach. Fleisch ging nicht! Wenn das so weiter ginge würde ich zum Vegetarier werden. Auch lustig. Diese Sparte von Menschen war ebenfalls fast ausgestorben. Was aber auch daran liegen konnte, dass mit Verbreitung des Raumfluges sich vegetarische Lebenswandel als wirklichen Nachteil erwies. Menschen, welche über Jahre vegetarisch gelebt hatten, litten bei längeren Raumflügen oft unter gesundheitlichen Problemen. Da dafür keinen Grund gefunden wurde hiess es schliesslich: »Friss Fleisch oder bleib mit deinem Arsch auf deinem Planeten!«. Gut, diese Gruppe von Menschen hatten sowieso keinen Grund mehr, auf Fleisch zu verzichten. Wie gesagt, Fleisch wurde mittlerweile syntetisch hergestellt und belasteten die Gesundheit nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Fleisch essen galt überall als äusserst gesund. Mag wohl daran gelegen haben, dass man in das künstliche Fleisch alles an Vitaminen und Nährstoffen einbauen konnte, was für eine gesunde Ernährung notwendig war.

Ach was erzähle ich da schon wieder. Ich sass eben da und futterte einen Salat. Bot machte sich derweil an die Analyse der Filme. Eben hatte ich das Grünzeug verschlungen, piepte mir der Kleine ins Ohr. Volltreffer! Das Set passte fast 100% zu dem auf dem ursprünglichen Video. Das war ja perfekt! Ich konnte mein Glück kaum glauben! Da wir nun ein Film mit diesem Set hatten, hatten wir auch die Produktionsfirma. Also einen Anhaltspunkt, wo ich weitersuchen konnte. Aber wie sollte es anders sein, die Firma war ewig weit weg. Aber sie existierte nach wie vor. Das war doch schon einmal was! Bot sagte mir, wo ich hin musste. Mir blieb keine andere Wahl, als wieder diese blöde Rohrpost zu nehmen. Dieses Mal würde ich allerdings diese Schlaufen verwenden. Noch einmal würde ich mich beim Losfahren, oder Bremsen, nicht auf den Boden legen. Nein. Nicht dabei. Aber ich rutschte beim Einsteigen aus und machte mich lang. Aber ich versuchte mich zu fangen und bekam etwas zu greifen. Das gab jedoch nach. So landete ich dann doch wieder auf der Nase. Als ich hoch schaute war das Gelächter schon gross. Aber nicht alleine wegen mir. Ich hatte mich an der Hose eines jungen Mannes festgehalten und die mit nach unten gezogen. Der Kerl stand also unten ohne vor mir und sein Ding hing im Freien. Das an sich wäre noch nicht so lustig gewesen. Das er aber einen so kleinen hatte, dass brachte auch mich zum Schmunzeln. Ich konnte nichts dafür. Aber ich vertrat nun einmal die Ansicht, es kam durchaus auf die Länge an.

Überspringen wir den Rest. Es war schon dunkel, als ich an meinem Ziel ankam. Hier war es wieder deutlich gruseliger. Alte Bauten in eher schlechtem Zustand. Das passte eher zu meinem Fall, wenn ich es mal so sagen darf. Die Adresse war nicht weit von der Bahn weg, ich hatte also zur Abwechslung keinen grossen Fussmarsch. An der Klingel prangte der Name der Produktionsfirma. Ich machte mich bemerkbar und wurde ungefragt eingelassen. Zwei Etagen musste ich nach oben. Dort war wieder ein Wartezimmer. Es war zwar nicht so überfüllt, wie beim letzten Mal, doch waren auch hier super heisse Frauen zu finden. Arme Mädels. Sie wussten wahrscheinlich gar nicht, welche Filme diese Firma produzierte. Während ich wartete bat ich Bot mal die rechtliche Situation für solche Schlachtungen zu prüfen. Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass es wirklich erlaubt war. Bot beleerte mich jedoch eines Besseren. Es war zwar nicht explizit erlaubt. Aber auch nicht verboten. Wohl aber auf Hollyplanet. Na sieh mal an. Die Filme wurden also definitiv nicht auf diesem Planeten gedreht. Ich war schon gespannt, wie die Produzenten das anstellen wollten.

