Diabolus Umarov

Blog des Autor Diabolus Umarov

Amy – Der Raster

Von: diabolusUmarov
Erstellt am: 21.02.2017

Level 1 – Das zweite Leben

Es ist 7:30 Uhr. Warum klingelt mein Wecker? Es ist doch Sonntag! Oh nein! Es ist schon Montag! Verdammt, so komme ich nie rechtzeitig zur Arbeit. Raus aus dem Bett. Ich muss mich fertig machen und schauen das ich die nächste Bahn erwische. Warum habe ich noch die Klamotten von gestern an? War wohl wieder eine lange Nacht. Die Klamotten sind auch noch ganz okay, dass spart mir Zeit. Ich schaffe es noch zur Bahn!

In der Bahn denke ich nach. Was waren das noch für Zeiten. Vor ein paar Jahren noch war es egal wann ich aufgestanden bin. Ich hatte keine Arbeit, ich verdiente mein Geld mit Hacken und war ziemlich gut darin. Gut genug, dass sogar Anonymous an mich heran getreten ist. Aber ehrlich? Für die Kinderspiele von denen war ich mir zu schade. DDOS Angriffe, Server zum Absturz bringen. Meine Güte. So etwas hatte ich gemacht als ich noch ein Kind war. Ich selbst hacke richtig. Ich finde Informationen auf geheimen Server, Klinke mich in Computer ein, die nicht über das Internet erreichbar sind. Früher habe ich das im Auftrag gemacht und viel, viel Geld damit verdient. Am Meisten natürlich mit dem Aufspüren von geheimen Informationen über Aliens und zur Mondlandung. Meistens kamen irgendwelche Leute zu mir, zeigten mir ein geschwärztes Dokument und ich sollte das Original dazu beschaffen. Wenn ich es über die NASA, oder die NSA beschaffen konnte war das einfach. Die hatten zwar immer schon hochgradig verschlüsselte Server, aber sich nie die Mühe gemacht die Hintertürchen zu schliessen. Ich musste gerade bei der NSA lachen. Durch die Vordertür kam man selbst mit einem Panzer nur sehr schwer. Die Hintertür war jedoch nur angelehnt. Das war ein tolles Leben, ganz ehrlich. Jemand kam, wollte Dokument X, ich nannte meinen Preis, war sehr oft schon nach einer Stunde fertig, bekam dafür ein dicker Batzen Geld und übergab einen USB-Stick. Das die Meisten vom Inhalt der Dokumente enttäuscht waren, dafür konnte ich leider auch nichts. Es gab eben keine Mondlandungsverschwörung. Die Zwillingstürme wurde nicht gesprengt und das war auch keine geheime CIA Aktion. Aliens mag es zwar geben, aber die sind eben doch nicht in Rosswell abgestürzt. Tut mir ja selber leid. Ich war auch aufgeregt, als ich auf den Servern nach den Dokumenten gesucht hatte.

Wo bin ich heute? Ich sitze in der Bahn und fahre zu meiner Arbeit. Ich stehe an der Käsetheke vom Planet Handelshof. Davon kann man leben, aber mehr auch nicht. Ich werde wohl wieder zu spät kommen. Das gibt dann wieder einen Anschiss vom Abteilungsleiter. Seis drum. Ich kann den Kerl sowieso nicht leiden. Wer bin ich eigentlich? Mein Name ist Amy. Ich bin 22 Jahre Alt, 165 cm gross, lange rotblonde Haare, sportlich. Ich lebe alleine in einer 50 Quadratmeter grossen Wohnung in einem grossen Mietshaus. Früher war ich oft unterwegs, hatte oft Besuch. Mittlerweile bewege ich mich nur noch wegen der Arbeit aus dem Haus. Da ich von dort auch gleich das Benötigte an Lebensmittel mit bringen kann, erspare ich mir auch die Einkäufe. Den Rest des Tages verbringe ich mit meiner Suche. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, bin ich vom sehr lukrativen Hacken ab gekommen. Warum? Das möchte ich euch erklären.

Vor fast einem Jahr kam ein netter, junger Mann zu mir. Ich sollte ihm ein Dokument besorgen, welches er nur in geschwärzter Form gefunden hatte. In diesem Dokument ging es um die Möglichkeiten des menschlichen Geistes. Gerade die Russen hatten wohl viel Zeit und Geld in die Erforschung des Ganzen investiert und die Ergebnisse sollten so erschütternd gewesen sein, dass sowohl Projekt, wie auch Probanden und alle Ergebnisse aufgegeben und weggeschlossen wurden. Natürlich fand ich das Dokument. Die Russen sind zwar unglaublich gut, was Verschlüsselung und Geheimhaltung angeht, doch wenn man einmal ihr System geknackt hat, kann man quasi überall ein und aus spazieren. Wie gesagt, ich fand das Dokument. Es gab tatsächlich noch auf einem alten, verstaubten Server ein Backup davon. Alt und Verstaubt im Sinne von, die letzten Bewegungen der Dateien lag schon einige Jahre zurück. Wahrscheinlich war der Server versehentlich nicht abgeschaltet worden, oder wie auch immer. Natürlich lass ich mir das Dokument auch durch. Ja, sie hatten etwas gefunden. Durch die Experimente waren sie in der Lage gewesen, den Geist des Menschen so gesehen zu befreien. Was da alles beschrieben wurde. Die Versuchspersonen sollten in der Lage gewesen sein, sogar Materie nach ihren Wünschen zu formen, zu verändern, zu vernichten und zu erschaffen. Die Gesetze der Physik sollen ebenfalls für diese Menschen nicht mehr gegolten haben. Fliegen, an der Decke laufen, oder sich einfach nur mit wahnsinniger Geschwindigkeit bewegen. Alles kein Problem. Auch wenn die Ergebnisse zunächst noch alle Erwartungen der Versuchsleiter übertrafen, wurden sie zunehmend ängstlicher.

In einem weiteren Dokument war von den Gründen zur Einstellung des Projektes etwas zu lesen. Anscheinend schienen die Versuchspersonen von Test zu Test geisteskranker zu werden. Immer wieder sprachen sie davon, sie könnten den Raster sehen, alles wäre der Raster oder auch, der Raster sei überall. Nachdem sich einige der Leute dann noch vor den Augen der Wissenschaftlern in Luft auflösten, nachdem sie sagten, sie wären bereit aufzusteigen, zog man die Notbremse. Das Projekt wurde eingestellt und man entschied, es so tief zu vergraben, dass niemand jemals wieder davon hören würde.

Das brachte mich auf den Plan. Die Experimente waren mir egal, doch was war der Raster? Was sollte das heissen, der Raster sei überall? Nachdem ich diesen Auftrag erledigt hatte, fing ich an in Eigenregie zu hacken. Der Vorteil, da ich wusste was ich suchte konnte ich gezielt loslegen. Der Nachteil, ich musste auf andere Art und Weise Geld beschaffen. Alles was meine Computer hergeben läuft seither auf der Suche nach dem Raster, also Informationen darüber. Viel habe ich noch nicht gefunden. Es gibt eine Gruppe von anderen Hackern, die sich selbst »Die Auserwählten« nennen. Dort scheint ein bisschen was zu holen zu sein. Doch deren System ist brutal. Kein Hintertür, 512 Bit Verschlüsslung und so etwas wie Wachhunde. Bei normalen Servern war das ziemlich einfach. Ich schaltete meinen Computer an, sagte ihm, zu welchem Server ich Zugang brauchte und liess ihn machen. Der ging dann mit dem Holzhammer dran. Jede mögliche Kombination wurde einfach durch gegangen. Netterweise gibt es auf der Welt ja Unmengen von Menschen, die wir brave Lemminge Doors auf ihrem Computer laufen haben. Besonders dank Doors 10 hatte ich Zugriff auf eine schier unbegrenzte Zahl an Rechnern, die brav für mich eine Kombination nach der Anderen durchgingen, bis ich endlich den richtigen Code hatte. Macrosoft war schon ein sehr praktisches Unternehmen. Bei den Auserwählten war das Anders. Wenn ich da versuchte, einfach alle Möglichkeiten durch zu probieren kamen die Wachhunde und versuchten den Weg bis zu mir zurückzuverfolgen. Das war natürlich schlecht. Aber ich hatte da noch so ein paar Trümpfe in der Hinterhand. So hatte ich gestern zum Beispiel ein neues Programm gestartet und war schon gespannt was es finden würde.

Zurück zum Tag. Auf der Arbeit bekomme ich natürlich meinen Anschiss. So sitze ich hier vor dem Chef, der mir mal wieder etwas von Rädchen im System erzählt, dass Alles nur reibungslos laufen kann, wenn jedes Rädchen seine Arbeit tut. Wie oft habe ich das schon gehört. Schön ist nur, ich arbeite für den Mindestlohn und durch mein Aussehen stehen an meiner Kasse immer viele Männer und warten, dass ich sie Bediene. Etwas Ausschnitt und schon muss ich den Käse dort hervorholen, wo ich mich tief bücken muss. Entsprechend hat meine Kasse am Abend aber auch einen gewaltigen Umsatz. Deshalb wird der kleine Brechwurz da vor mir mich ein bisschen zurecht föhnen, damit er sich besser fühlt, dann an die Arbeit schicken. Genau so kommt es dann auch. Gelaber beendet, schon heisst es wieder ich solle mich an die Arbeit machen, die Kunden würden schon warten.

An meiner Kasse ist wirklich schon der Teufel los. Man stelle sich vor. Unsere Käsetheke stellt eine kleine Insel mitten im Markt da. Die ist angeordnet wir ein Achteck und hat insgesamt vier Kassen. Drei davon werden von vereinzelten Kundinnen belagert. Meine hingegen beherbergt jetzt schon eine ansehnliche Schlange von mindestens zwölf Herren. Da wird mein Chef heute Abend aber wieder gute Laune haben. Sehr praktisch, dann fällt ihm auch nicht auf das ich meine Tageseinkäufe wieder geschickt an der Kasse vorbei schleuse. Das ist gar nicht schwer. Ich komme an der Kasse an, suche mir natürlich die, an der unser Praktikant sitzt, dann flirte ich kurz mit dem und gehe. Der ist dann meistens so von der Rolle, dass er nicht einmal fragt, ob ich etwas im Rucksack habe.

Heute ist jedoch etwas Anders. Mittlerweile haben wir fast zwölf Uhr und ich will eigentlich in die Mittagspause. Da fällt mir schon wieder ein Mann auf. Komplett schwarz gekleidet, Sonnenbrille und schwarzer Filzhut. Von denen habe ich heute schon einige gesehen. Die kaufen nichts, sie stehen einfach nur rum und beobachten mich. Wenn er mir dann auffällt verschwindet er kurz darauf. Nur, damit ich wenige Minuten später einen Anderen erspähe. Werde ich langsam Paranoid? Ich hacke schon so viele Jahre und noch nie war mir jemand auf die Schliche gekommen. Aber was waren das für welche? Auch in der Mittagspause bin ich nicht alleine. Ich bin meistens die Einzige, die im Pausenraum sitzt. Klar, meine verehrten Kollegen müssen ja rauchen gehen. Rauchen ist ganz wichtig! Viel Geld dafür bezahlen, sich Gift in die Lunge zu ziehen. Immer wieder ganz Toll und dann den halben Tag am jammern, dass man eine Rauchen muss. Wirklich ganz Toll. So weit ist der Mensch gekommen. Er baut Raketen und fliegt zum Mond, baut Computer, welche die kleinsten Teilchen des Universums berechnen können, vergiftet dann aber seinen Körper und geht jede Preiserhöhung mit. Toll, oder?

