Tage des Glücks

Am nächsten Morgen wurde ich wach, Janine lag mit dem Rücken zu mir gedreht und ich hielt sie noch im Arm. Meine Hand fest an ihrer Brust und ich spürte sie atmen. Wahnsinn! Ich war so glücklich und zufrieden, ich hätte ewig so daliegen können. Bewusst achtete ich auf die Gefühle, die ihr Körper an mir verursachte. Wie der ruhige Atem immer wieder ihren Brustkorb ausdehnte und ich roch noch immer das Parfum, welches sie am Vorabend aufgelegt hatte.

Während ich mich auf meine Empfindungen konzentrierte, kam ich natürlich irgendwann bei meiner Hand an und wo war die? Bingo! Ich drückte sie vorsichtig zusammen und hatte da wirklich die Brust einer Frau in der Hand, die das sogar wollte! Nun gut, zumindest duldete, da ich nicht sagen konnte, dass sie von meiner Berührung während des Schlafens etwas mitbekommen hatte.

Es wurde zwar kein Zwischenfall, aber natürlich regte sich da einiges bei mir. Im ersten Moment wollte ich es verbergen und mein Becken etwas von ihr wegdrehen, doch als ich ihren Po an meiner gewissen Stelle spürte, war das einfach nur eine Wucht. Zum ersten Mal, zumindest bewusst, berührte mein kleiner Freund eine Frau. Zwar durch Stoff, aber das spielte keine Rolle.

Unbewusst drückte ich mein Becken sogar noch etwas an sie ran und drückte wieder meine Hand ein wenig zusammen, als Janine mir den Schreck meines Lebens verpasste.

»So früh und schon so hart?«

Leck mich, war mir das peinlich. Sofort zog ich mein Becken zurück und meine Hand von ihrer Brust.

»Ich, also, glaub nicht, ich meine …«

Janine fing an zu kichern.

»Ganz ruhig! Alles gut. Bin schon schlimmer geweckt worden.«

»Ja, okay, aber ich wollte ja nicht, ich meine …«

»Du wolltest mich nicht im Schlaf vergewaltigen? Tony, dass weiss ich doch! Trotzdem, mehr gibts erst an Silvester!«

Heiliger Himmel! Tatsache, an Silvester sollte ich ja mit diesem brutalen Körper mein erstes Mal haben. Jetzt ganz schnell an was anderes denken, sonst wäre ein Unfall unweigerlich irgendwo an ihrem Hintern gelandet.

»Frühstück?«

»Jupp. Eier, Toast und warmer Kakao. Ans Bett bitte!«

Einen Moment mal! In meinem Bett wurde nicht gegessen! Noch nie. Ich hasste nichts mehr, als Krümel im Bett!

»Ne, ne, ne. Im Bett wird bei mir nicht gegessen!«

Janine rappelte sich auf und setzte sich. So nackt wie sie war, war sie ein zauberhafter Anblick.

»Schade. Ich liebe es, nackt im Bett zu essen. Aber gut, angezogen am Tisch geht auch.«

Diese Ratte!

»Eier mit Tost und Kakao im Bett. Kommt sofort!«

Janine lachte.

»Tut mir leid Tony. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Es ist dein Bett und es sind deine Regeln. Wenn du nicht im Bett essen willst, dann akzeptiere ich das und damit du mir auch glaubst, zieh ich mich erst nach dem Frühstück an. Okay?«

Man mag es kaum glauben, aber diese Worte gaben mir viel! Sie hatte es mir gezeigt, dass sie mich dazu bringen konnte, meine Regeln zu brechen. Nur, damit ich sie noch eine Zeit lang nackt haben konnte. Doch gleichzeitig zeigte sie mir auch, dass sie mich nicht ausnutzen wollte und sich lieber nackt an den Tisch setzte, als meine Regeln zu brechen.

»Vergiss es! Du bleibst jetzt schön im Bett und ich kümmere mich ums Essen.«

Frühstück machen war für mich immer eine zweckdienliche Sache. Ich hatte weder Spass daran, noch nervte es mich. An dem Tag aber, tanzte ich fast durch die Küche und hatte so viel Freude dabei, dass ich es gar nicht glauben konnte. Doch hatte ich kein Tablett, um das Essen zu transportieren. Aber, ich hatte einen Laptop-Tisch, um bequem vom Sofa aus zocken und surfen zu können. Der wurde kurzerhand umfunktioniert und damit wanderte ich zurück ins Schlafzimmer, wo eine dösende Janine bereits auf mich wartete.

Den Anblick konnte ich gar nicht glauben und seither auch nicht mehr vergessen. Sie lag auf dem Bett, ein bisschen zur Seite gedreht und in dem Licht, welches durch das Fenster fiel, hätte man sie genauso auf die schärfsten Männermagazine drucken können. Interessanterweise sah ich aber nicht die Erotik, die da auf meinem Bett lag. Ich sah die Freundin, die mir in letzter Zeit gezeigt hatte, dass das Leben auch für mich schön sein konnte.