Nach einiger Zeit war ich schliesslich an der Reihe. Im Casting-Büro sass ein eher normaler Kerl. Gut gekleidet, er machte einen seriösen Eindruck. Wieder so ein Widerspruch. Bevor ich etwas sagen konnte hiess es schon, ich solle mich ausziehen. Ich wollte ihm eine Frage stellen, doch er meinte nur, er sei sehr beschäftigt und wenn ich nicht mitspielen wollte sollte ich gleich wieder gehen. Na gut, zog ich mich eben aus. Er kam, drückte meinen Hintern, meinen Bauch, meine Brüste. Aber nicht im erotischen Sinne. Wirklich so, als würde er meinen Fleischgehalt prüfen. Als er alles geprüft hatte sagte er, ich wäre durchaus brauchbar. Sollte ich mich darüber nun freuen? Doch wieder, bevor ich eine Frage stellen konnte bekam ich eine Karte in die Hand gedrückt, ich sollte dort hin, alles andere würde geregelt. Okay? Ohne Fragen, ohne alles? Sehr seltsam!

Als ich wieder angezogen war machte ich mich auf den Weg. Doch irgendwie war die Gegend komisch. Das waren nur Lagerhäuser und ähnliches. Zu genau einem solchen führte mich auch die Karte. Bot piepte, ich solle nur vorsichtig sein. Das sah ihm alles nicht geheuer aus. Na, was sollte mir schon passieren. Ganz schön naiv, wie ich manchmal war, stolperte ich in diese Halle rein. Ach du scheisse! Darin waren unzählige Käfige und in jedem eine nackte Frau. Draussen hing ein Trinkspender. Verdammt, wo war ich denn da hingeraten? Ich war so schockiert, dass ich nicht sah wie zwei Kerle auf mich zukamen. Der Eine schnappte sich meine Karte, der Andere schubste mich schon in Richtung eines leeren Käfigs. Ich sagte, er solle mal langsam machen und was hier eigentlich abging. Doch er sagte nur ungerührt, hier würden die ganzen Frauen untergebracht, bis sie schliesslich abgeholt würden. Moment! So hatten wir aber nicht gewettet. Der Typ liess mich los und meinte, wenn ich nicht freiwillig in so ein Ding gehen würde sollte ich mich verziehen. Sie hätten keine Lust auf irgendwelche Spielchen. Verwundert fragte ich, ob sie mich einfach gehenlassen würden. Der Kerl meinte nur genervt, natürlich würden sie mich gehen lassen. Entweder man war freiwillig da oder nicht. Freiheitsberaubung sei schliesslich strafbar. Das war aber ein dicker Hund! Waren die ganzen Frauen wirklich freiwillig in so einem Teil? Bot piepte, ich solle mich aus dem Staub machen. Wir konnten das Gelände vom All aus überwachen und würden sehen, wo die Frauen hingebracht würden. Das hielt ich für eine überaus gute Idee. So sagte ich dem Kerl, dass ich bestimmt nicht in so ein Ding krabbeln würde. Er zeigte nur gestresst auf den Ausgang. Seinem Hinweis folgend machte ich mich umgehend auf den Weg. Hatte dabei aber immer einen Blick nach hinten. Irgendwie hatte ich so das Gefühl, wenn ich die nicht im Auge behalten würde hätte ich gleich irgendwas am Kopf und würde mit Gewalt in so einen Käfig gesperrt. Doch niemand folgte mir. Ich konnte die Halle verlassen und war kurz darauf allein auf der Strasse. Bot gab mir Koordinaten durch. Dort war ein kleiner Raumhafen, wo er mein Schiff landen konnte.

45 Minuten später war ich dort. Mein Schiff war schon gelandet und ich kam mir vor, als würde ich aus einem dunklen Abgrund wieder in das normale Leben aufsteigen, als ich die Rampe hoch ging und meine vertraute Umgebung um mich hatte. So schnell hatte ich die Rampe noch nie hochgefahren und noch nie war ich so schnell, so präzise gestartet. Bot schien meine Stimmung erkennt zu haben und als ich im All einen geostationären Orbit erreicht hatte kam er schon und sagte, er hätte mir Essen gemacht. Ach man, der Kleine war echt zu süss manchmal. Wenn er mich nicht gerade auslachte, verbesserte oder sonst irgendwie in Verlegenheit brachte. Nach dem Essen gönnte ich mir noch einen Sticker und schon war ich in der Koje. Bot hielt Wache.

Freitag

Den Tag können wir eigentlich überspringen. Es passierte nichts. Bot behielt dieses Lagerhaus im Auge, aber niemand kam um jemanden abzuholen. Derweil beschäftigte ich mich damit die Erfahrungen zu verarbeiten. Vielleicht klingt es komisch, aber mich hatte das alles wirklich tief erschüttert. In meinem bisherigen Leben gab es da so eine Grenze. Es gab Menschen die andere töteten und es gab die Opfer. Das es aber wirklich Menschen gab, die Geld dafür ausgaben zu sehen wie jemand geschlachtet und anschliessend gegessen wird, nein das wollte einfach nicht in meinen Kopf. Eine Sache war sicher! Nach dieser Nummer würde ich nie wieder einen Auftrag mit solchem Inhalt annehmen. Egal wie viel Geld und Prestige es einbringen würde. Lieber wieder nur Kekse essen, als so etwas noch einmal zu erleben.