Wie gesagt, dieses Mal war ich nicht alleine. Ich wollte auf meinem Tablett nach dem aktuellen Stand meines Rechners schauen. Doch egal wann ich zur Tür blicke, immer läuft da einer in Schwarz vorbei. Langsam fängt es an mich zu beunruhigen. Auch nach der Mittagspause wird es nicht besser. Das geht so weit, dass ich einen von der Sicherheit rufe. Doch ich kann ihm leider keinen der Männer zeigen, denn egal wo die eben noch waren, will ich auf einen zeigen ist er weg. Deshalb kann ich von da auch keine Hilfe erwarten. Super.
Richtig beängstigend wird es jedoch auf meinem Heimweg. Ich bin in der Bahn. Dort sind viele Menschen drin, also eigentlich ein sicherer Ort. Doch überall sehe ich die Männer stehen. Ich versuche mich abzulenken, schaue in mein Tablett. Vielleicht eine Runde spielen. Doch was macht das Ding? Es ist schwarz, reagiert auf nichts. Bis dann eine Schrift erscheint.

»Steh auf! Geh zum hinteren Eingang!«

Was ist denn das für ein Scheiss? Ich versuche das Tablett neu zu starten, doch es passiert nichts. Doch, es passiert schon etwas. In einer neuen Zeile kommt neuer Text!

»Wenn du leben willst, dann stehst du jetzt auf und gehst zu den hinteren Türen. Beeil dich, die Männer in Schwarz greifen gleich an!«

In welche Scheisse bin ich da schon wieder geraten? Kann ja gar nicht sein! Ich habe die CIA Akten zum Kennedy Attentat geklaut, das hatte niemand interessiert und auf einmal werde ich bedroht? Verdammt. Was tun. Vielleicht sollte ich meinem Tablett Folge leisten. Ich stehe also auf. Tatsächlich, der hintere Eingang scheint von diesen Schwarzmännern nicht belagert zu sein. Die Bahn hält. Verdammt, die stehen auf. Die Türen öffnen sich und ich laufe los. Ich spüre wie mein Handy in meiner Hosentasche vibriert. Während ich laufe schaue ich drauf.

»Lauf weiter. Bieg dann in die rechte Gasse ein. Die erste Tür auf der linken Seite ist offen!«

Ich laufe. Ein kurzer Blick, die Typen sind hinter mir. Aber die laufen nicht. Die sind irgendwie einfach da. Da ist die Gasse. Die Tür ist wirklich offen. Ich gehe rein, schliesse sie. Was für ein Alptraum. Ein Blick auf mein Handy. Keine Nachricht mehr. Doch hinter mir ertönt eine Stimme und ich schrecke zusammen.

»Das war knapp!«

»Na stell dir vor! Kann mir jetzt mal jemand sagen in welchen Horrorfilm ich da geraten bin?«

»In den Ultimativen! Du suchst nach etwas. Und dieses Etwas ist will nicht gefunden werden!«

»Ach ja? Und wer bist du?«

Ein Mann tritt aus der Dunkelheit. Sehr gross, mindestens zwei Meter. Dunkle Hautfarbe, Glatze, stämmig. Irgendwo habe ich den schon einmal gesehen.

»Meine Freund nennen mich CT!«

»Aber nicht Charlie Tango, oder?«

»Du hast von mir gehört?«

»Willst du mich verarschen? Du bis eine Legende! Die Nummer mit mit 9/11 war der Wahnsinn!«

»Das sagen viele. Dabei lagen die Daten so offen rum, die hätte jeder finden können.«

»Und was hat es mit diesen Typen aus dem Horrorfilm da auf sich?«

»Das sind Wächter.«

»Ach, ich hätte die jetzt für Pantomimen gehalten!«

Mein Humor vergeht mir, nachdem ich mir die Ausführungen meines neuen Freundes anhören durfte. Wie er mir sagt, bin ich auf der Spur des ultimativen Geheimnis. Der Raster. Was ist der Raster? Nun, der Raster ist Alles. Er ist die Luft um uns herum. Die Schwerkraft. Das Licht, jedes Geräusch. Man kann auch sagen, der Raster ist Alles, was kein freier Wille hat. Selbst die Insekten. Das Meer, der Planet selbst. Eben alles. Und wir sind mitten drin. Ich muss hoffentlich nicht erwähnen, dass ich das zuerst einmal für Schwachsinn halte. Der Raster ist alles. Was ein Blödsinn. Doch CT tritt einen Beweis an. Er nimmt sich einen Gegenstand vom Tisch. Wo bin ich hier eigentlich? Anscheinend so etwas wie eine kleine Kneipe. Eigentlich noch geschlossen, nehme ich an. Wahrscheinlich hatte CT die Tür geöffnet, um mir eine Fluchtmöglichkeit zu liefern. Doch wie konnte er wissen wo ich bin und wie konnte er meine Geräte kapern? Erst jedoch sein Beweis. Er nimmt sich einen Bierdeckel. Die stecken in so einem seltsamen Halter. Er hält ihn einem Eck, ganz dicht vor meinem Gesicht. Dann passiert es. Der Deckel fängt an sich zu verbiegen. Als wäre er aus Metall. Als würde man einen Metallstab rund biegen. Genau so bewegt sich dieser Pappdeckel. Er reisst nicht, nein er wird noch nicht einmal berührt, ausser eben an der Ecke. Wie geht das? CT erklärt. Der Raster ist Alles. Sagte er ja schon. Es gibt ein paar Menschen auf der Welt, die verstehen was der Raster ist, die ihn sehen, so gesehen dahinter blicken können. Diese Menschen nennen sich die Auserwählten. Sie sind sogar in der Lage den Raster zu manipulieren. Wobei CT die am weitesten entwickelten Fähigkeiten hat und sein Bierdeckeltrick die grösste Leistung darstellt. Das kommt mir alles aus den Experimenten bekannt vor, die ich in dem Bericht gelesen hatte. Menschen die in der Lage waren, den Gesetzen der Natur zu widerstehen. Aber was hat das mit mir zu tun?

CT erklärt. Die Auserwählten wären seit vielen Jahren auf der Suche nach All denen, die auf der Suche nach dem Raster sind. Also so etwas wie Gläubige, wobei man da nun keinen Bezug auf eine Religion nehmen sollte. Mit jedem Mensch, der um die Existenz des Rasters weiss stellt auch eine neue Chance da, den letztendlichen Auserwählten zu finden. Was war nun schon wieder der Auserwählte. Langsam kam ich mir vor wie in einem schlechten Film. Waren wir am Ende alles nur Sklaven von Maschinen? Am Besten noch gefangen in riesigen Feldern und wurden als Batterie missbraucht? Nein ganz so ist es dann doch wieder nicht. Prinzipiell ist der Raster nichts böses. Genau genommen ist er unsere Lebensgrundlage. Das Problem ist nur, durch die Experimente, deren Berichte ich ja gefunden hatte, gelang es ein paar Menschen aufzusteigen. Das wiederum brachte das ganze Geschehen durcheinander. Es war anscheinend nie vorgesehen, dass Intelligenz sich mit dem Raster vermischt. Diese Intelligenz begann nun, kurz nach den Experimenten, den Raster nach seinen Vorstellungen umzubauen. Viele Katastrophen auf der Welt können sich auf diese Manipulation zurückführen lassen. Wobei die Katastrophen genau genommen nur Ablenkungen sind, um von den wahren Geschehnissen abzulenken. Wofür das Alles? Natürlich um die Weltherrschaft an sich zu reissen. Egal wer auch immer dumm macht, es geht doch immer um die Weltherrschaft.

Von mir aus. Ich habe ich meiner Karriere als Hacker schon zu viel seltsames Zeug erlebt, um meinen neuen Freund nun als Spinner abzustempeln. Viel von dem was er sagt ergibt so in der Tat sogar mehr Sinn, wie wenn man die Vorgängen als Einzelnes betrachtet. Doch noch einmal, was hat das nun mit mir zu tun? So intelligent wie ich eigentlich auch bin. Offensichtlich bin ich nicht schlau genug selbst auf den Zusammenhang zu kommen. Ich bin auf der Suche nach dem Raster und habe auch schon die Auserwählten gefunden. Natürlich habe die dadurch auch mich gefunden, auch wenn ich behaupte, meine Technik lässt eigentlich eine Rückverfolgung nicht zu. Doch sie haben mich gefunden und auch vor den schwarzen Typen gerettet. Was wäre wohl passiert, wenn die mich erwischt hätten? CT beschreibt es ganz einfach. Ich wäre auf nimmer Wiedersehen verschwunden und niemand hätte sich darüber gewundert. Tolle Aussichten.
Und wie geht es nun weiter? CT stellt mich vor die Wahl. Ich kann mit ihm gehen und leben, oder mein Glück in meinem bisherigen Leben weiter versuchen und Gefahr laufen für immer zu verschwinden. Denn auch wenn ich nicht weiter nach dem Raster suchen würde, die Wächter haben mich auf dem Radar. Was bleibt mir also übrig? Ich akzeptiere. Au! Was zwickt da im Nacken?

Level 2 – Die Auserwählten

Man wo bin ich jetzt schon wieder rein geraten? Eben noch in dieser geschlossenen Kneipe finde ich mich jetzt in einem… Wo zur Hölle bin ich? Ist das ein Bus? Oder ein Zug? Warum bin ich ganz alleine? Hallo? Keiner da? Da öffnet sich die Tür und CT kommt herein.