Wir frühstückten, wobei sich der Laptoptisch als vorzügliche Wahl herausstellte. Durch die Beine, die man ausklappen konnte, wurde er zu einem ganz hervorragenden Tisch und das Essen wurde sehr viel angenehmer. Es machte mir sogar richtig Spass und wenn ich ehrlich war, lieber bezog ich später mein Bett frisch, als dass verpasst zu haben.

Den weiteren Tag verbrachten wir weiterhin zusammen. Janine konnte ganz schön frech werden, wie ich herausfinden musste. Es kam zu wüsten Kissenschlachten, sie peitschte mich mit einem Kabel von meinem Computer und ich bekam sogar DVD-Hüllen an den Kopf geworfen. Trotzdem war es ein riesiger Spass und ich hätte am liebsten ewig so gelebt.

Allerdings blieb es auch so schön, als wir später in die Kneipe gingen. Keine Ahnung, wie das alles zusammenpasste, doch es war alles ganz anders! Ich war festes Bestandteil der Gruppe und konnte mit allen so umgehen, wie sie es die ganze Zeit untereinander getan hatten. Ja meine Güte, ich nahm sogar Janine wieder mit nachhause, als wären wir ein Paar. Genauso gingen wir ja auch abends ins Bett. Alles was fehlte, war der Sex.

Und eigentlich auch das Küssen, denn auch wenn sie es ja erwähnte, dass sie sich dran gewöhnen könnte, wiederholte sich der Kuss nicht. Das war aber auch das Einzige, was dem Pessimisten ein wenig Futter gab. Wenn sie sich ja hätte dran gewöhnen können, warum tat sie es dann nicht mehr? Es waren wohl doch eher Worte, um mein angekratztes Ego aufzupolieren.

Die nächste Nacht kam, dann ging sie wieder. Wieder kuschelten wir halb nackt miteinander und wieder wachte ich auf und hatte mehr an ihrem Hintern zu bieten, als die Tiefe ihres Schlafes aushalten konnte. Wieder Essen im Bett, jede Menge Spass am Tag und dann Abends in der Kneipe. Das war für mich alles einfach nur der Hammer und natürlich wiederhole ich mich mal wieder wenn ich sage, ich hätte es immer so haben können.

Dann kam wieder die Nacht. Wieder bei mir, wieder oben ohne, wieder Arm in Arm. Wir redeten noch eine ganze Zeit über banale Dinge. Was in der Kneipe passiert war, was einzelne Vertreter unserer Gruppe wohl gerade taten und auch, was Abigail mit Roman gerade machte. Für mich war es klar, die vögelten. Janine hingegen war der Meinung, die zwei würden sich wahrscheinlich eher gerade streiten.

»Warum denkst du das?«

»Weil ich Roman kenne. Die sind jetzt schon eine Zeit zusammen und jede Wette, mittlerweile gibt es einige Dinge, die ihm nicht gefallen. Sind eigentlich Kleinigkeiten, aber er macht eine Apokalypse daraus.«

»Ach ja? Was war es denn bei dir?«

»Das willst du nicht wissen!«

Okay, dann wollte ich es mit Sicherheit wirklich nicht wissen.

»Komm, sag schon!«

Hallo? War ich bescheuert?

»Ach, ich wollte nicht schlucken!«

»Wie jetzt? Das war alles?«

»Jupp. Dann kam diese Schlampe, prahlte damit, dass sie es liebt zu schlucken und schon war er weg. Roman eben!«

Ich war schockiert.

»Heisst das, du machst es mit dem Mund?«

Janine lachte.

»Hast du sonst keine Probleme? Aber ja, ich blase und das eigentlich ziemlich gerne!«

Hilfe! Zwölf Uhr Mittags vor einem Notfall. Aber nur einen Moment. Janine sprang dazwischen.

»Aber jetzt im Moment, mache ich lieber das mit meinem Mund!«

Und ich bekam meinen zweiten Kuss. Dann den Dritten, Vierten und irgendwann zählte ich nicht mehr mit. Es war einfach viel zu schön, die halbnackte Janine in meinem Arm zu haben und zu küssen und ich muss mir zugestehen, mit jedem Mal wurde ich mutiger, fordernder und jedes Mal dauerte es länger, bis Janine sich wieder von mir löste. Wow, was für ein Erlebnis!

Wir küssten uns solange, bis wir einschliefen. Arm in Arm, dicht aneinander gekuschelt in meinem Bett, unter meiner Decke. Das war so wunderschön, dass ich gar keine Chance hatte, irgendetwas negatives zu träumen. Tatsächlich träumte ich sogar davon, mit Janine kuschelnd im Bett zu liegen und zu schlafen. Doch im Gegensatz zu meinen anderen Träumen, wachte ich dieses Mal auf und trotzdem lag Janine noch da und schlief in meinem Arm.

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