Samstag

Auch dieser Tag begann erst einmal ziemlich ereignislos. Bis zum späten Nachmittag sass ich abwechselnd im Aufenthaltsraum und im Cockpit. Alle Sensoren waren auf ankommende Raumschiffe und diese Lagerhalle gerichtet. Doch nichts geschah. Bot stellte die Vermutung in den Raum, eventuell würden die Produzenten nur auf Anfrage arbeiten und im Moment sei nichts zu erledigen. Das war möglich und entsprechend konnte es noch dauern, bis da eine Aktion startete. Dabei war warten für mich der grösste Krampf überhaupt. Warten war so unbefriedigend, so zermürbend. Ausserdem hatte ich dabei viel zu viel Zeit mir diesen Scheiss durch den Kopf gehen zu lassen, was meine Stimmung nicht zwingend verbesserte. Bot kümmerte sich dabei jedoch sehr liebevoll um mich. Immer wenn meine Gedanken wieder wild um dieses Thema kreisten kam er mit irgendetwas, was mich ablenkte. Er machte mir dann gelegentlich echt super Essen, oder kam und hatte einen selbst gefertigten Armreif für mich. Der war echt der Hammer! Breit, dick und schlängelte sich meinen Unterarm ein Stück nach oben. Brutal, was er mittlerweile für Fähigkeiten hatte. Oder er kam und hatte selbst gemachten Nagellack. Irre! Ein ganz besonderes Blau! Kann ich gar nicht beschreiben. Es war ein helles Blau das so aussah als wäre es in einem Gletscher gefroren. Natürlich musste ich es sofort ausprobieren, was eine Zeit dauerte. Ich hatte mal gesehen, wie Frauen das früher machen mussten. So mit Pinsel usw. Heutzutage war das viel einfacher. Man hatte eine kleine Sprühpistole, welche eine Vielzahl an Düsen und Sensoren hatte. Man musste sie nur über den Fingernagel hin und her bewegen und das Ding aktivierte nur die Sensoren, welche exakt den Fingernagel trafen. Das Ergebnis war jedes Mal absolut perfekt. Wohl mit ein Grund, warum es in meiner Zeit keine Nagelstudios mehr gab.

Aber gut, genug davon. Wie gesagt, gegen Nachmittag startete dann doch etwas. Bot entdeckte einen kleinen Frachter, der exakt Kurs auf den kleinen Raumhafen nahm. Schon kurz darauf kam auch ein Fahrzeug an der Lagerhalle an und wir konnten sehen, wie eine nackte Frau hineingeführt wurde. Sie schien das absolut freiwillig zu machen. Sie wurde weder geschubst, gehalten oder war gefesselt. Für mich nach wie vor ein absolut nicht nachvollziehbares Verhalten. Wir überwachten das Fahrzeug. Es nahm direkten Kurs auf den Raumhafen, auf welchem der Transporter schon gelandet war. 30 Minuten später hob er wieder ab. Nun hiess es Einsatz. Wir mussten das Schiff verfolgen um herauszufinden, wo sie denn hin wollten. Auch das war ein Geduldsspiel. Deren Schiff war derart langsam, da nicht aufzufallen war wirklich schwierig. Ich liess es Bot übernehmen, während ich mich in meinen Anzug quälte. Bot fütterte mich eindeutig zu gut, noch ein bisschen und mir würde das dämliche Ding nicht mehr passen.

Das Schiff führte zu einem sehr seltsamen Ziel. Es war ein wandernder Planet, also einer der nicht um einen Stern kreiste sondern alleine durchs All flog. Entsprechend dunkel war er. Ohne unsere Sensoren hätten wir ihn wahrscheinlich gar nicht gesehen. Wahrscheinlich war das aber auch der Grund ihn als Produktionsstätte zu nutzen. Die Chance, dass mal jemand aus Versehen drüber stolperte war nahezu null. Zwar konnte ich davon ausgehen, dass er von der Produktionsfirma in Besitz genommen war und die dort ihre eigenen Gesetze machten, aber es mag auch genug Extremisten gegeben haben, welche dort dennoch Stress geschoben hätten. So in etwa wie ich es nun vor hatte. Ich wollte die Kerle auf frischer Tat stellen, die Frau da raus holen und sie dazu bringen mir Informationen über die Zielperson zu geben. Da ich davon ausging, dass sie aufgrund der Abgeschiedenheit keine allzu grossen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatten sollte es nicht so schwierig sein.