»Ausgeschlafen?«

»Findest du dich lustig oder was?«

»Keines Wegs! Tut mir leid für die Betäubung. Aber wenn du bei uns mitspielen willst darfst du nicht auffindbar sein.«

»Was soll das denn heissen?«

CT deutet auf meinen Bauch. Ich solle mal schauen. Eh scheisse was ist das denn? Über meinem Bauchnabel befindet sich ein breites Pflaster. Was soll der Mist? CT fragt mich, ob ich noch wüsste, was am Sonntag passiert sei. Ich nicke, doch wenn ich es mir recht überlege, weiss ich es doch nicht mehr. Samstag Abend war ich wie gewohnt vor meiner Anlage. Ich war müde gewesen und wollte ins Bett. Stimmt, ich hatte mich ja gefragt, warum Sonntags mein Wecker klingelt. Verdammt. Der Sonntag ist weg! CT ist belustigt. Seiner Aussage nach hatte ich von Samstag auf Sonntag Besuch der Wächter. Da ich kurz davor war, das Geheimnis um die Auserwählten zu lüften, hatten sie mich entführt und mit einer Wanze ausgestattet. Standardmodell. Deshalb auch die Anwesenheit der schwarzen Männer. Denen war klar, da ich um die Existenz des Rasters wusste und dadurch auf die Spur der Auserwählten kam, würden diese sich auch mit mir in Verbindung setzen. So ist es ja dann auch gewesen. Die Auserwählten sind jedoch zu clever, um sich durch so billige Tricks aufspüren zu lassen. Während ich also in der Kneipe ausser Gefecht gesetzt wurde, entfernte man mich auch gleich noch die Wanze, verarztete die Wunde und hat mich hier in dieses seltsame Vehikel gebracht. Was ist das also für ein Ding? CT will es mir nicht erklären. Er will es mir zeigen. Das Ding ist ein Schiff. Nein, kein Raumschiff. Einfach nur ein Schiff. Es selbst hat auch keine grossen Fähigkeiten. Nein nicht einmal ein Antrieb, oder Treibstoff. Bewegen kann es sich dennoch und dazu auch noch ziemlich schnell. Denn für seine Bewegung zeichnen ein paar der Auserwählten verantwortlich. Ähnlich wie CT den Bierdeckel verbog, können diese Typen den Raster vor und hinter dem Schiff verbiegen. Das Prinzip ist denkbar einfach. Vor dem Schiff wird der Raster gestaucht, dahinter gestreckt. So bewegt sich das Schiff, ohne sich selbst zu bewegen. Cool oder? Denkt nicht, ich würde das einfach so glauben. Nein, ganz sicher nicht. Doch wie ist das, wenn man eine irrwitzige Geschichte dann live vorgeführt bekommt? CT führt mich zur Brücke des Schiffes. Untypischerweise sitzt das Schiff mitten auf einem Feld. Das ist ja nicht gerade sein Element. Doch CT bittet die übrigen Personen auf der Brücke, Kurs auf die Heimat zu nehmen. Als das Schiff dann anfängt, ungehindert von Reibung, oder Luftwiderstand, oder Schwerkraft, ein Stück zu schweben und dann mit wahnwitziger Geschwindigkeit los düst bin auch ich überzeugt. Das mit dem Bierdeckel war ja schon cool, aber die Nummer schlägt echt alles!

Doch wo bringen sie mich hin? Kurz nach dem Start sind wir auch schon über offenem Gewässer. Ist das das Meer? Wenn wir eben noch bei mir zuhause, oder zumindest in der Nähe gewesen waren, Dann sind wir binnen fünf Minuten über 800 Km mit dem Ding gereist. Das ist doch nicht möglich. Das Schiff stört sich auch nicht an Wellen. Weder bewegt es sich, noch trifft es sie. Es ist, als würde es gar nicht auf die Welt reagieren. Dazu wird es immer schneller. Das kann doch nicht wahr sein! Schlussendlich erreichen wir Eis. Der Nordpol? CT nickt. Aber wir fahren nicht auf das Eis drauf. Nein wir fahren hinein, beziehungsweise hindurch. Besser kann ich es nicht erklären. Um uns herum ist alles weiss. Wir sind mitten drin, doch scheint das Schiff das Eis nicht zu berühren. Es bewegt sich einfach hindurch und wenn ich einen Blick nach hinten Riskiere, ist das Eis dort genau so unversehrt wie vor uns. Die Fahrt wird langsamer. Dann erreichen wir eine grosse Höhle. Wahnsinn! Das ist ja gigantisch! Ich sehe Häuser, Menschen, andere Schiffe. Wir kommen zum Stillstand. CT bedankt sich bei den Fahrern. Sie sollen sich ausruhen gehen. Dann kommt er zu mir.

»Beeindruckt?«

»Soll das ein Witz sein? Was war das eben? Sagtest du nicht, dein Bierdeckeltrick sei die krasseste Fähigkeit?«

»Ist sie auch. Die Fahrer tun eigentlich nicht viel. Sie stauchen vor uns den Raster und entspannen ihn hinter uns wieder. Das ist eine der leichtesten Fähigkeiten, deshalb haben wir auch so viele Auserwählten, die es können. Das mit dem Bierdeckel, ich habe dafür nicht den Raster verbogen, nein ich habe die ganze Struktur des Deckels verändert. Das ist eine ganz andere Hausnummer.«

»Und was mache ich hier?«

»Wie wäre es mit leben? Du kannst nicht in dein altes Leben zurück. Hier hast du die Möglichkeit etwas Frieden zu finden. Aber sei dir im Klaren, früher oder später werden sie uns finden und sollten wir bis dahin den einen Auserwählten nicht gefunden haben heisst es wohl Game Over.«

»Wer ist der Auserwählte?«

»Das weiss leider niemand so genau. Als die Experimente damals aus dem Ruder liefen, stiegen die Meisten der Versuchskaninchen auf, vereinigten sich also mit dem Raster. Einer jedoch wollte das nicht. Ihm war die Macht zu gross, die damit einher ging. Nicht die Macht selbst, sondern die Möglichkeiten und die Gefahr, damit mehr kaputt zu machen, wie nutzen daraus zu ziehen. Er war es, der anfing die Menschen über den Raster aufzuklären. Doch er stiess immer nur auf Widerstand. Einige wenige glaubten und folgten ihm. Er zeigte ihnen ihr Potential und daraus entstanden die Auserwählten. Seiner Meinung nach wird es jedoch einen Menschen geben, der stark genug sein wird, die Anderen aus dem Raster wieder zu entfernen. Dadurch würde die Ordnung wieder hergestellt.«

»Prima. Wie findet man so jemand?«

»Laut seiner Aussage, wird es zu einem bestimmten Ereignis kommen und der, von dem man es am wenigsten erwartet, wird ich als Auserwählter herausstellen.«

»Klingt gar nicht so kompliziert!«

Um ehrlich zu sein, den Raster kann ich nicht abstreiten. Diese Manipulationsmöglichkeiten auch nicht. Was CT jedoch da so von sich gibt halte ich persönlich für massiven Bullshit. Diese Experimente sind über 40 Jahre her und bisher ist die Welt noch nicht zusammen gebrochen. Nein, eigentlich lief doch Alles halbwegs zufriedenstellend. Was soll also dieser ganze Auftritt? Doch bevor ich mir darüber Gedanken machen kann geht es schon in die Stadt. Ja, unter dem ganzen Eis ist eine richtige Stadt mit über 100.000 Einwohnern, wie CT mir sagt. Ich bekomme eine Vielzahl von Leuten vorgestellt. Einige zeigen mir ihre Fähigkeiten. Da ist Alles dabei, vom Löffelverbieger bis hin zu einem der ganz kleine Feuerbälle abschiessen kann. Beeindruckend, aber ganz ehrlich, alles nur Tricks für einen Zirkus. Aber gut, wenn die Leute sich damit für besser halten, wer bin ich das ich ihnen da widerspreche?

Schlussendlich werde ich zum so genannten Rat gebracht. Eine Gruppe aus vier Männern und zwei Frauen, die Alle schon in die Jahre gekommen sind. Ich werde befragt. CT wird befragt. Sie wollen wissen, kann ich für die Gemeinschaft einen Nutzen haben. Nun, was kann ich? Hacken kann ich. Käse verkaufen kann ich. Sexy aussehen kann ich. Reicht das? Nein! CT wird regelrecht zusammen gestaucht. Was er sich denke, jemand in diese Stadt zu bringen, der keinerlei Fähigkeiten besitzen würde. Moment! Hatte ich eben keine Fähigkeiten aufgezählt? Doch die sind nicht von Bedeutung. Ich weiss was der Raster ist, doch kann ich damit nichts anfangen. Also was nutze ich der Gemeinschaft? Gibt es irgendetwas was ich zum Wohl beitragen kann? Vielleicht ja doch Käse verkaufen?

Kurzum, ich wandere in den Bau. So lustig echt! Eben noch verkaufe ich Käse und werde von irgendwelchen schwarzen Leuten verfolgt, verschwinde ich nun spurlos unter dem Eis am Nordpol. Vielleicht hätte mir vorher jemand sagen können, was die Alternative bei den Schwarzen gewesen wäre. Die haben vielleicht Fernsehn oder so. Also die Idee gefällt mir immer weniger, mit hier her gekommen zu sein. Ich komme mir sogar irgendwie etwas verarscht vor. Vor Allem, wo ist CT? Der hat mich in die Scheisse rein geritten, warum zeigt der Arsch sich jetzt nicht mehr?

Vier Tage sitze ich nun schon im Knast. Das erkenne ich nur an den Mahlzeiten. Es gab eben zum vierten Mal Frühstück. Niemand redet mit mir und die sanitären Einrichtungen sind auch nicht gerade der Hit. Zudem kann ich nicht einmal duschen. Ich stinke langsam wie ein Yak. Das Schlimmste ist aber, niemand redet mit mir. Stellt euch vor, meine Zelle ist drei auf drei Meter. Keine Fenster, nur die Tür. In der Tür ist eine Klappe, in der mein Essen steht, alternativ wo ich die Reste hinein stelle. Ich habe nur ein Licht, eine Pritsche und die Toilette. Das ist ziemlich langweilig. Glücklicherweise kann ich so endlich mal Schlaf nachholen.

Eigentlich rechne ich mit dem Mittagessen. Wenigstens ist das Essen in dem Puff genial! Doch anstatt das sich die Klappe öffnet öffnet sich die ganze Tür. CT kommt herein und er sieht nicht unbedingt gut aus. Man könnte annehmen, er war in eine Schlägerei geraten. Doch auf meine Frage bekomme ich natürlich keine Antwort. Es wäre an der Zeit für mein Training. Mein bitte was? Ich dachte ich bin unnütz und nur gut für das Gefängnis? CT hatte in der Zwischenzeit anscheinend das mit dem Rat geklärt und ich solle eine Ausbildung erfahren. Von mir aus. Besser wie den ganzen Tag in so einer Zelle sitzen.

Ich werde in eine grosse Sporthalle gebracht. Toll. Erst Knast jetzt Sport. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. CT stellt mir eine nette junge Dame vor. Ihr Name ist Cerox. Lustig. Ich hatte Cerox für einen Mann gehalten. Sie war vor einigen Jahren für einen lustigen Störfall bei den Atomraketen der USA verantwortlich gewesen. Sie hatte den Dingern kurzerhand den Saft abgedreht. Keine Möglichkeit mehr sie zu kontrollieren. Dann war sie einfach verschwunden. Ich bin bislang davon ausgegangen, dass sie von den Amis bei Seite geschafft wurde. Da sie aber hier vor mir steht kann ich die Theorie wohl verwerfen. Sie ist es auch, die mich trainieren soll. Dann mal los. Ausgeschlafener wie im Moment werde ich so schnell nicht.