Wir beobachteten, wo das Schiff landete. Bot konnte keine ausgehenden Radarsignale von dem Planet empfangen. Eine Raumüberwachung gab es also nicht. Das kam meinen Plänen sehr entgegen. Wir warteten noch ab, bis die Leute aus ihrem Schiff kamen und wo sie hin gingen. Ganz in der Nähe war ein Bau. Da wir nur Wärmestrahlung empfangen konnten, für alles andere war es zu dunkel, konnten wir den genauen Grundriss nicht erkennen. Wir hatten aber das Ziel und es konnte los gehen. Ich landete unser Schiff etwas abseits. Nicht das deren Schiff noch besetzt war und unsere Ankunft registrieren würde. Von unserem Landeplatz aus war es etwa zehn Minuten Fussmarsch. Mit meinem Helm hatte ich kein Problem mit der Orientierung. Der hatte Nachtsicht und alle Schikanen. Vorsichtig pirschte ich mich an das Gebäude an. Es war so etwas wie ein grosser Stahlbetonbunker. Nichts tolles, eben zweckmässig. Den Eingang fand ich schnell und er war nicht bewacht. Auch konnte ich keine Wärmesignaturen im Inneren erkennen. Als ich die Tür öffnete überraschte mich das Licht. Es war hell in dem Ding. Ich hatte eher so eine Szenerie erwartet, wie ich sie auf dem Video gesehen hatte. Aber nein. Darin war alles gut ausgeleuchtet, so dass ich auf meine Technik verzichten konnte. Ich schaltete meine Ansicht also auf ungefiltert und behielt den Bewegungsmelder im Auge. Doch bewegen tat sich in dem Bunker nicht viel. Es gab einige Gänge, die waren aber alle leer. Auch die dort zu findenden Räume waren anscheinend leer, oder es bewegte sich nichts. Zur Sicherheit legte ich eine Hand auf eine der Türen um sie zu analysieren. Bot gab sofort durch, es seien ganz gewöhnliche Türen ohne Abschirmung. Von daher konnte ich mir sicher sein, wenn mein Bewegungsmelder keine Signale empfing war dort auch nichts.

Es waren einige Gänge zu überprüfen, bis ich schliesslich Signale empfing. Ein Weg führte zu einer Treppe nach unten und genau von dort gab es Signale. Vier Stück. Bot meldete, er hätte mehrere Wärmesignale empfangen. Ein gutes Stück entfernt von mir. Ich liess mir das Bild in das Display meines Helmes legen. Acht Signale standen sich gegenüber, jeweils vier in einer Reihe. Drum herum waren noch sechs Signale zu sehen, welche sich bewegten. Das war doch nicht etwa ein Speisezimmer und die warteten auf den Hauptgang? Ich wollte, dass Bot es etwas genauer zeigen konnte. Doch dafür waren die Sensoren zu schwach. Aber es ergab Sinn! Ich hatte keine Zeit zu verlieren!

Leise ging ich die Treppe nach unten. Angeschlossen war wieder ein kleiner Gang und dahinter sah ich einen eher düsteren Raum, welcher durch ein grosses Feuer beleuchtet zu sein schien. Die Wärmebildsensoren waren nutzlos. Das Feuer überstrahlte so ziemlich alles. Langsam ging ich bis zu dem Raum. An meinem Arm fuhr ich die kleine Kamera aus und hielt sie in den Durchgang. Da war ich also. Die Frau lag auf einem Tisch. Der Typ, welcher mich in der Firma überprüft hatte stand ganz in der Nähe des Durchgang. Ein anderer Kerl mit Maske und Handschuhe hielt einen grossen Stab in der Hand, welcher vorne spitz zu lief. Noch ein weiterer Kerl stand etwas abseits und war mit einer Kamera bewaffnet. Ich machte mir kurz einen Plan. Der Typ aus der Firma stand mit dem Rücken zu mir, den konnte ich einfach betäuben. Der Kerl mit der Kamera würde ich mit meinem Seilwerfer fesseln und mich anschliessend um den Typ mit der Maske kümmern. Klang doch gut! Dann ran ans Werk!

Was ich bei meiner Planung übersah, der Durchgang hatte eine kleine Stolperfalle, welche ich sofort nutzte und krachend in den Raum fiel. Natürlich machte das die Leute sofort auf mich aufmerksam. Der Kerl in meiner Nähe drehte sich um und wollte sofort auf mich los. Ich feuerte die Betäubungswaffe. Zumindest war so der Plan. In Wirklichkeit feuerte ich den Seilwerfer. Okay, der fesselte sein Ziel zwar akkurat, es war aber nicht im Sinne meines Planes. Also feuerte ich nun den Betäuber auf den Typ mit der Kamera, welche natürlich sofort zusammenbrach. Schnell war ich wieder auf den Beinen. Der Typ mit der Maske schien unschlüssig, was er nun machen sollte. Bevor er mit dem Stab auf mich los ging, oder die Frau als Geisel nahm, stürmte ich auf ihn zu. Total spektakulär sprang ich mit einem Fuss auf den Tisch, auf welchem die Frau lag, drückte mich von dort ab und gab dem Kerl einen Tritt voll ins Gesicht. Das dieser dadurch natürlich zu Boden ging war klar. Okay, der Plan war nicht perfekt durchgeführt, erreichte dennoch sein Ziel. Nächster Punkt, die Frau befreien. Aber wo von befreien? Sie war weder gefesselt noch betäubt und lebte. Sie sprang von dem Tisch runter und suchte Schutz bei dem Kerl, den ich gefesselt hatte. Was war das denn nun für ein Scheiss? Zur Sicherheit fesselte ich noch schnell den Kerl mit der Maske, damit mir niemand in den Rücken fallen konnte. Dann ging ich auf den Mann aus dem Büro zu. Der Robbte so ein bisschen vor, damit die Frau sich besser hinter ihm verstecken konnte. Ein eigenartiges Bild. Er sass gefesselt da und versuchte die Person zu schützen, die er eigentlich gleich schlachten wollte. Die hingegen schien nicht erleichtert sondern verängstigt, während sie auf dem Tisch, bevor ich mich gezeigt hatte, absolut entspannt zu sein schien. Als ich auf die Beiden zu kam fing der Kerl an zu reden.

»Was wollen sie?«

»Diesem Scheiss hier ein Ende setzen und Antworten!«

»Diesem Scheiss? Hören sie, die ganze Anlage ist offiziell gemeldet und befindet sich auf privatem Territorium!«

»Ja und? Mord bleibt Mord!«

»Mord? Sind sie bescheuert? Wir ermorden hier niemand! Wir schlachten!«

»Und das rechtfertigt das gewaltsame Töten von Menschen?«

»Ja! Tut es! Laut Gesetzt sind Personen zur Sterbehilfe berechtigt, insofern es von betreffender Person ausdrücklich gewünscht wird!«

Was erzählte er da für ein Blödsinn? Doch Bot piepte kurz darauf, dass er es überprüft hatte und es korrekt war. Konnte doch nicht wahr sein! Ich nahm das Bild meiner Zielperson und hielt sie ihm vors Gesicht.

»Was kannst du mir über dieses Mädchen sagen?«

»Gar nichts! Ich kenne sie nicht!«

Das machte mich so wütend das ich ihm mit Kraft eine klebte.

»Ich sage ihnen doch, ich kenne sie nicht! Ich bin erst sein knappen fünf Jahren in der Firma. Fragen sie ihn, er macht das schon über 30 Jahre!«

Damit gestikulierte er zu dem Kerl mit der Maske. Na gut, würde ich eben ihn befragen. Ich ging zu ihm. Er war noch weggetreten. So hielt ich ich den Handrücken meines Handschuh hin und aktivierte das Spray. Sofort schlug er die Augen auf, was ich durch die Maske erkennen konnte. Richtige Panik war zu erkennen. Ich hielt nun ihm das Bild vor die Nase.

»Was weisst du über sie?«

»Weisst du, wie viele Frauen ich Jährlich schlachte? Soll ich mich an jede Einzelne erinnern, die ich vielleicht fünf Minuten lang sehe?«

»Guck es dir genau an! Sie würde von dir enthauptet und anschliessend gegrillt!«

Er schaute sich das Bild ganz genau an. Dann schien sich in seinem Blick etwas zu ändern. Er schien sie erkannt zu haben.

»Ja doch, an sie erinnere ich mich!«

»Dann erzähl mal!«

»Was soll ich erzählen? Sie wurde zusammen mit einer Freundin hier her gebracht. Ihre Freundin schien das Ganze nicht wirklich zu wollen, also brachten wir sie später wieder zurück. Doch sie war so gierig auf die Sache, sie spielte sogar an sich rum, als ich ihr den Kopf abschlug!«

Mir wurde schlecht. Ich konnte daraufhin gar nichts sagen! Bot hingegen piepte. Er hatte sich das Video im Schnelldurchlauf noch einmal angesehen und auch wenn man es nicht direkt sah schien seine Aussage korrekt zu sein.