Das Training verläuft jedoch irgendwie anderes, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich soll mich hin knien. Okay, kein Problem. Dann die Augen schliessen. Ja schon klar! Ich hatte früher als Kind auch schon einmal Karate. Meditation und all so ein Quatscht. Na ja, nicht ganz. Als nächstes spüre ich Hände an meinen Schläfen. Dann habe ich das Gefühl mein Kopf würde explodieren. Was ist das für eine Scheisse? Ich erinnere mich an meine Mama. »Amy, du sollst dich nicht hin knien und die Augen schliessen«. Danke! Es dauert auch nur einen Moment. Vielleicht vier, oder fünf Sekunden. Dann ist der Schmerz vorbei. Auch die Händen entfernen sich. Was war das denn für ein Quatsch?

CT baut sich vor mir auf und ich soll aufstehen. Oh man. Hin knien, aufstehen, Augen zu, Schmerzen. Was denn noch? Genau. Was denn noch. Da kommen auch schon seine Fäuste geflogen. Links, rechts, Tritt, Sprung, Schlag. Doch was ist das? Warum kann ich das abwehren? Warum trifft der mich nicht? Was machen meine Arme und Beine da und warum liegt der jetzt am Boden? Ich bin überfordert. Was war das? Amy im Autopilot? Ich hatte gar keine Zeit die ganzen Attacken überhaupt zu erfassen, wie konnte ich sie dann abwehren? CT steht auf, stellt sich wieder vor mich und scheint zufrieden. Das hätte ja besser geklappt, wie er gehofft hat. Muss ich das verstehen? Ich bekomme von Cerox die Erklärung. Ihre Fähigkeit ist es, in den Verstand eines Menschen gewisse Fähigkeiten zu implantieren. Das war das wo so weh getan hatte. Anschliessend kann die betreffende Person dann entweder diese Fähigkeiten sofort einsetzen, oder gewöhnt sich langsam daran. Ich scheine zu denen zu gehören, die sofort an den Start gehen können. Cool, es hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis ich das mit dem Käse auf der Reihe hatte, da war mir die Nummer doch schon um einiges lieber. Doch was soll ich nun damit anfangen? CT gibt mir Auskunft. Er ist nicht immer nur auf der Suche nach neuen Einwohnern, für die Stadt, als potentielle neue Auserwählte. Er ist auch oft unterwegs, um den Machenschaften des Rasters ein Schnippchen zu schlagen. Also es ist ja nicht der Raster selbst, sondern die Aufgestiegenen. Was bedeutet das nun. Immer wenn der Raster etwas macht, wo so nicht im Drehbuch steht, versuchen die Auserwählten das zu regeln. Oft klappt es, oft nicht. Denn da gibt es eben die Wächter. Die sind pure Produkte des Rasters. Also keine Menschen aus Fleisch und Blut. Entsprechend sind sie sehr schnell und mindestens genau so stark und haben schon so manchem Auserwählten das Leben gekostet. Na toll. Da muss ich kein mathematisches Genie sein, um zu wissen was da jetzt kommt. Ich bin eine sehr gute Hackerin und konnte mein Training sofort umsetzen, sogar den fast unschlagbaren CT auf die Matte schicken. Ich bin prädestiniert, in seinem Team gegen die dunklen Machenschaften vor zu gehen. Na wenn das mal keine beglückende Neuigkeit ist! Wo geht es zurück in die Zelle? Ich warte immer noch aufs Mittagessen! Doch CT lässt sich nicht lumpen. Ich solle mich nicht anstellen sondern ran halten. Morgen geht es los, bis dahin sei noch ein bisschen was zu trainieren. Wieso? Was denn noch? Hin knien, Augen schliessen, aua! Was hat dir mir denn jetzt in den Kopf gesetzt und was ist ein Quantencomputer und warum kenne ich auf einmal so viele Programmiersprachen? Cool! Wenn ich das mal vor ein paar Jahren schon gewusst hätte. Aua. Schon wieder? Was jetzt? Waffen? AK47? Sidewinder? Eurofighter? Scheisse was hab ich denn da alles in meinem Kopf? Was zur Hölle ist ein Immelmann? Aua! Jetzt hör doch mal auf mit der Scheisse! Man was soll ich denn bitte schön mit Schwefel und Holzkohle und… Schwarzpulver? Cool? Eh man kann echt mit Haushaltsreiniger eine Bombe bauen? Wie cool ist das denn? Aua! Man, wenn das nein Lehrgang in super leckeren Kochen war, dann hau ich dir gleich die Kartoffel vom Hals! Liebeskünste? Hallo? Willst du mich verarschen? Das hättest du dir schenken können. Fertig? Na ein Glück.
Der Tag danach. Ich werden von CT abgeholt und soll auf das Schiff kommen. Die Enceladus. Dort ging es eine Besprechung. Offensichtlich will der Raster den Irak destabilisieren. Warum? Weil sich damit dann die Möglichkeit ergibt, die USA in einen neuen Krieg zu verwickeln und die Menschen in den USA dadurch immer weniger von den Machenschaften der Regierung begeistert sind und schlussendlich doch jemand wählen, der vom Raster manipuliert werden kann. Ganz einfach also. Um den Irak nun ins Wanken zu bringen sollen Extremisten im Regierungspalast ein paar Bomben zünden usw. Unsere Mission war es nun, die daran zu hindern. Wie Aufregend! Vom Hacker zum unbezahlten Söldner. Was für eine Karriere. Kurz darauf sind wir auch schon unterwegs. Durch meine Ausbildung finde ich das Fahren in dem Schiff nicht mehr besonders aufregend. Das Essen hingegen finde ich klasse und verbringe auch fast die ganze Fahrt in der Kantine. Ich bin vielleicht unbezahlt, dafür gibt es die Verpflegung gratis. Das werdet ihr noch bereuen.

Wir kommen am Ziel an. Seltsamerweise scheint es niemanden zu stören, dass mitten in einem Dorf nun ein Schiff auf dem Trockenen steht. Auch wieder so eine Fähigkeit von einem der Auserwählten. Der sorgt einfach dafür, dass unser Schiff nicht wahr genommen wird. Ist bestimmt lustig, wenn einer mal voll gegen den Kahn rennt und sich wundert, was das jetzt war. Soweit kommt es dann aber doch nicht. Wir requirieren einfach ein Auto und fahren zum Präsidentenpalast. CT, ich und noch zwei Jungs. Als wir diesen betreten werden wir natürlich angehalten. CT hält dem Wachmann ein weisses Blatt Papier hin, der tut so, als würde er es sich durchlesen und bittet uns dann herein. Was war das schon wieder? CT meint, mit ein paar kleinen Tricks könnte man jeden dazu bringen, dass zu sehen was er sehen will. Von mir aus. Jeder hat ja irgendwie Fähigkeiten. Nur ich bin zu blöde dazu.

Fast zwei Stunden laufen wir in dem Palast rum. Wieder typisch. In den Dörfern stehen Häuser, die haben nicht einmal verglaste Fenster. Hier ist Alles vom Feinsten. Vielleicht sollte man gegen so etwas mal was unternehmen. Mitten in meinen Gedanken gibt es Tumult. Bewaffnete Kerle sind in den Palast eingedrungen und ballern wild um sich rum. Ich gehen in Deckung. Auch unsere zwei Begleiter. Nur CT bleibt cool stehen und schaut sich das Alles an. Hat der keine Angst? Dann geht es los. Er sagt nur ich solle angreifen. Soll ich? Ist das eine gute Idee? Na versuchen wir es mal. Ich springe hinter meiner Deckung hervor, kassiere den Einen. Ich kralle mir seine Waffe und habe ihn auch mit wenigen Tritten am Boden. Seinen Kollegen erledige ich mit einer grossen Vase. Die steht auf einem Tisch. Ein gezielter Tritt und die fliegt dem netten, jungen Terroristen an die Murmel, woraufhin er zu Boden geht. Bleiben noch drei. Für mein drittes Ziel nehme ich meine erbeutete Waffe. Ich drücke ab, leer. Toll. Also ziehe ich das Magazin raus und werfe es mit Schwung meinem Gegenüber an den Kopf. Da geht er schlafen. Noch zwei. Der Eine kommt von hinten an mich ran. Versucht mich zu klammern. Doof oder was? Ich trete ihm auf den Fuss. Sein Griff lockert sich und ich kann ihm ungehindert ein paar mal die Ellenbogen in die Rippen rammen. So bin ich dreh. Ich drehe mich zu ihm um, nehme dabei mein Bein hoch zum Tritt und das kommt durch die Drehung natürlich mit viel Schwung genau an seinen Kopf. Doch der stämmige Typ weigert sich schlafen zu gehen. Er macht eine Bewegung nach vorne, woraufhin ich sofort zurück weiche. Doch er wollte nicht angreifen. Nein der ging nur in die Knie. Das linke Knie auf dem Boden, das Rechte angewinkelt. Als ob er mir einen Antrag machen will. Muss ich ablehnen, Sorry. Ich nehme Anlauf, setze meinen linken Fuss auf sein Knie und während ich mich abdrücke bekommt er meinen rechten Fuss voll unter das Kinn. Da geht dann auch er schlafen.

Leider hat die ganze Nummer zu lange gedauert. Der Letzte auf meiner Liste hat mittlerweile die Lage erkannt und der Überraschungseffekt ist dahin. Er lädt seine Waffe durch und feuert. Ich sehe die Kugeln auf mich zu fliegen. Ja richtig, ich sehe sie auf mich zu kommen. Gar nicht mal so schnell. Ich habe nicht einmal wirklich Mühe, um diesen auszuweichen. Dann sehe ich CT hinter dem Typ erscheinen und ihm den Gar ausmachen. War das nun Alles? Mission erfüllt? Er nickt. Das war ja einfach. Oder? In dem Moment kommen zwei dieser schwarzen Anzugträger rein. CT schreit sofort, wir sollen uns verpissen. Gar nicht so einfach, die Jungs sind schnell, auch wenn man ihre Bewegungen kaum sieht. Zurück auf dem Schiff geht die wilde Fahrt sofort los. Noch einmal entkommen. Schwein gehabt.

Level 3 – Stärker als gedacht

Was ich an dem Tag erlebt hatte, sollte sich die nächsten Wochen immer wiederholen. Der Raster heckte einen bescheuerten Plan aus, wir bekamen es mit und verhindern das. Eigentlich langweilig. Besonders für mich. Ich bin nämlich doch nicht ganz untalentiert. Ich bin schnell. Sehr schnell. Das hat sich da im Irak deutlich gezeigt. Es ist für mich nicht gefährlich, wenn jemand anfängt auf mich zu schiessen. In der Regel habe ich mehr wie genug Zeit, den Kugeln auszuweichen. Auch für meine Gegner bin ich zu schnell. Ich verkloppe die regelmässig. Eigentlich liege ich immer schon auf der Lauer, bis CT mich endlich von der Leine lässt. Dann geht es rund. Je mehr, je lustiger. Dabei setze ich auch immer neue Techniken ein. Je spektakulärer, desto mehr Spass habe ich dabei. Nur wenn dann die Schwarzen auftauchen, heisst es reiss aus nehmen. CT gibt mir immer wieder unmissverständlich die Anweisung, es auf keinen Fall gegen diese Typen zu probieren. Die seien zu stark und zu schnell, schliesslich würden sie nicht den Beschränkungen des menschlichen Gehirn unterliegen. Was soll das denn heissen? Nun, es sind genau genommen Roboter. Die überlegen nicht, die handeln. Während ich noch die Situation erfassen müsste, würden die schon zuschlagen. Er zeigt mir eine Narbe an seinem Schlüsselbein. Die war übrig geblieben, als er einst den Versuch gewagt hatte, gegen einer dieser Wächter anzutreten. Dennoch habe ich das Gefühl, ich könnte die besiegen. CT sagt jedoch, nur der Auserwählte könnte das und mit dem Sieg über die Wächter käme der Kampf gegen den Raster selbst. Personifiziert in einer Person. Toll. Dann soll der Auserwählte mal kommen und klar Schiff machen.