»Was denken sie denn, was wir hier eigentlich machen? Frauen entführen und dann gegen ihren Willen zu Essen verarbeiten?«

»Genau so etwas denke ich! Es ist ein Leichtes, die Frauen mittels Drogen gefügig zu machen.«

»Da hinten ist eine! Untersuchen sie ihr Blut wenn sie wollen. Machen sie einen Gehirnscan. Machen sie was sie wollen, sie werden nichts finden!«

Na da konnte er Gift drauf nehmen. Ich ging zu ihr. Sie schien richtig in Panik. Doch ich versuchte sie zu beruhigen und sagte, ich wolle sie nur untersuchen. Dennoch bedurfte es der Zusage des Gefesselten, bis wie mir ihren Arm hinhielt. Ich legte meine Hand auf ihre Armbeuge und kurz darauf wurde mir eine Blutanalyse angezeigt. Richtig, Zeiten in denen man zur Blutanalyse Blut entnehmen musste war lange vorbei. Sofort piepte Bot, es wären keine verdächtigen Substanzen in ihrem Blut. Als das Selbe noch einmal an ihrem Kopf. Wenn jemand psychisch manipuliert wurde konnte man es anhand der Gehirnströme erkennen. Doch auch da fand Bot absolut nichts auffälliges. Ich stand auf und wich ein Stück zurück. Sie meldete sich zu Wort.

»Bitte! Ich will das wirklich! Ich wünsche es mir seit ich elf bin. Bitte lassen sie die Männer ihre Arbeit beenden. Oben warten Gäste auf mein Fleisch.«

Und wieder wurde mir schlecht. Alles drehte sich irgendwie um mich. Wo zur Hölle war ich da nur hingeraten? Der Kerl mit der Maske fing wieder an zu sprechen.

»Verstehen sie es langsam? Wir ermorden niemanden! Wir haben von jeder Frau sowohl die schriftliche Einwilligung wie auch eine auf Video. Samt Gehirnscan und Blutbild. Das wird von jeder Frau durch unseren Anwalt angefertigt, bevor sie hier her gebracht werden.«

Ich fing an Sterne zu sehen. Das Ganze überforderte meinen Verstand. Hätte Bot nicht gepiept, dass ich mich zusammenreissen sollte, wäre ich wahrscheinlich ohnmächtig geworden. So fing ich mich wieder.

»Die Kleine von dem Bild. Sie war fast zwei Wochen im Käfig. Jedes Mal, wenn ich dort war, bettelte sie das ich sie mitnehmen solle. jedes einzelne Mal flehte sie mich fast an! Aber es gibt nicht viele Bestellungen für Enthauptungen. Die Meisten wollen, dass das Fleisch lebendig gegrillt wird!«

Ich war absolut sprachlos. Der Mann aus dem Büro erhob das Wort.

»Was wollen sie jetzt machen? Die Kleine mitnehmen? Was denken sie was dann passiert? Ist ihnen klar, dass sie sich dann der Entführung strafbar machen? Zudem warten da oben zahlende Gäste, die für dieses Essen bereits bezahlt haben! Sind sie sich im Klaren, dass wir sie dann für Schadenersatz verklagen können? Ausserdem sind sie widerrechtlich in diese Einrichtung eingedrungen und haben sich jetzt schon der Körperverletzung schuldig gemacht! Was wollen sie also jetzt tun?«

Zu allem Unglück piepte Bot auch noch, dass er mit seinen Worten Recht hatte. Das war alles viel zu viel für mich. Ich wollte hier raus und zwar schnell! Der Typ mit der Maske fing wieder an zu sprechen.

»Die Kleine von dem Bild, den ganzen Weg hier her quatschte sie mich zu. Ob ich das auch wirklich drauf hatte, welche Axt ich benutzte, was sie zu tun hatte usw. Sie wollte alles richtig machen!«

»Bitte, ich flehe sie an! Lassen sie die Männer ihre Arbeit beenden! Ich will die Gäste nicht warten lassen und nicht enttäuschen! Bitte!«

Das waren die Worte der Frau. Ich kam mir vor wie in einem Alptraum. Sie sprach weiter.

»Bitte! Wenn sie die Männer weiter von ihrer Arbeit abhalten werde ich jetzt gleich ins Feuer springen! Glauben sie mir, wenn sie mich hier rausholen werde ich sie bei der nächsten Gelegenheit anzeigen wegen Entführung!«

Das konnte doch alles nicht wahr sein! War die komplett übergeschnappt? Laut Bot deutete ihre Stimme auf absolute Ernsthaftigkeit hin. Der Kerl aus dem Büro meldete sich wieder.

»Wenn sie jetzt gehen vergesse ich, dass sie überhaupt hier waren! Keine Anzeige! Was halten sie davon?«

Nichts! Ich wollte dem Tür irgendetwas über den Schädel ziehen. Doch Bot piepte sehr energisch, ich solle mich vom Hof machen! Da war nichts mehr zu retten. Noch einmal schaute ich zu der Frau, sie war dabei dem Kerl die Fesseln abzunehmen. Bewegen konnte ich mich nicht. Ich war wie versteinert. Auch als der Typ aufstand. Noch einen Schock bekam ich, als die Frau sich auch noch daran machte den Typ mit der Maske zu befreien. Kurz nach dessen Befreiung sprang sie förmlich auf den Tisch und machte sich bereit. Der Mann vom Büro kam auf mich zu.

»Gehen sie einfach. Gehen sie und vergessen sie das alles. Dann werde auch ich vergessen das sie hier waren.«

Bevor der Mann mit der Maske wieder zu dem Stab griff packte es mich dann. Eigentlich wollte ich sie fertig machen, doch durch Bots drängender Bitte bewegte ich mich doch zum Durchgang. Ich rannte richtig die Treppe hoch und aus dem Gebäude. Natürlich verfolgte mich der Gedanke, was da unten nun passieren würde. Ich hatte Gefühle in mir, die ich einfach nicht beschreiben kann. Ich war fassungslos, verängstigt, eingeschüchtert und wütend. Diese Machtlosigkeit. Ich hätte ihr Leben retten können, doch sie wollte es so haben! Das Schlimmste daran war, ich war hier der Verbrecher! Ich hatte mich direkt einiger Punkte schuldig gemacht, während die gerade einen Menschen töteten und es vollkommen legal war. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Ich dachte eigentlich immer, seit die Menschheit das Weltall bereiste seien wir reifer geworden. Doch was ich hier erlebte überzeugte mich vom Gegenteil.

Im Schiff schrie ich Bot an, er solle starten und mich so weit wie möglich von diesem Ort wegbringen. Ich nahm den Helm ab und sackte auf meine Knie. Kurz darauf übergab ich mich. Dazu schlossen die Tränen aus meinen Augen wie Wasserfälle. Noch nie in meinem Leben hatte mich etwas derart mitgenommen wie dieser Auftrag. Schliesslich brach ich neben dem Erbrochenen zusammen und es wurde dunkel um mich.

Als ich wieder zu mir kam stand Bot neben mir. Ich lag zwar noch am Boden, doch er hatte meinen Auswurf bereits entfernt. Er piepte mir zu, ob alles in Ordnung sei. Nein! Nichts war in Ordnung! Mein ganzes Bild der Menschheit war erschüttert! Ich musste an einen Text denken, den ich vor ein paar Jahren gelesen hatte. Eine der Pioniere der Reise zu anderen Sternen hatte diesen geschrieben und es beschrieb das erste Zusammentreffen der Menschheit mit Ausserirdischen. Diese Ausserirdischen wollten die Menschheit vernichten, das sie uns für eine Art Krankheit hielt und wir das Universum infizieren wollten. Zum ersten Mal gab ich dieser Kreatur recht! Wenn das die Menschheit war, wenn wir zu so etwas fähig waren, dann waren wir wirklich die Monster und diese Kreatur die Heilung.

Ich bat Bot Kurs auf den Auftraggeber zu nehmen. Ich wollte der Frau meine Ergebnisse übergeben und dann nie wieder etwas von ihr oder solchen Aufträgen wissen. Noch schnell ein Sticker auf die Stirn und ich legte mich in die Koje. Zuvor genehmigte ich mir jedoch noch ein Schlafmittel. Mit den Bildern im Kopf hätte ich niemals normal einschlafen können.

Sonntag

Als ich meine Augen öffnete ging es mir ein klein wenig besser. Ich hatte sogar Hunger, aber das mag an den Kochkünsten von Bot gelegen haben. Es roch derart lecker im ganzen Schiff, ich ertrank fast im eigenen Mundwasser! Also raus aus der Koje und Frühstücken, bzw. Mittagessen. Ach schmeckte das wieder so lecker! Wenn es mal Knapp an Geld war konnte ich Bot auf jeden Fall an ein Restaurant vermieten. Der machte aus Paniermehl und einer Zwiebel ein Essen zum dahin schmelzen. Allerdings gab es dieses Mal etwas anderes.

So sehr ich eigentlich nie wieder etwas von dem Ganzen wissen wollte musste ich dennoch meinem Auftraggeber Bericht erstatten. Vor Ort waren wir schon. Nur noch Duschen, mich anziehen, dann konnte ich mich auf den Weg machen. Leicht fiel mir das nicht! Alleine schon das ganze Erlebte noch einmal durchkauen zu müssen war für mich der blanke Graus. Nutzte jetzt aber alles nichts, da musste ich durch. Am Haus angekommen machte ich mich bemerkbar. Ein Diener öffnete und geleitete mich in eine Art Bücherei. Verdammte Scheisse, wie viel Geld da wohl in Form von Büchern herumstand? Ich erwähnte ja schon, Bücher gab es heute eigentlich nur im Museum. Eine solche Sammlung musste fast unbezahlbar sein! Aber dafür war ich nicht hier. Ich wollte meine Informationen weitergeben und das ganze Kapitel damit abschliessen. Die Frau bat mich Platz zunehmen.