Ein Wunsch, den auch meine Freunde schon seit vielen Jahren hegen. Doch bisher waren Alle, die man potentiell als Auserwählte sehen konnte, nie in der Lage gewesen einen Wächter zu besiegen. Warum habe ich eigentlich von denen noch keinen kennengelernt? Ach so. Die haben den Angriff nicht überlebt. Verstehe. Doch irgendwie lässt es mich nicht los. Ich bin so schnell, so stark, das müsste doch zu schaffen sein. Leider bin ich einige Tage später gezwungen, meine Theorie zu überprüfen. Wir haben die strickte Anweisung, sollte jemand von uns in die Hände der Wächter geraten, dann müssen wir ihn zurück lassen. Auch wenn es CT selbst ist. Klingt ja eigentlich ganz okay, bis man dann wirklich in der Situation ist. Wir haben einen Einsatz in Australien. Dort versuchen böse Wissenschaftler das Ozonloch zu vergrössern, um Australien unbewohnbar zu machen und eine Flüchtlingskrise auszulösen. Das geht ja so nicht. Während wir in der Anlage also gerade dabei sind, die Deppen daran zu hindern passiert es. Ich versuche den Server zu hacken, um das System komplett zu löschen. Das ist einfacher, wie die ganze Anlage in die Luft zu jagen. Immer wieder kommt so ein Trottel und versucht mich davon abzuhalten. Ich trete also so einem Esel gerade in den Arsch, da taucht ein Wächter hinter CT auf und schnappt ihn. Nein! Das darf nicht sein! Einer unserer Mitstreiter kommt zu mir und fragt, wie weit ich sei. Auftrag erfüllt, dass System wird gelöscht. Er will mich weg zerren. Doch nein. Ich gehe nicht ohne CT! Nach ein bisschen hin und her verschwindet er dann und sagt, wenn ich mich umbringen will soll ich eben machen.

Nur was tun? Frontalangriff? Genau! Der Typ wusste ja sowieso das ich da war, also warum nicht gerade aus. Er hat CT auf dem Boden knien und will ihm wohl gerade den Rest geben, da stürme ich heran. Ich springe und trete. Im Flug sehe ich, wie er sich zur Seite bewegt. Von mir aus. Geht der Tritt eben daneben, dafür trifft dich mein Schlag. Richtig. Obwohl ich eigentlich im Sprung getreten habe, setze ich noch im Flug mit einem Schlag nach und der Trifft den Typ voll im Gesicht. Er taumelt zurück. Ich kümmere mich um CT, der mich für verrückt hält. Leider hat er damit nicht wirklich unrecht, denn auch wenn ich im darauf folgenden Kampf noch ein oder zwei Treffer landen kann bin ich dennoch unterlegen. So begibt es sich, dass CT den Rückzug antritt und ich von dem Wächter verschleppt werden.

Toll. Gut gemacht Amy! Wieder sitze ich im Knast. Dieses Mal jedoch ohne Essen. Das nervt. Nicht zu knapp! Doch danach wird es noch weit weniger Lustig. Ich werde von den Wächtern abgeholt und in einen Verhörraum geführt. Dort auf einen seltsamen Sessel geschnallt und bekomme hohen Besuch. Ein Typ in Grau, mit schwarzer Sonnenbrille tritt auf den Plan. Er fragt mich nach meinem Namen. Ich sage diesen und frage meinerseits. Der Typ sagt, ich solle ihn Raster, oder Lazarus nennen, was mir lieber gefallen würde. Lazarus. Das war der Name des Forschungsprojekt. Ich verstehe. Dann werde ich nach dem Standort unserer Stadt gefragt. Das kann er aber gleich vergessen. Ich bin kein Verräter.

Eine Woche und unzählige Verhöre und Folterungen später, bin ich immer noch auf diesem Standpunkt. Wenngleich die gebrochenen Knochen doch schon überzeugend sind. Auch die ganzen Wunden an meinem Körper sind nun nicht grade einfach so weg zu denken. Ich habe sogar schon den Versuch eines Selbstmordes hinter mir. Dafür habe ich aus meinem Oberteil einen Strick gebastelt. Was nicht viel gebracht hat, da die einzige Möglichkeit, dass Ding an die Decke zu hängen entpuppte sich als zu schwach, so dass ich auf dem Hosenboden gelandet bin und nun oben ohne herumlaufen muss. Super, oder? Ich bin also genau genommen richtig in der Scheisse gelandet. Jeden Tag Foltern, mir gehen bald die Knochen aus, die man mir brechen könnte, dazu hab ich bald mehr Narben wie Frankenstein und da ich zu dumm bin, mich zu erhängen, habe ich auch kein Oberteil mehr. Tolle Wurst! Was also tun?

Am nächsten Tag, ich bin gerade vom täglichen Foltern zurück, habe ich Besuch in der Zelle. Cerox. Toll. Was macht die denn hier? Nun, dass Selbe wie ich. Sie wurde beim Einsatz gefangen genommen und durfte jetzt auch leiden. Dummerweise ist sie nicht mein Format. Sie ist eher ängstlich und hält nicht viele Schmerzen aus. Na das wird noch was. Sie bittet mich, dass ich sie töte. Gehts der zu gut? Sie sagt, dass wäre der einzige Weg, wie sie nichts verraten würde. Die hat doch ein Rad ab, ganz echt! Mich selbst umbringen von mir aus, aber doch keine Freundin. Fängt die doch glatt an zu betteln. Sie wolle die Schmerzen nicht durchmachen usw. Klasse. Mach mir nur das Leben schwer. Aber nein. Ich werde sie nicht töten. So weit kommt es noch.
Als sie dann jedoch abgeholt wird und ich sie kurz darauf vor Schmerzen schreien höre werde ich doch etwas melancholisch. Doch auch als sie wie ein Häufchen Elend zurück kommt und wimmernd auf der Pritsche liegt, kann ich ihr den Wunsch nicht erfüllen. Nein, ein Plan muss her. Okay, was vielleicht zu Beginn meiner Reise noch funktioniert hätte, war mittlerweile durch meine Verletzungen vollkommen unmöglich. Wie sollte ich mich und sie aus der Gefangenschaft befreien, wenn ich kaum sitzen, oder stehen, oder liegen konnte? Beine, Arme und Rippen waren ja schon gebrochen und bereiteten mir sowieso unaussprechliche Schmerzen, egal was ich tat. Das war doch alles scheisse. Von mir würden sie eh nichts erfahren, könnten sie es also auch gleich beenden. Von ihr würden sie es früher oder später erfahren, dann war sowieso alle Hoffnung dahin.

Doch der nächste Tag brachte Neuerung. Zuerst wurde sie abgeholt. Soweit kein Problem, doch ich hörte keine Schreie. Dann wurde ich abgeholt, noch bevor Cerox wieder in der Zelle war. Hmm. Was hatte es damit wohl auf sich? Die Antwort ist einfach. Meine Freundin wird vor die Wahl gestellt. Entweder sie foltert mich, oder sie wird selbst gefoltert. Super. Nicht nur das ich wieder Schmerzen zugefügt bekam, nein dieses Mal musste ich auch noch meiner Freundin ins Gesicht schauen, wie sie mit sich selbst am kämpfen war, während sie mir mit glühenden Eisen das Fleisch verbrennt. Die Jungs sind schon Profis beim Foltern. So kann das aber nicht weiter gehen. Ich weiss gar nicht zum wievielten Male mein Oberschenkel an diesem Tag gebrochen wird. Aber die Schmerzen sind unerträglich und langsam fühlt sich mein rechtes Bein auch nur noch an wie ein Sack mit Splitter. In meine Zelle werde ich mittlerweile rein geworden, es ist mit nicht mehr möglich zu gehen.

Die Zeit verrinnt. Jeden Tag das gleiche Spiel, jeden Tag wird mein Körper mehr geschunden, jeden Tag bricht in meiner Freundin mehr, während sie mich foltert,. Wir sind auch nicht mehr in der selben Zelle, ich nehme an, dass ist den Wächtern zu riskant. Letzten Endes bleibt jedoch nur eine Sache. Entweder ich komme hier in kürze raus, oder ich sterbe. Das mit dem Rauskommen dürfte natürlich etwas schwieriger werden. Aber sterben lassen sie mich auch nicht. Jeden Tag immer das Selbe.

»Wo liegt eure Stadt?«

»Wenn ich es wüsste hätte ich es gestern schon gesagt!«

Schlag, Schlag, Eisen usw. Interessanterweise foltern sie aber auch Cerox nicht. Was es wohl damit auf sich hat? Sie muss nur mich foltern. Doch bevor ich mir da grössere Gedanken drum machen kann geht die Folter bei ihr auch schon los. Es ist nicht besonders schön, zu sehen wie sie auf die gleiche Art behandelt wird wie ich und ich muss gesehen, ich werde auch von Mal zu mal wütender. Dann kommt der Tag, an dem die ganze Scheisse einfach zu viel wird. Ich werde aus meiner Zelle geholt und wieder auf dem Stuhl fest gemacht. Die müssen mich mittlerweile recht kompliziert fest binden, da die meisten Knochen schon so kaputt sind, dass ich nur noch schwer zu fixieren bin. Ich muss mir mit anschauen, wie meine Freundin gefoltert wird und in mir kocht es. Mir schiesst ein Gedanke durch den Kopf. Ich bin doch im Raster. Den Raster kann man beeinflussen. Dann wird es Zeit das zu nutzen!
Also geht es los! Ich schaue mir meine Beine an. In meinem Kopf zeichnen sich Bilder ab. Bilder wie meine Knochen sich richten und verheilen. Scheisse was ist das? Bewegt sich da etwas? Warum werden denn meine Schmerzen geringer? Funktioniert das? Verdammt! Es funktioniert? Meine Beine sind wieder fit, sogar die zersplitterten Oberschenkel. Ich schliesse die Augen und spüre, wie es überall in mir kribbelt. Die Schreie meiner Freundin machen mich immer wütender. Ich spüre, wie das Kribbeln nach lässt. Schmerzen verspüre ich gar keine mehr. Dann öffne ich wieder die Augen.

Angebunden bin ich immer noch. Aber scheiss drauf. Ich spanne meine Muskeln an. Natürlich komme ich nicht weit. Dann schliesse ich wieder die Augen. Ich stelle mir vor, wie ich meine Arme ausbreite und die Fesseln einfach sprenge. Dann versuche ich es noch einmal und die Fesseln fliegen in Fetzen davon. Ich bin frei. Ohne Fesseln stehe ich frei im Raum. Die Wächter erkennen das. Natürlich kommen sie sofort auf mich zu. Doch dieses Mal nicht freunde. Gewalt erzeugt Gegengewalt! Das haben mir die Ärzte früher immer erzählt. Und diese Gegengewalt dürft ihr jetzt erfahren. Da kommen die ersten Angriffe und die sind lächerlich. Ich kann sie alle abwehren und als ich dann selbst anfange auszuteilen bekomme ich schnell die Oberhand. Ich schlage jeden einzelnen Schmerz der letzten Zeit aus den Wächtern raus. Zwar ist klar, die leben nicht, also empfinden sie auch keine Schmerzen und sie verschwinden auch einfach, nachdem ihre Energie verbraucht ist, bzw. ich sie um einen Kopf erleichtert habe. Was für ein geiles Gefühl, kaum liegt der Letzte tot am Boden und verschwindet, habe ich den Eindruck ich bin vier Meter gewachsen. Ich befreie meine Freundin und wir treten den Rückzug an. Nur wo hin? Wo sind wir eigentlich? Erst jedoch kümmere ich mich um die Kleine. Natürlich gab es bei ihr auch diverse Frakturen. Ich stelle mir vor, wie durch meine Hand die Kraft strömt und die Wunden und Verletzungen bei meiner Freundin heilt. Das funktioniert nicht ganz so gut wie bei mir, doch gut genug, damit sie laufen kann.

Wir irren durch diese riesige Anlage und ich erledige mit Freunden noch ein paar der Wächter, dann sind wir endlich draussen. Ich konzentriere mich ganz stark auf CT. Stelle mir vor, wie er weiss wo wir stecken und sich auf den Weg macht, Hoffentlich funktioniert das auch. Man weiss ja bei so etwas nie. Doch dann passiert es. Der graue Typ, Lazarus taucht auf. Na super und was jetzt? Bleibt ja nur der Kampf. Ich bringe mich also gegen ihn in Stellung. Doch was ist das? Gegen den sehe ich aus wie die Bimmelbahn auf Urlaub! Kann ja gar nicht sein! Kein Schlag kommt an, ich kann keinen abwehren. Egal was ich in meinem Kopf ausmale will einfach nicht funktionieren. Ich gebe alles was ich drauf habe. Erreiche aber nur das ich müde werde. Was ist das? Die Enceladus! Er hat mich gehört! Die Kleine wird von CT an Bord genommen, dann fängt das Schiff an Dauerfeuer auf Lazarus zu geben. Zwar wird er nicht getroffen, er ist jedoch so sehr mit Ausweichen beschäftigt, dass ich auf das Schiff verschwinden kann. Kurz darauf geht es auch schon los und wir sind unterwegs. Das war höchste Eisenbahn.
Wir werden auf die Krankenstation gebracht. Warum? Ich bin doch top fit! Ich will in die Kantine! Meine Freundin hingegen hat es schlimmer erwischt. Trotz meiner Behandlung wird sie eine ganze Zeit im Krankenhaus verbringen müssen. Ja unsere Stadt hat auch ein echtes Krankenhaus. CT will natürlich wissen, wie es sein kann das ich noch lebe und das ich keinen Kratzer habe. Ich versuche es ihm zu erklären. Doch so ein wenig Zweifel hat er schon. Klar, Ihm macht die Stadt sorgen. Wenn einer von uns geredet hat sind Tausende in Gefahr. Aber ich garantiere ihm. Niemand hat etwas gesagt. Ansonsten wären die schon längst bei uns eingelaufen. Ausserdem erzähle ich ihm, dass ich eine ganze Horde an Wächter platt gemacht hatte. Er kann das nicht glauben, doch auch Cerox bestätigt es ihm. Für einen Kurzen Moment sehe ich die Frage in seinem Gesicht. Bin ich vielleicht die Auserwählte? Doch den Gedanken verwirft er schnell. Kann ich ihm auch nicht verdenken, ich meine, ich hatte gegen Lazarus kein Land gesehen und als Auserwählte müsste ich ja eine Chance gegen ihn haben. Haken wir das Thema also besser gleich wieder ab.

Ausserdem ist in der Zwischenzeit hier auch ziemlich viel passiert. Es wurden neue Leute gefunden, die ebenso wie ich auf der Suche nach dem Raster waren. Einer von ihnen ist vielversprechend. Er beherrscht aus dem Stehgreif schon sehr viele der Fähigkeiten. So ist es ihm kein Problem, Feuerbälle zu produzieren, den Raster zu krümmen, selbst Blicke in weit entfernte Regionen sind für ihn ganz einfach. Dazu hat er das ganze Training noch schneller verinnerlicht wie ich und ist kämpferisch jetzt schon der Stärkste, der je in dieser Stadt ausgebildet wurde. Auf ihm ruhen zwischenzeitlich alle Hoffnungen. Er ist nicht nur stark, nein er ist auch unglaublich schnell und kaum zu stoppen. Egal was man ihm zeigt verinnerlicht er quasi sofort. Er könnte der Kandidat für den Auserwählten sein. Zudem wurde er gefunden, als er gerade dabei war zum Spass ein paar der Wächter zu verhauen. Er ist also auch in dem Punkt mit mir ebenbürtig. Nur aus irgendeinem Grund schaffe ich es nicht, ihn kennen zu lernen. Sehr komisch.

Auf jeden Fall muss ich erst einmal richtig Essen. Davon lasse ich mich auch nicht abhalten. Wäre auch noch schöner, nach der langen Zeit. So sitze ich da und schlinge das Essen in mich rein, da taucht auf einmal ein sehr seltsamer Typ bei mir auf. Den habe ich bisher noch nie gesehen, aber ganz ehrlich, ich kenne die Meisten aus der Stadt noch nicht. Ich bin entweder irgendwo beim Essen, zuhause, oder auf einer Mission. Wie soll ich da also Leute kennen lernen. Der Typ stellt sich vor. Er heisst Ronon. Ah, er ist also der vermeintliche Auserwählte. So sieht er sich selbst jedoch nicht. Er geht eher davon aus, dass CT ihn da überschätzt. Er streitet zwar seine Fähigkeiten in keinster Weise ab, denkt aber, dass für den Auserwählten eine ganz bestimmte Sache fehlen würden, oder falsch wäre. Was das ist, will er mir jedoch nicht sagen. Immer diese Geheimniskrämer. Aber gut, wenn er denkt.

Er beeindruckt mich, denn er isst in kurzer Zeit mehr wie ich und das soll was heissen! Zudem ist es auch lustig, sich mit ihm zu unterhalten. Wie es aussieht sind wir Beiden die Einzigen, die positiv von einem Kampf gegen einen Wächter reden können. Alle Anderen reden da nicht drüber, die sind auch tot. CT scheint der Einzige zu sein, der eine Begegnung verloren und dennoch überlebt hat. Okay zwei Begegnungen, ich habe ihn ja schliesslich auch aus den Fängen des Wächters befreit. Oh Junge, dafür darf er sich für den Rest seines Lebens gerne bedanken.
Nach dem Essen geht es erst einmal ins Bett. Ich muss einfach noch einmal auf einer richtigen Matratze liegen und schlafen. Das tut ja so gut! Ich bin auch sofort weg. Man glaubt es kaum, aber ich habe 18 Stunden am Stück geschlafen! CT hat auch versucht mich zu wecken, doch keine Chance. Aufgrund meiner Erlebnisse hat er sich dann auch dazu durchgerungen, mich schlafen zu lassen. 18 Stunden. Also aufstehen und essen gehen! So muss das sein! Netterweise leistet mir auch Ronon wieder Gesellschaft. Dagegen habe ich nichts. Wir haben viel zu erzählen, was gut ist, denn wir haben auch viel zu Essen. Nach der Mahlzeit fordert ich Ronon zu einem Kampf. Gut, kann er haben. Das Ganze macht die Runde und kurz darauf ist fast jeder, der nichts zu tun hat, in der Halle und spielt Zuschauer. Es fängt auch ganz gut an mit ihm. Ich bin im Vorteil, doch nimmt er mir diesen relativ schnell ab. Kurz darauf beziehe ich Prügel. Egal was ich mache, ich komme nicht an ihn ran. Gibt es doch gar nicht! Kann doch nicht sein das ich einen Wächter besiege, aber den nicht treffe. Es ist dann wieder mein Geist, in dem sich Bilder zeichnen, die ich dann realisiere. Na geht doch. Auf einmal sieht der Gute gar nicht mehr so überlegen aus. Am Ende reicht es mir, ein Knie zu benutzen, um alle seine Angriffe zu blockieren. Nachdem ich dann einmal zurück geschlagen habe und er im hohen Bogen bis zur Hallenwand geflogen ist, unterbrechen wir den Kampf. Sorry Ronon, aber wenn du der Auserwählte sein solltest, dann sehe ich schwarz!

Es gibt aber noch jemand, der es so sieht. CT! Nach dem Kampf gerät sein ganzes Weltbild ins wanken. Aus seinem Auserwählten ist jemand geworden, den ich besiegen konnte. Was beutet das? Es bedeutet, wenn ich gegen Lazarus nicht gewinnen konnte, dann kann es Ronon auch nicht. Die Enttäuschung ist gigantisch! Doch wer weiss, vielleicht steht der wirkliche Auserwählte ja bereits bei uns vor der Tür!

Level 4 – Der Auserwählte?

Warum ich das so sage? Nun, weil wirklich der Anwärter bei uns vor der Tür steht. Nicht genau vor der Tür, aber in Reichweite. CT hat einen Hacker aufgespürt. Jung, dynamisch, hackt Alles, egal was es ist, oder wie verschlüsselt es ist. Für ihn dauert ein Hack schon lange, wenn dieser über 30 Sekunden benötigt. Wo ich also in Minuten rechne, rechnet dieser Nerd in Sekunden. Zudem ist er ein Genie. Sein IQ Test hat unglaublich hohe Werte im Bereich der Vorstellungskraft erbracht. Also genau das was man braucht, wenn man den Raster manipulieren will. Ihn jedoch zu erwischen, dass ist schon deutlich schwerer. Es gibt keinen Anhaltspunkt, er reagiert auf nichts. Wenn er seine Wohnung verlässt, dann wissen wir nie, wann, wie oder wo das sein wird. Wenn dann eine Kamera auf die Gesichtserkennung reagiert, ist er oft schon so weit von uns weg, dass wir nicht zugreifen können. Oder er ist schon wieder zuhause und verbarrikadiert sich. Tolle Aussichten. Also was tun. Na ganz einfach. Ich hacke ihn! Das ist jedoch nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe. Denn auch wenn er gelegentlich recht schlampig in seiner Codierung ist, gerate ich dennoch sehr oft in eine Falle, anstatt zum Ziel. Das ist frustrierend. Dann bleibt mir nur eine Wahl. Ich muss ich live hacken!