»Was haben sie für mich?«

»Was ich auf jeden Fall habe ist ein schweres Trauma! Diese Geschichte war ziemlich heftig!«

»Es ist also ein authentisches Video?«

Ich nickte.

»Und in wie weit ist mein Mann in die Sache verstrickt?«

»Das kann ich ihnen leider nicht sagen. Was ich sagen kann, diese Frauen wollen auf diese Art behandelt werden! Ich nehme an, ihr Mann hat sich dieses Video einfach gekauft. Auf ganz legalem Weg.«

»Hören sie, Sie bekommen ihre Gage auch wenn sie nichts herausgefunden haben. Aber bleiben sie bitte bei der Wahrheit!«

»Das ist die Wahrheit! Ich habe herausgefunden, wo die Frau her kam, wie sie nach Hollyplanet gekommen ist, wo sie sich für diesen Film beworben hat, wo der Film gedreht wurde und sogar diesen Kerl mit der Maske habe ich getroffen. Ich garantiere ihnen, es ist alles legal und die Frauen wollen das!«

»Erzahlen sie mir keine Märchen!«

Ich wurde etwas wütend. Entsprechend artikulierte ich auch.

»Ich erzähle ihnen keine Märchen! Ich war dort! Ich habe das gut gefüllte Castingbüro gesehen. Ich habe die Frauen in dem Lagerhaus gesehen, in ihren Käfigen. Ich habe eine Frau gesehen, die mich angebettelt hat, ich solle die Männer doch ihre Arbeit machen lassen. Sie wollte die Personen, die für das Dinner bezahlt hatten nicht enttäuschen. Ich habe einen Laden gesehen, in welchem solche Videos dicht an dicht aufgestellt und legal käuflich sind. Glauben sie mir, so unglaublich es klingt, selbst wenn ihr Mann diesen Film in Auftrag gegeben hat bewegt er sich absolut legal.«

»Sie machen sich nicht über mich lustig?«

»Nein. Glauben sie mir, ich habe es erlebt und ich will es nie wieder erleben!«

»Okay. Können sie mir Kontaktinformationen von den Herstellern des Films geben? Ich will ihnen kein Misstrauen aussprechen, sie bekommen auch auf jeden Fall ihre Gage. Aber ich möchte diese Informationen persönlich verifizieren.«

Ich gab ihr die Informationen. Sie gab ihrem Diener ein Zeichen, der drehte sich um und ging.

»Das Geld wird ihnen gut geschrieben. Auch wenn ich mich von dem Ergebnis selbst überzeugen möchte haben sie sehr gute Arbeit geleistet.«

»Vielen dank. Ich werde auch noch ein bisschen an diesem Auftrag zu beissen haben.«

»Das glaube ich ihnen. Ich werde sie auf jeden Fall weiterempfehlen!«

»Aber bitte, solche Aufträge werde ich nicht mehr annehmen! Das kratzt zu sehr an meiner Seele.«

»Ich denke, da müssen sie sich keine Sorgen machen. In meinem Bekanntenkreis geht es mehr darum, Beweise für Untreue und ähnliches zu finden.«

»Damit kann ich leben.«

»Und sie sagen, egal welche Fehltritte mein Mann getan hat, er hat sich keinem Mord schuldig gemacht?«

»Ja. Das sage ich! Diese Frauen wollen geschlachtet werden. Sie geben sogar Einverständniserklärungen schriftlich und per Video ab und werden von einem Anwalt auf Drogen und psychische Beeinflussung getestet. Ich habe eine Frau selbst geprüft.«

»Dann möchte ich mich noch einmal bei ihnen bedanken. Kann ich noch einmal auf sie zurückgreifen, wenn ich noch etwas in Erfahrung bringen möchte?«

»Solange es sich nicht noch einmal um so etwas handelt sehr gerne!«

»Okay. Dann will ich sie nicht weiter aufhalten.«

Ich stand auf, verabschiedete mich und ging. Bot hatte das Schiff schon startklar gemacht. Sogar ein Ziel hatte er schon gesetzt. Wo brachte er mich hin? Nun, er hatte in meiner Abwesenheit ein Termin bei einem Seelendoktor vereinbart und zwang mich geradezu diesen wahrzunehmen. Zwang im Sinne von, wenn ich es nicht machen würde bekäme ich nichts mehr gekocht. Diese kleine Ratte! Aber wahrscheinlich war es generell eine gute Idee gewesen. Meine Psyche hatte auf jeden Fall einen Knacks abbekommen. Wenn sich das mal jemand anschaute war es mit Sicherheit kein Nachteil.

Fall #32116: Geschlossen


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