Wir man das macht? Schon mal etwas von den Waffen einer Frau gehört? Ich mache es mir ganz einfach. Ich ziehe mir ein Nerd-Shirt an, also eins, wo eine Alt und eine Alt-Gr Taste genau über meinen Brüsten liegen, mache mir die Haare zusammen, Brille auf und schon wird geklingelt. Na schau an. Wer hat denn da Zugang zu seinem erregten LAN-Kabel? Er sieht mich durch den Spion, kurz darauf ist die Tür offen. Doch da er sich weigert mit mir zu kommen stehen natürlich auch kurz darauf die Wächter bei ihm in der Bude. Super Leistung! Er gerät in Panik und was passiert? Nachdem ich die Wächter zerlegt habe ist er so verliebt in mich, dass er mir bis ans Ende der Welt folgen würde. Wenn er wüsste, wie recht er mit der Beschreibung dieses Ziels doch hatte. Ich meine, Der Nordpol ist ja schon so etwas wie das Ende der Welt, oder?

Ihn dann bis in die Stadt zu bringen ist eigentlich ziemlich leicht. Nachdem er das Schiff gesehen hat und feststellte, dass es tatsächlich auch auf Land fahren kann, ist er nicht mehr zu halten. Das ist voll sein Ding. CT erklärt ihm dabei, um was es eigentlich geht. In der Stadt dann das Böse Erwachen. Training. Zwar ist Cerox noch nicht so fit, doch zum Trainieren reicht es. Der Typ hat sofort Alles drauf und ein Gang mit mir in der Halle bestätigt, der Gute hat richtig was drauf! Nicht nur beim Hacken ist der eine grosse Leuchte. Sofort kann er seine Fähigkeiten umsetzen. So springt er zum Beispiel, bleibt jedoch in der Luft stehen und verwirrt mich, bevor er angreift. Um nur eins seiner Talente zu nennen. Er kann sich wirklich fast jeden Scheiss ausdenken und durch seinen Geist dann real werden lassen. Als er dann noch mit einer Feuerkugel die halbe Trainingshalle abreisst ist es genug. Oder anderes gesagt, die lange Suche nach dem Auserwählten scheint ein Ende gefunden zu haben.

Das bestätigt auch der nächste Einsatz. Rom. Das italienische Staatsoberhaupt macht schlechtes Wetter gegen die EU. Natürlich Alles unter der Kontrolle von Lazarus. Missionsziel ist einfach. Den Einfluss von Lazarus brechen. Mit unserem neuen Auserwählten ist das eine leichte Aufgabe. Er erledigt die Wächter so mühelos, dass sogar ich mir schwach vorkomme. Auch hat er den Bann, welcher offensichtlich über dem Regierungschef gelegen hat in null Komma nichts beseitigt. Mission erfüllt, ohne das es auch nur zu verstärktem Puls gekommen wäre. Ziemlich cool!
So geht es die nächsten Wochen weiter. Einsatz folgt auf Einsatz, unser Auserwählter beweist Stärke und rekrutiert neue Gläubige, es läuft alles wie am Schnürchen. Lediglich das Platzangebot macht uns Sorge, wir müssen wohl die Stadt vergrössern. Na ja, wenn es bald zum finalen Schlag kommen sollte, dann ist das eh nicht mehr nötig. Dann können wir uns ja auf die normalen Städte verteilen. Soweit die Hoffnung. Aber wird es auch so weit kommen? Bislang hat sich Lazarus nie in der Nähe von unserem Auserwählten gezeigt. Hat der vielleicht Angst? Das wäre ja ein super Zeichen. Aber wer weiss. Mal abwarten.

Schon im nächsten Einsatz zeigt sich die Qualität unseres neuen Auserwählten. Denn nicht nur, dass er Wächter verkloppt, nein er rettet auch noch ein junges Mädchen, welches eigentlich aufgrund von Verletzungen nur noch eine geringe Chance zum Überleben hatte. Ich werde immer begeisterter von ihm. Es macht auch Spass mit ihm unterwegs zu sein. Nur Ronon fühlt in seiner Gegenwart irgendetwas abgrundtief falsches. Er kann es aber weder erklären, noch beschreiben. Seiner Meinung nach ist unser neuer Freund einfach nicht das was er zu sein scheint. Das ist jedoch schwer nachvollziehbar, denn er schafft es bislang alles zu machen, was wir von ihm erwarten. Ach, Ronon wird auch noch einen Draht zu ihm entwickeln.
Problematisch ist da der nächste Einsatz. Ronon ist dieses Mal mit dabei. Wir haben auch alle Hände voll zu tun, was besonders Ronon viel Spass Wir drei sind sowieso die Einzigen, die es erfolgreich schaffen einen Wächter zu verhauen. Nein nicht nur erfolgreich, wir machen mit den Pennern einfach kurzen Prozess. Deshalb können wir mittlerweile die Einsätze auch so planen, dass die Jungs ruhig dazu stossen können. Wir kümmern uns um die, während CT mit den Anderen den Rest der Mission erledigt. Doch dieses Mal ist es Anders. Ronon wird von einem der Wächter von hinten überrascht und fast zu Fall gebracht. Unser neuer Auserwählter greift ein und zerlegt den Wächter, noch bevor Ronon sich umgedreht hat. Dieser finden das nicht komisch und es geht eine Schubserei zwischen den Beiden los. Erst der Eine, dann der Andere und es entwickelt sich eine richtige Schlägerei. Die Ronon zu verlieren droht. Ich muss dazwischen gehen. Was mich selbst in Gefahr bringt, Doch da sehe ich auch seltsamen Hass in den Augen unseres Neuen. In denen von Ronon jedoch auch, also nicht das man meinen könnte, nur der Eine wäre Böse. Zurück in der Stadt ist der Ärger jedoch schnell verraucht. Spätestens beim Essen sind die Beiden sich wieder einig. Geht doch nichts über Nahrung.
Der nächste Einsatz.. Schon fast langweilig. Erst nur die normalen Leute, dann die Wächter. Ich strenge mich schon gar nicht mehr wirklich an. In meinem Kopf haben sich die Bilder schon so fest gesetzt, dass die Wächter mir nichts mehr können. Für die Meisten muss ich mich nicht einmal konzentrieren. Die verlieren einfach. Früher waren sie so gefährlich. Heute interessieren sie mich kaum noch. Doch dann kommt es zum Showdown. Lazarus taucht auf. Ich kriege ihn als erstes in die Finger und er zeigt mir, mal wieder, wie schnell ich auf dem Boden liegen kann. Auch unser Neuer legt sich irgendwie halbherzig mit ihm an. Dann kommt Ronon. Erst sieht es sogar gut aus. Doch dann. Lazarus greift ihn am Hals, hebt ihn hoch in die Luft. Die andere Hand ballt sich zu einer Faust, dann kommt der Schlag. Doch der trifft nicht Ronon. Nein, unser neuer Freund wirft sich in die Bahn und ich kann sehen wie Lazarus Faust in ihn eindringt. Ich schreie vor Wut, genau wie Ronon. Dann zieht sich Lazarus zurück. Das wird dieser Wichser noch zurück bekommen, das schwöre ich ihm!

Zurück in der Stadt ist die Stimmung natürlich im Arsch. Wir haben unseren Auserwählten verloren. Der Eine, der viel stärker war wir jeder von uns. Wenn er Lazarus nicht besiegen konnte, wer kann es dann? Richtige Trauer und Angst erfüllt die Stadt. Wie kann das auch sein? Die Prophezeiung spricht doch von einem Auserwählten. Warum finden wir ihn nicht? Wie stark muss der sein? Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Lazarus uns aufspüren wird. Dann ist es mit uns vorbei mit.Level 5 – Der Auserwählte!

Das sieht alles nicht besonders gut aus. Unser vermeintlich Auserwählter ist tot, Ronon und ich nicht stark genug für einen Kampf gegen Lazarus und am Schlimmsten, nirgendwo zeigt sich ein potentieller Kandidat. Es scheint fast so, als wären Alle, die auf der Suche nach dem Raster sind, mittlerweile bei uns in der Stadt angekommen. Das sind natürlich richtig beschissene Voraussetzungen. So funktioniert das nicht!

Viel schlimmer ist jedoch, es wird immer Gefährlicher. Lazarus hat es mittlerweile nur noch auf Atomkraftwerke, Chemiefabriken und nukleare Waffen abgesehen. Wir kämpfen verbissen, gewinnen die meisten Schachten jedoch nur ganz knapp. Das demoralisiert! Nicht nur das, es zeigt uns auch, dass es nicht mehr lange funktionieren wird. Die Geschichte hat bald ein Ende und wie es sich im Moment verhält wird es kein gutes sein. Entsprechend ist auch die Stimmung, wenn es zum nächsten Einsatz geht. Angst, Panik, Ungewissheit. Sagen wir es doch ganz einfach. Niemand von uns weiss, wo das Ganze hinführen wird.

So schleppen sich die Wochen ins Land. Ich kann meine Einsätze schon gar nicht mehr zählen. Auch nicht, wie viele Wächter ich mittlerweile vernichtet habe. Ich weiss nur, egal wann Lazarus auftaucht ziehen wir mächtig den Kürzeren. Ich versuche es zwar immer wieder, doch ich habe keine Chance. Auch Ronon kriegt von ihm regelmässig die Hucke voll. Anscheinend spielt er jedoch nur mit uns. Denn er hätte uns Beide schon mehrfach töten können. Warum er es nicht tut bleibt mir ein Rätsel. Allerdings ist auch wieder die Frage, warum sollte er? Selbst wenn Ronon und ich koordiniert angreifen kann er das abwehren und sich dabei noch die Fingernägel sauber machen.

Wir sitzen gerade beim Essen. Mal wieder. Das Beste des Tages. Ronon sinniert gerade darüber, wie wir diesem Lazarus beikommen könnten. CT hingegen geht davon aus, dass es wohl doch keinen Auserwählten, wie ihn die Prophezeiung vorhersieht, geben wird und wir uns eben darauf beschränken sollten, den Kampf so weiter zu führen, wie wird es momentan tun. Doch anscheinend hat da jemand was dagegen.

Eine brutale Explosion erschüttert die Stadt. Scheisse was war das? Wir stürmen nach draussen. Wächter. Tausende! Ronon und ich sind sofort im Gefecht. Wie haben die uns nur gefunden? Zwar kann uns selbst die schiere Menge der Gegner nichts anhaben, sie halten uns jedoch stark auf, so dass wir nicht überall gleichzeitig sein können. Ich sehe, wie in einigen Häusern Feuer ausbricht. Wie Menschen auf die Strasse rennen und von den Wächtern verletzt oder sogar getötet werden. Der Kampf ist aussichtslos. Ronon und ich werden nicht in der Lage sein, genug von den Wächtern zu vernichten, um alle Einwohner zu retten. Oder etwa doch?

Als purer Verzweiflung bildet sich in meinem Kopf ein neues Bild. Ich springe hoch. Mit lautem Schrei falle ich zurück auf den Boden, gehe sofort in die Knie und schlage mit meiner Faust so fest auf das Erdreich, dass eine unglaubliche Druckwelle durch die Häuser fegt. Wie auch immer ich das gemacht habe, es werden nur die Wächter erfasst. Die dafür Alle. Sie werden mit so grosser Wucht aus der Stadt raus in das Eis geschleudert, dass Einer nach dem Anderen dort sein Ende findet. Na geht doch! Doch natürlich ist der Spass damit noch nicht zu Ende. Es geht weiter. Lazarus taucht auf. Mal schauen, ich scheine ja neue Fähigkeiten zu haben. Weit gefehlt. Lazarus lässt mich genau so alt aussehen, wie bei jeder anderen Begegnung. Das kann doch nicht sein!

Wir versuchen Alles. Überraschungsangriffe, Frontalangriffe, Gegenwehr, eben wirklich Alles was uns einfällt. Doch es reicht nicht. Nicht einmal im Ansatz. Lazarus macht uns einfach fertig. Der Kampf nimmt immer dramatischere Wendungen an. Immer öfters muss ich mich erst um Verletzungen kümmern, bevor ich den Kampf wieder aufnehmen kann und Ronon geht es da nicht besser. Auch CT schaltet sich hier und da in den Kampf ein, doch er ist nur besserer Sandsack. Lazarus kümmert sich gar nicht wirklich um ihn. Lazarus verfolgt mit dem Ganzen eine ganz bestimmte Taktik. Er macht uns müde. Meine Konzentration leidet zusehends, auch Ronon kann seine Angriffe nicht mehr genau ausführen. Alles während Lazarus noch frisch wie zu Beginn da steht und sich einen Dreck um unsere Kondition scherte.

Das Ende rückt näher. Auch wenn wir wirklich alles geben, so ist unsere Kraft doch schon fast auf null. Ich bin nicht mehr in der Lage anzugreifen und Ronon liegt seit dem letzten Angriff am Boden. Machs gut liebe Stadt. Hoffentlich hat CT es mit den Anderen rechtzeitig geschafft, die Leute zu evakuieren. Zeit hatten sie genug. Wir bauen eine neue Stadt auf. Vielleicht finden wir ja dafür dann den richtigen Auserwählten. Doch trotz das wir keine Gegenwehr mehr leisten gibt uns Lazarus nicht den Rest. Nein. Er verhöhnt uns sogar.

Ich will nur eins von ihm wissen. Wie hat er uns gefunden? Er lacht. Er lacht immer lauter. Ronen hebt den Kopf. Die Antwort will er anscheinend auch wissen. Dann wandelt sich Lazarus Gesicht zu dem unseres letzten Auserwählten. Er hatte uns verarscht! Wir hatten keinen Auserwählten gefunden, Wir hatten den Feind in unsere Stadt gebracht und ihm auch noch munter alles gezeigt, sogar unsere Kampftechniken. Wie dumm sind wir eigentlich? Unglaublich. In mir brodelt der Hass auf diesen Typ. Ich will ihn vernichten! Ihn leider sehen! Tragischerweise formuliert er im selben Moment eine ähnlich Aussage, Er bewegt sich auf Ronon zu. Ich versuche auf die Beine zu kommen, damit ich meinem Freund helfen kann. Doch keine Chance. Lazarus beugt sich über ihn, dann muss ich mit ansehen, wie seine Hand in die Brust meines Freundes fährt und dieser unter grossen Schmerzen sein Leben aushaucht.

Hass, Wut, Verzweiflung rennen durch meinen Körper. Ich erfahre eine Macht, die ich zuvor nie gespürt habe. So stehe ich auf. Lazarus dreht sich zu mir um, kommt auf mich zu. Ich habe keine Angst. Nicht einmal den Anflug. Er kommt immer näher, in mir wächst die Macht. Eine dunkle, gefährliche Macht, bestimmt von Hass und Wut. Es wird stärker, immer stärker. Es fühlt sich an wie eine Supernova in mir. Kurz vor der Explosion. Lazarus steht vor mir. Grinst. Sagt, wenn ich ganz lieb wäre würde er mir seine Hand direkt ins Gehirn stecken. Ich sage nichts. Ich hasse nur. Meine Hände sind zu Fäusten geballt. Dann kommt sein Schlag. So schnell, man kann ihn mit blossem Auge eigentlich gar nicht erkennen. Doch ich sehe ihn kommen. Ganz deutlich. Bevor die ausgestreckten Finger meine Stirn treffen greife ich ihn am Handgelenk. Seine Bewegung stopp sofort. Da verschwindet sein Grinsen.

Sofort fängt er an weiter auf mich einzuschlagen. Doch ich wehre es einfach nur ab. Seine Schläge kommen mir so langsam vor, während die Macht in mir sich immer weiter verdichtet. Dann passiert es. Mit einem lauten Schrei explodiert die Macht in mir uns ergiesst ungeahnte Kräfte in meinen Körper. Das Ganze ist so heftig, dass selbst Lazarus weit von mir weg geschleudert wird. Ich spüre eine Kraft in mir. So viel stärker wie Alles, was ich jemals erlebt hatte. Ich schaue mich um. Ich kann die Häuser sehen, aber auf was drin ist. Selbst die Holzmaserung an einem Tisch, der im letzten Haus steht kann ich sehen. Sogar seine Atome. Ich bin in der Lage alles zu verändern, wenn ich es will. Aber jetzt will ich nur eins.

Lazarus kommt auf mich zu. Er läuft. Sein Blick ist voller Zorn, seine Augen sind rot. Doch während er läuft sage ich nur »Nein« und er verharrt mitten in der Bewegung. Nur seine Augen können sich noch bewegen. Ich gehe zu ihm. Ganz langsam. Dabei fangen an Blitze aus seinen Gliedern in den Boden zu fahren, was ihm immense Schmerzen bereitet. Mit jedem Schritt den ich näher komme lasse ich seine Nerven so ein heftiges Feuerwerk starten, dass dieses als elektrische Ladungen in den Boden fahren. Er schreit immer lauter. Doch mir ist das egal. Ich will das er leidet, ich will ihn vernichten. Ich werde ihn vernichten.

Ganz dicht vor seinem Gesicht bleibe ich stehen und gewähre ihm noch ein paar letzte Worte. Er will wissen, ob ich die Auserwählte bin. Keine Ahnung! Ich weiss nur eins. Durch seine Taten hat er mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Wenn ich damit die Auserwählte geworden bin, dann ist das allein sein verdienst und aus Dankbarkeit würde ich ihn nun vernichten. Wimmernd und flehend versucht er mich davon abzuhalten. Aber das kann er vergessen. Ich schaue in seine Augen, dann hole ich aus. Meine Hand dringt in ihn ein, jedoch ohne ihn zu verletzen. Ich suche sein Herz. Ja auch dieses Wesen hat in dieser Form ein Herz. Ich umschliesse es, während er um sein Leben bettelt. Langsam drücke ich zu und spüre, wie ich damit die Kraft aus ihm heraus quetsche. Ich gebe mir viel Zeit, dann schreit er noch einmal und ich zerquetsche den Rest voller Genugtuung in meiner Hand. Der leblose Körper fängt sofort an sich um meine Hand herum in Staub aufzulösen, während CT auf mich zu kommt und mit leuchtenden Augen sagt, ich sei die Auserwählte. So will ich aber nicht auserwählt sein! Ich gehe zu meinem Freund, der leblos am Boden liegt. Wenn Ich den Raster verändern kann, dann kann ich auch meinen Freund retten.

Ich lege meine Hand auf seine Wunde. Vor meinem inneren Auge sehe ich seine Verletzungen und wie sie langsam verheilen. Dann immer schneller. Zu gutem Schluss gebe ich seinem Herz noch einen Schubs und mit einem tiefen Atemzug öffnet er seine Augen.

»Warum hat das so lange gedauert? Noch ein bisschen dann wäre ich aus Langeweile doch ins Licht gegangen!«

Wir lachen. Mission erfolgreich beendet!

Game Over

Warum war denn auf einmal alles so schwarz? Verdammt! Das Spiel war zu ende. Wie zur Hölle kam ich nur aus diesem verdammten Helm wieder raus? Mario half mir. Als ich den Helm endlich abgelegt hatte grinste mich auch schon Phillip an und wollte wissen, wie ich ihr Spiel denn finden würde. Ja leck mich! Das Spiel war der Hammer! Nicht ganz mein Thema, aber von der Atmosphäre her, ich hatte tatsächlich einige Male vergessen, dass ich in einem Spiel drin bin!

Falls sich gerade jemand fragt, was da gerade für ein Film abläuft. Erinnert ihr euch? Mario und Phillip hatten doch im Büro angefangen, ihr eigenes Spiel zu schreiben. Ich war nun eins der ersten Versuchskaninchen. Das bedeutet, nichts von dem oben geschriebenen ist auch so real passiert. Das waren die Erlebnisse in der virtuellen Welt! Ich für meinen Teil war extrem beeindruckt von dem Spiel. Der echte Wahnsinn! Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass die Beiden in der Lage waren, so etwas in die Welt zu bringen, den hätte ich ausgelacht!
Mario war über meine Kritik dann auch noch hoch erfreut. Er hatte sich wohl sorgen gemacht, dass das Spiel etwas zu lang geworden wäre. Zu lang? Ich hätte da noch ein paar Stunden drin verbracht, denn die Art der Steuerung ist einfach nur genial. Ich wünschte, ich hätte real auch solche Fähigkeiten wie im Spiel. Ich bin zwar ganz gut im Kämpfen mittlerweile und auch die erfolgreiche Sicherheit bei unseren Rennen, doch was ich da im Spiel konnte war dagegen ja nicht zu vergleichen. Ein wenig beneidete ich die virtuelle Amy. Wohl auch, weil sie sich ihre Schmerzen selbst weg denken konnte. Das hätte ich real auch geil gefunden. Phillip lachte und sagte, nach dem guten Fazit wäre das Spiel dann reif für den Verkauf.


Kommentare

Zuerst dacht ich, ich wäre im falschen Film. Was soll das für eine Amy sein? Aus der Zukunft. Oder gar aus einem anderen Universum. Fällt einem schwer, die bekannte Amy plötzlich in ein anderes Leben zu setzen. Die Erklärung kommt ja erst am Schluss.
Vieles hat den Anschein von der Matrix. Vorsichtig ausgedrückt. Aber auf jeden Fall gut geschrieben. Flüssig zu lesen und auch spannend.
„…weil sie sich ihren Schmerz weg denken konnte.“ Steht für mich im Widerspruch. Sie geht zu Pascal um Schmerz zu spüren. Oder nicht? Wobei die Sache mit dem Schmerz, ein eigenes Thema ist. Solange es um Lust geht, würde ich es als sehr starkes Gefühl bezeichnen. Reine Schmerz gehört in den SM- Bereich.

Natürlich gehört Schmerz zu Sm aber nicht in das Spiel.

Es war auch nur die Idee, dass genannte Spiel zu zeigen, was es mit dem Spiel aus dem Buch auf sich hat.

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